Der Freitag begann traumhaft, und frei, bis über Pfingsten. Schadenfroh rollten wir durch das Gewerbegebiet, in der Hoffnung, einem arbeitenden Kollegen auf der Straße zu sehen und zu ärgern. Kurze Zeit später lag vor uns die B5. Das Maigrün zog über uns hinweg, und wir waren gelassen genug, uns vom werktäglichen Langsamfahrern nicht erregen zu lassen. Das Stück von Boizenburg bis Ludwigslust ist immer wieder länger als gedacht. Der Windbeutel im örtlichen Café war grandios, kam aber in letzter Sekunde. Dann kam wieder introvertiertes, zeitloses Gleiten durch gelbe Weiten, oft abrupt endend, wenn eine der zahlreichen neuen Baustellen urplötzlich aus der Trance aufschreckte. Wie immer wurde es heiß, je näher wir der Hauptstadt kamen. Unsere gewohnte Route durch Kreuzberg war vollgesperrt, so dass wir nicht nur nach Orientierung irgendwie oben rum nach Friedrichshain einen Weg finden mussten, sondern in quälenden Autostaus von der Sonne und den Motoren gegart wurden. Wir parkten in der Liebaustraße und gaben uns erschöpft dem warmen und peinlich kurzen Abend mit den üblichen Verdächtigen hin.
Den ganzen Samstag lang blieben die Maschinen stehen und wurden vom Dauerregen und den Lindenstaub nachhaltig eingesaut, während wir abwechselnd in coolen Szene-Klamottenläden Geld ausgaben bzw. Latte tranken, ganz wie es Berlin verlangt. Mehr ist zu dem Tag nicht zu vermelden.
Am Sonntag war all das vergessen. Bei Rührei im Straßencafé stieß Rembert mit nagelneuer Slim dazu und eskortierte uns auf sorgsam ausgetüftelter Route durch die Touristenareale, die inzwischen übrigens Disneylandartige Züge annehmen. Bei blendendem Spätvormittag glitten wir auf der Heerstraße stadtauswärts, nahmen mit bequemen 90 Km/h auf der Bundesstraße platz und hielten erst in Kyritz wieder an. Dort gab es einen bis dato unentdeckten Marktplatz nebst Eiskugel und dringend nötigem Cappucino. Nachdem R. wieder Wege eingeschlagen hatte, begann für uns wieder das endlose, losgelöste Highwaycruisen, in unerreichter Intensität. Aus der dichter werdenden Bewölkung war mit den Kilometern eine weiße Kühle geworden, die zunehmend kroch. Zwischen den häufiger nötigen Kaffee-, Solianka- und Zigarettenpausen rollte sich immer wieder atemberaubend das Asphaltband wie in Zeitlupe vor uns aus in die sattgrüne Buschigkeit. Nichtsdestotrotz waren wir durchgefroren und froh, dass das Finale zwischen Lulu und einer warmen Wanne nicht eine Minute länger gedauert hat.
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