20 Jahre !!!

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Montag, 22. August 2011

Call Of the West (in Dithmarschen)

Wochenend und Sonnenschein, das kennt man gar nicht mehr. Wir befanden uns auf der morgendlichen B 75 RIchtung Lübeck, wie so oft. Aus allen Dörfern  krochen Harleys hevor, hinter uns hatte sich bereits ein grollender Tross entwickelt. In Lübeck waren nämlich Harley Days. Obwohl es cool war, die einzige Vanvan zwischen tausenden Custombikes zu parken, überließen wir den Mob nach kurzem Kontrollgang sich selbst und begaben uns auf den langen Weg gen Westen. In Strukdorf hielten wir kurz und Horst lotste uns auf dem T-Max den Weg durch das unübersichtliche, zersiedelte Gebiet bei Wahlstedt. Ab Heidmühlen waren wir auf uns allein gestellt. Weder die Harley noch die Vanvan ließ einen Tankrucksack zu, folglich musste man sich auch die verwegensten Strecken durch Wald und Wiese im Kopf merken. Neumünster empfing uns metropolenhaft. Am örtlichen Galao-Strip parkten wir zwischen allerlei Tiefergelegtem. Unsere Route brachte uns immer weiter in unbekanntes Gebiet. Der Westwind blies und es war gut, einen Pullover anzuhaben. Über Aukrug führten verlassene, einspurige Landsträßchen durch das Schleswig-Holsteinische Kernland. Bei Breiholz setzten wir über den Kanal und kamen in noch fremdere Welten. Wäldchen und kurvige Geestrücken wechselten sich ab mit Topfebenen. Flussarme glänzten im Spätsommer hinter Büschen, Getreide staubte. Mit Bleifuß wuchteten Trecker Doppelanhänger irgendwo hin. Hinter Friedrichstadt, der letzte Bastion der Zivilisation, fängt das Land bereits an, sich aufzulösen. Wir kämpften gegen den spürbar an Kraft gewinnenden Westwind an, bis auf die Halbinsel Eiderstedt. Nach ein paar schleichenden Kilometern durch Buschtunnel standen wir vor dem Ende. Hinter dem Deich kam nur noch ein Windrad, dann ein Betonplattenweg und schließlich ein Haus, wo uns ein Gutteil der Sippe empfing. Das Essen war schon fertig.

Am Sonntag war alles sommerlich. Hinter dem Ort steht der bekannte Leuchtturm aus der Jeverwerbung, obwohl hier gar nicht Friesland ist. Um einen Kreis zu bilden, fuhren wir statt durchs Landesinnere an der Küste entlang zurück, durch endlose Weiten, mit einem Deich, der allzeit den Blick auf die Nordsee versperrt. Meist ist sie ohnehin nicht vorhanden. Dabei kommt man durch viele Orte, die heute, für ein paar Stunden, ihr Grau farbenfroh leuchten ließen. Der Wind hatte inzwischen auf Süd gedreht, so dass er wieder von vorne kam. Wir saßen im Straßencafé und hatten längst aufgehört, die Trecker zu zählen, die die B 5 füllten. Unten an der Ecke der Elbmündung quoll es verdächtig. Wir bogen im prächtigen Marne Richtung St. Michaelisdonn ab und genossen den Moment, wieder Geest unter die Räder zu bekommen. Die Strecke Itzehoe-Elmshorn behält, nüchtern über windige Kuppen und kahle Ebenen führend, sogar an Sommertagen ihren ungemütlichen, derben Charme. Auf dem letzten Stück nach Hamburg kam die graue Masse von Süd immer näher, während es dampfend heiß wurde. In allerletzter Sekunde konnten wir die Boliden in die Sicherheit der Tiefgarage bringen.

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