02.06.2011
Geplant wie eine kontinentale Reise, war es auch ein Experiment, aber zunächst war es Vatertag, als wir uns am Donnerstagmorgen vollbepackt auf die B4 nordwärts begaben. Die Tempovorgabe der125er Honda billigend brummten wir unter leuchtender Sonne über die weithin unbekannte Straße, die doch zu den Müttern der großen Chausseen gehört. Wir durchquerten Städte wie Neumünster und Rendsburg, rauschten endlose Kilometer durch monotone Knicks, machten große Bögen um bollerwagenziehende Gruppen besoffener Halbstarker, und erreichten mit dem letzten Tropfen Flensburg. Wir staunten nicht schlecht über die Stadt am Rand der bekannten Welt, und diskutierten zwischen Wurstbuden die siffende Stelle an Anjas Kardanöleinfüllschraube mit dem Ergebnis durch, bis Ærø durchzuhalten. Dänemark begann ein paar Meter weiter. Es sieht aus wie im Prospekt. Die Landschaft ist malerisch soft, die Dörfchen schnuckelig hübsch und die Blondinen uniform blond. Ein Stück gemütliche Bundesstraße weiter liegt Sønderborg dann kommt Mommark . Die Fähre ging aber neuerdings ab Fynshav, wo wir zusammen mit einem ausgewachsenen Harley- sowie einem Piaggo Tuc-Tuc -Chapter anderthalb Stunden warteten. Auf Ærø ist alles noch niedlicher. Mit üppigen 80 Sachen schwangen wir durch die sanftgrün-wellige, mit farbig hervorleuchtenden Dörfern verzierte Insel, den Blick mal links mal rechts über die mit Segelschiffen übersähte Dänische Südsee schweifend. In Marstal bauten wir unser Zelt auf, lugten vorsichtig in die hutzelige alte Innenstadt und waren froh, beim Inder noch eine Pizza "Adios" abzugreifen.
03.06.2011Das Frühstück mussten wir in Marstal-Centrum in Form von Waffeln mit Softeis nachholen. Dann gingen wir zu Fuß zum Einkaufen und ins Museum. Die Honda konnte man mit allen Sachen und steckendem Schlüssel einfach irgendwo abstellen. Überhaupt war sie einfach das angemessene Fahrzeug, um sogar zu zweit über sich in hohes Gras kuschelnden winzigen Nebenstraßen im Hinterland zu kurven, jederzeit bereit spontan zu einem Picknick anzuhalten oder dem erstbesten Wegweiser zum nächsten Strandzugang, irgendwo an einer menschenleeren Bucht unter der Steilküste, zu folgen. Die Junitage sind endlos, so dass man bedenkenlos ein Stündchen vom Nachmittag unter sanftem Wellenplätschern verschlafen konnte, ehe uns die aufreibende Suche nach einem wiederum neuen Picknickplatz für das Abendbrot auf entlegene Landzungen und in unbekanntes Inselinneres führte.
04.06.2011
Nach einer gemütlichen Siteseeingrunde bretterten wir in einem Zuge nach Søby, wo uns nichts blieb als angesichts der herrenlos im Hafen dümpelnden Fähre erstmal Kaffee und Eis zu bestellen. Die Reservierung konnte man auch telefonisch durchgeben, davon abgeshen kann man für Motorräder überhaupt nicht reservieren. Mit der Gewissheit lag nichts näher, abermals über die grünkuscheligen Nebenstraßen zu der Stelle am Steilufer zu fahren und ein Stündchen vom Nachmittag unter sanftem Wellenplätschern zu verschlafen. Im museumsartig herausgeputzten Ærøskøbing gibt es am Hafen eine Fischräucherei, ein Must-Eat. Wir bestellten gleich mehrere Portionen. Zurück in Marstal mussten wir noch das siffende Kardanöleinfüllschraubenproblem lösen. Ich recherchierte erfolglos im Camping-WLAN, bis sich endlich das passende Spezialwekzeug unter der Sitzbank anfand: Eine Tube Pattex. Selbstbewusst packten wir unsere Picknickausrüstung, gingen zu unserer Bank am Yachthafen und sahen der endlosen Dämmerung zu.
05.06.2011
Verzweifelt stopfte der Einweiser die Fahrzeugmassen, darunter wieder die Tuc-Tucs, in das spielzeughafte Schiffchen. Die Honda kam in die letzte verbleibende Ritze. Eine Stund später rollten wir In trübsinniger Kolonne bis Rusa, wo wir die letzten 35 Kronen in Einfachhotdogs umsetzten. Weitere 10 Minuten später waren wir wieder in Deutschland. Am Rand Flensburgs hatten wir Mühe, die gutausehende Strecke über Tastrup, Hürup, Satrup, Sterup, Brarup und (beliebige weitere Ups) zu finden. Im direkten Vergleich fehlte eine gewisse Buntheit, was durch die nüchtern im Zenit stehende Sonne unvorteilhaft verstärkt wurde. Kaffeedurstig erreichten wir Eckernförde, hielten den Menschenmassen am Hafen jedoch nicht stand. Über eine sensationelle Nebenstrecke durch den Wald kamen wir über Holtsee in die Nähe Rendsburgs. Bei Eis und Kaffee bewunderten wir den rauhen Charme Büdelsdorfs. Mit der albernen Schwebefähre setzten wir über den Kanal und arbeiteten und Landstraße für Landstraße, Dorf für Dorf durch die sengende Nachmittagshitze vor und werteten nebenbei die Ergebnisse des Experiments aus. Zum Beispiel, wie frappierend frei die Bahn ist, wenn man langsam ist. Und dass man sich mit dem Campinggestühl irgendwas einfallen lassen muss. Auf einer enormen Allee erreichten wir Emkendorf und dann schräg von Nordosten aus Neumünster. Jeder Kilometer wurde heißer, als würde gleich hinter einem Hügel das Mitelmeer auftauchen. Der Asphalt war flüssig, als wir schließlich in Hamburg anrollten. Die Elbe war verkocht und bildete diffuse Quellwolken über der Stadt. Wir fanden uns betäubt im Paralleluniversum des Sonntags-geöffneten Lidl Marktes wieder, erkämpften eine Packung Grillfleisch und wären gern noch ein Stück weiter gefahren, endeten aber auf dem Balkon in der Weidenallee.




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