20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 8. September 2013

Einmal Harz mit alles.

Freitag 15 Uhr
Wenn Marcus anfragt und gleich konkret ein Harzwochenende vorschlägt, überlegt man nicht lange, sondern setzt alles in Bewegung. Zum Beispiel einen verfrühten Feierabend am Freitag, um mit einer üblen Schwemme von Heimfahrern und Lastern auf der B4 Richtung Süden zu kriechen. Es war heiß wie im Hochsommer, und die westliche Umrundung Braunschweigs war eine Scheißidee. Aber als die Berge in Sicht kamen, war alles egal. Das letzte Ende führte uns nach Hörden und war schieres Gleiten auf einer leergefegten Schnellstraße. Wir zogen ein in ein fünfhundert Jahre altes Haus, das uns freundlicherweise Heike zur Verfügung gestellt hatte und in dem auch der zukünftige Bürgermeister wohnt. Der nächstgelegene Ort war Herzberg. Dort boxt zwar nicht der Papst, aber der örtliche Grieche hatte exakt das, was wir brauchten.
Samstag
Einmal Harz mit alles, sagte das Dreamteam. Das ganze Hinundher mit der Karte konnte man sich schenken, denn man fährt einfach drauf los und kommt sowieso an den Highlights vorbei. Wir tranken einen verspäteten Cappuccino in Braunlage, sahen die Bahn in Drei Annen, kurvten am Nordhang auf einer spitzfindigen Route auf und ab und waren froh, tief unten an der Bode unter flirrendem Baum ein kühles Plätzchen an diesem heißem Septembersonnabend zu finden, wo wir unmittelbar einnickten. Den Rest des Tages schwangen wir über unbeschwerte Hügel, kratzten Kurven und genossen es, auch mal herrlich langgezogene Steigungen hochzuballern. Die Straße von Stolberg über Bad Sachsa zurück nach Hörden war unbekannt und führte in den milden Sonnenuntergang zwischen den Bergen am Horzont. Während wir unter der alten Esche am fünfhundert Jahre alten Haus saßen, einen Absacker tranken und über den Ölfleck unter Marcus' G/S philosophierten, war im Westen schon die Front zu sehen, von der sie im Wetterbericht immer redeten.
Sonntag
Aus Angst vor der Front waren wir schon um 9 Uhr auf den Rädern. Die B 27 schlängelte sich durch den müden Harz, sie war prächtig. Über der weiten Ebene war Licht, aber im Rückspiegel sah es düster aus. Wir hielten uns östlich in den unendlichen Weiten zwischen Halberstadt und Gardelegen. Vom Licht blieb nicht viel übrig, als die Kilometer vergangen, und der Pullover war überlebenswichtig. Der sogen. Herbstschock war nicht weit hergeholt, besonders, wenn einige übereifrige Bäume schon Laub am Straßenrand verteilten. Ein Schauer kam, als wir in Salzwedel unter einem Schirm saßen und Hamburger Schnitzel bestellten. Um uns herum sahen wir Fachwerk und mehr Leben als man denkt, an einem trüben Sonntagnachmittag in der entlegensten Stadt Schlands. Dann kam schlagartig das Wendland und wir überquerten die Elbe bei Dömitz. Die B 195 war leer wie nie zuvor, der Wind kam nun von vorn, wo die grauen Wolkentürme drohten. Zuletzt hetzten wir über die Geesthachter Autobahn, dann standen wir mit kalten Füßen vor der Garage in Eimsbüttel. Der Regen kam irgendwann später, da waren wir längst in Sicherheit.

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