Wochenend
und Sonnenschein, das kennt man gar nicht mehr. Wir befanden uns auf
der morgendlichen B 75 RIchtung Lübeck, wie so oft. Aus allen Dörfern
krochen Harleys hevor, hinter uns hatte sich bereits ein grollender
Tross entwickelt. In Lübeck waren nämlich Harley Days. Obwohl es cool
war, die einzige Vanvan zwischen tausenden Custombikes zu parken,
überließen wir den Mob nach kurzem Kontrollgang sich selbst und begaben
uns auf den langen Weg gen Westen. In Strukdorf hielten wir kurz und
Horst lotste uns auf dem T-Max den Weg durch das unübersichtliche,
zersiedelte Gebiet bei Wahlstedt. Ab Heidmühlen waren wir auf uns allein
gestellt. Weder die Harley noch die Vanvan ließ einen Tankrucksack zu,
folglich musste man sich auch die verwegensten Strecken durch Wald und
Wiese im Kopf merken. Neumünster empfing uns metropolenhaft. Am
örtlichen Galao-Strip parkten wir zwischen allerlei Tiefergelegtem.
Unsere Route brachte uns immer weiter in unbekanntes Gebiet. Der
Westwind blies und es war gut, einen Pullover anzuhaben. Über Aukrug
führten verlassene, einspurige Landsträßchen durch das
Schleswig-Holsteinische Kernland. Bei Breiholz setzten wir über den
Kanal und kamen in noch fremdere Welten. Wäldchen und kurvige
Geestrücken wechselten sich ab mit Topfebenen. Flussarme glänzten im
Spätsommer hinter Büschen, Getreide staubte. Mit Bleifuß wuchteten
Trecker Doppelanhänger irgendwo hin. Hinter Friedrichstadt, der letzte
Bastion der Zivilisation, fängt das Land bereits an, sich aufzulösen.
Wir kämpften gegen den spürbar an Kraft gewinnenden Westwind an, bis auf
die Halbinsel Eiderstedt. Nach ein paar schleichenden Kilometern durch
Buschtunnel standen wir vor dem Ende. Hinter dem Deich kam nur noch ein
Windrad, dann ein Betonplattenweg und schließlich ein Haus, wo uns ein
Gutteil der Sippe empfing. Das Essen war schon fertig.
Am
Sonntag war alles sommerlich. Hinter dem Ort steht der bekannte
Leuchtturm aus der Jeverwerbung, obwohl hier gar nicht Friesland ist. Um
einen Kreis zu bilden, fuhren wir statt durchs Landesinnere an der
Küste entlang zurück, durch endlose Weiten, mit einem Deich, der allzeit
den Blick auf die Nordsee versperrt. Meist ist sie ohnehin nicht
vorhanden. Dabei kommt man durch viele Orte, die heute, für ein paar
Stunden, ihr Grau farbenfroh leuchten ließen. Der Wind hatte inzwischen
auf Süd gedreht, so dass er wieder von vorne kam. Wir saßen im
Straßencafé und hatten längst aufgehört, die Trecker zu zählen, die die B
5 füllten. Unten an der Ecke der Elbmündung quoll es verdächtig. Wir
bogen im prächtigen Marne Richtung St. Michaelisdonn ab und genossen den
Moment, wieder Geest unter die Räder zu bekommen. Die Strecke
Itzehoe-Elmshorn behält, nüchtern über windige Kuppen und kahle Ebenen
führend, sogar an Sommertagen ihren ungemütlichen, derben Charme. Auf
dem letzten Stück nach Hamburg kam die graue Masse von Süd immer näher,
während es dampfend heiß wurde. In allerletzter Sekunde konnten wir die
Boliden in die Sicherheit der Tiefgarage bringen.
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