Wenn wir uns zum Spätcruisen verabreden, müssen wir inzwischen früher Feierabend machen. Manch abendliche fahrt endet schon im kühlen Neonlicht, zum Beispiel nach einem Burger im Montgomery an der B4 und anschließendem Bogen über Bramstedt nach Norderstedt.
Am Wochenende konnte Anja endlich ihren neuen Helm einfahren. Er sitzt saugend, heißt Freeride und macht aus ihr eine respektable Rebellin. Eigentlich nur testend mal aus dem Elbtunnel ein Stück aus der Stadt raus fahrend, entdeckten wir im Abendlicht die Rosengartenstraße von Sieversen nach Eversen wieder, die in früheren Zeiten Standard war, dann aber vergessen wurde, wie so vieles. Sie zieht sich sagenhaft romantisch durch einen Hauch von Mittelgebirge, direkt im Hamburger Speckgürtel.
Am Sonntag fuhr Anja bei mir auf der Orangen hinten drauf mit, und sah alles mit anderen Augen (worum ich sie klammheimlich manchmal beneidete). Wieder ganz unkompliziert, einfach irgendwie Richtung Süden Gas gebend, drehten wir kurz vor Soltau um, aus Angst vor einer Schauerzelle. Wenn man von da aus nach Nordwesten fährt, kann man praktisch jede beliebige Landstraße nehmen, man hat immer eine lange, freie Bahn durch Wälder und Heide, auf der man mit Genuss dem Abend entgegen brummt. Der war in der Stadt wieder schwül und zähflüssig, der Regen kam irgendwann tosend und heiß, mitten in der Nacht. Da war längst alles in trockenen Tüchern.

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