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Dienstag, 22. Juli 2025

Bis ans Ende des Westens

Miniurlaub, Exkursion, Studienreise. Egal, jedenfalls hatten wir 4 Tage Zeit um an den äußersten Westzipfel des Landes zu gelangen, und darüber hinaus. Auf dem Display war der Weg zwischen hier (Northeim) und da (irgendwo bei Aachen) ein einziger Kurvenrausch. Es ging auf 'kurviger Route' nördlich um Kassel herum über Korbach und dann Richtung Sauerland. Da waren schon viele gute Momente dabei, aber auch viele Autos und blasses Licht aus diffusen Wolken. Das Sauerland ist ein stattliches Mittelgebirge mit weiten Schwüngen, vielen 50er Strecken und zugewucherten Ausblicken. Der dichte Verkehr gibt unbeirrt Vollgas. Ermüdet kamen wir in den Westerwald, der sehr dicht besiedelt ist. In der Nachmittagshitze gurkten wir in Autokolonne von einer Ortschaft zur nächsten, dazwischen gab es vielleicht ein paar Kilometer mit 70er Limit. In Bad Honnef checkten wir ein und bestellten ein Bier am Rhein.

Am nächsten Morgen, auf der anderen Rheinseite, ging es durchs genauso zersiedeltes Hinterland von Bonn. Irgendwann war der letzte Vorort und das letzte Einkaufszentrum passé und die Eifel lag vor uns. Mit ermutigendem Freiheitsgefühl ließen wir die Maschinen über die Hügel rollen. Am Bikertreff hatten wir die kleinsten Bikes und die weiteste Anreise, Respekt! Einen Cappuccino lang philosophierten wir über den Rheinischen Humor. Dann ging es weiter, bis es nicht mehr weiter ging. Hinter einem sauberen Siedlungsdorf begann ein seltsamer, wilder Wald. Wir spürten, das war Belgischer Boden. Allerdings ist hier alles durcheinander: Deutsche Schilder, Französische Namen und Niederländische Bauten. In Verviers, und erst recht in Liége, war dann alles wie im Urlaub. Vorsichtig testeten wir uns durch den Verkehr und bestaunten eine verfallene Kirche aus den 70ern, die Anja aus Insta kannte. Unser Hauptziel war eine Mittelalterburg in der Nähe von Aachen, die wir auf einem Hohlweg erreichten, für den man etwas Mut brauchte. Die Burg gehört Michaela. Sie zeigte uns ihr Zuhause und gab uns alkoholfreies Leffe. Wir verbrachten einen warmen Sommerabend in Aachen, an dem wir viel über Altbauten lernten. In Aachen gibt es Himmel und Ääd,  und außerdem ist man dort sonst nie.

Den Sonntag planten wir kurzentschlossen um, zugunsten einer entspannten Ganztagstour durch die Eifel. Startpunkt war der Hambacher Tagebau, eine dystopisch monströse Abbruchlandschaft, an der wir uns nicht sattsehen konnten. Die anschließende Fahrt war ein langer, unbeschwerter Traum aus freien, kurvigen Straßen und grünen Hügeln der Eifel. In perfektem Flow ging es nach Südosten, und als wir den Wegweiser nach Marmagen sahen, hängten wir noch einen nostalgischen Umweg an. Das Ahrtal kannten wir aus den Nachrichten. In ihm verläuft heute eine perfekte Kurvenstrecke bis in die Nähe von Maria Laach. Alles lief bislang so easy, dass wir wir uns auf das touristisch perfektionierte Gelände wagten (Motorräder parken kostenlos) und die Christenbauten bestaunten. Am Rhein war die Eifel zu Ende. Wir stiegen in in einem altmodischem Hotel in Andernach ab, das war genau nach unserem Geschmack. Der Fluss glänzte im Sonnenuntergang wie Lava und die Stadt trauerte der Epoche III nach.

Montag war die letzte Chance, trocken nach Northeim zurückzukehren, daher richteten wir uns mental auf langweilige Bundesstraßen ein. Entgegen der Erwartungen waren diese jedoch bestens in die Landschaft gelegt, mit prächtigen Ausblicken und eleganten Kurven. An wichtigen Stellen waren sie vierspurig, so dass man störende LKWs überholen konnte und eine Weile frei atmen konnte. So rauschten zielstrebig wir durch den Westerwald, das Rothaargebirge über Biedenkopf und Frankenberg und zum Schluss auf abwegigen Nebenstrecken über die spitzkuppige nordhessische Vulkanlandschaft in vertrautes Land. Es leuchtete golden in der heißen Abendsonne. Eine Gewitterzelle machte einen Bogen um uns. alles sollte schön sein. Dieses Ziel wurde erreicht.



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