Ein großes Familenfest auf dem Anwesen im Frühsommer ist eine feine Sache. Vor allem fand sich ein Zeitfenster, und von Strukdorf aus ist es überall hin nicht mehr weit. Allein und den Smalltalk ein Stück hinter mir lassend kurvte ich gedankenverloren über Berlin, Wöbs, Bosau, alte und neuentdeckte Landstraßen immer weiter durchs Ostholsteinische. Dabei nahm ich spontan und ohne jeden Plan hier und da mal Parallelstrecken und Abzweige, die mich an nie gesehe Orte brachten, z.B. das seltsames Schloss, das ich in der Nachbetrachtung partout nicht wiederfinden konnte. Querfeldein bis hoch zum Schönberger Strand arbeitete ich mich vor, rauchte eine und machte mich ebenso planfrei auf den Rückweg, wobei ich für wenige Sekunden einen Regenschauer durchfuhr. Zum Kaffee erschien ich auf dem Anwesen.
Am Sonntag, als alle in alle Winde verstreut waren, kam Anja mit. Ich war so begeistert, dass ich die gestrige Tour mit geringen Änderungen kopierte. Über grünen weiten Felden lugte der Turm Hessenstein aus dem Waldrand. In seinem Schatten tranken wir Kaffee wie in alten Zeiten. Später, im Bermudadreieck zwischen Kasseedorf, Sagau und Kirchnüchel fanden wir klitzekleine Romantikstraßen, für allein die es sich lohnen würde, speziell abgestimmte Fahrzeuge anzuschaffen. Unzählige Tankfüllungen später erreichten wir in wohliger Erschöpfung die wie immer ahnungslose Großstadt.
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