20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 9. Mai 2011

Le sacre du printemps

Woche um Woche brennt endlose Frühlingssonne auf uns hinab. Das Frühstück noch verdauend hatten wir die BAB 1 unter den Reifen. In Ahrensburg fuhren wir ab und nahmen die gute alte B 75, so wie wir es schon immer taten. Aufgrund äußerer Zwänge mussten wir am Spätnachmittag in Strukdorf eintreffen, bis dahin blieb ein vielversprechendes Zeitfenster. Da wir schon in der Gegend waren, lag eine Holsteinrunde nahe. Wir staunten nicht schlecht, als wir das erste Mal wieder durch über sanften Kuppen segelten, die hinter Ahrensbök beginnen. Vorteilhafterweise hatten sich die Einwohner brav zum Hafengeburtstag nach Hamburg begeben, so dass wir das zurückgelassene Land für uns hatten. Eutin ist so unübersichtlich, dass wir nach einem Cappucino im Stadtzentrum erneut etliche Anläufe brauchten, den Weg in Richtung Lensahn zu finden. Die GS und die Sportster brummten mit Lieblingsgeschwindigkeit zweisam durch Bilder wie Ansichskarten. Rapsfelder, üppig-frische lichtflirrende Laubwälder und immer wieder Ausblicke über das wie in Wogen liegende Land. Auf dem ganzen Weg über Kirchnücheln, Nücheln, Malente, Bosau, Berlin bis hin nach Goldenbek und schließlich Strukdorf trübte nichts unser genussvolles Dahingleiten. Später, nachdem ich Anja im Seehotel-Sanatorium abgeliefert hatte, fuhr ich noch über kleine Dörfer, auf denen mild der Abend lag, nach Lübeck rein.

Am Sonntag musste alles noch gewaltiger werden. Das ging nur in McPom. Auf der A 20, über die wir noch am Vormittag erstmal Strecke machen wollten, kamen wir kaum gegen den reißenden Ostwind an. Auch auf den Landstraßen, vor allem denen, wo es am mecklenburgischten ist, zwischen knorrigen Alleebäumen aus anderen Zeiten, war das Fahren z.T. nicht gerade unanstrengend. Für manche Pisten hätte ich mir regelricht ein normales Motorrad herbeigewünscht. Erst in den Pausen wurde das Ausmaß der Romantik deutlich, z.B. im Tessin, irgendwo vor Wittenburg, inmitten eines Vogelkonzertes in wucherndem Grün, diskutierend, ob und wenn ja wo es vielleicht einen Kaffee geben könnte. Den gab es erst, nachdem wir das Land bis in den äußersten Süden durchquert hatten. Mit jedem Kilometer war der Sibirische Eiswind zu einem warmen Pusten geworden. Die parkähnlichen Weiden wichen Sandwüsten, versteckt unter harzschwitzenden Kiefernwäldern. In aufgeblühten Dömitz fanden wir uns ausgelaugt und verscwitzt im Halbschatten eines insidermäßigen Gartencafés wieder (das wir schön für uns behalten). Nun lag noch die ganze B 195 vor uns, auf der wir mit Rückenwind und den durch und durch hochsommerlichen Charakter der Fahrt auskostend inhalierten. Mit aller Ruhe liefen wir über die Elbdeichstreke in die kurzhosig durch den Maisommer taumelnde Stadt ein.
8.5.11 23:52

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen