An die Spätfahrten kann man sich gewöhnen. Noch sind die Abende hell, warm und kostbar. Es sind andere Aspekte als bei den wochenendlichen Tagestouren, wo immer das Ziel oder die Eleganz der Route wichtig ist. Abends, nach der Tagesschau zählt die Atmosphäre. Da können unmögliche Gegenden Reize entwickeln. Zum Beispiel am Dienstag, nachdem ich von der inzwischen klassischen Hafenrundfahrt zurück war und selbst nach dem Abendgrillen noch nicht genug hatte, statt in die Tiefgarage einfach abbog und eine einsame Fahrt durch dämmernde Gewerbegebiete Stellingens antrat. Das war so cool, dass ich am Mittwochabend wieder losfuhr. Normalerweise würde niemand jemals nach Bad Bramstedt fahren. Aber die B4 im Abendlicht wurde, mit ihrem schnurgerade in endlosen Langwellen ausgelegten Asphaltband, den in die Breite gehenden Feldern und Waldstückchen, und nicht zuletzt der stoisch mit Achtzig einsam dahinbrummenden Sportster zu einem respektablen Highway. Nach Kaltenkirchen führt eine kurvige Rennstrecke zwischen verschiedenfarbigen Kuhweiden hindurch. Ich tangierte noch Nord-Norderstedt, bog wieder die sechs Kilometer nach Quickborn ab, gondelte dort langsam durch, weil schon Bettgehzeit war. Mit der letzten Dämmerung, so gegen 22:30, rollte ich ins Lichtermeer der Stadt.

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