über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 4. September 2011

Mittelgebirgsschwelle

Freitag war frei, und wir hatten viel vor. Wie damals waren wir um 7 Uhr 30 auf der Straße, nbogen gleich nach dem Elbtunnel auf die B3 ab und froren. Die Sonne leuchtete wie schon lange nicht mehr und irgendwann würde sie die eiskalte Luft wärmen. Einsame Kilometer verstrichen endlos zwischen weiten Stoppelfeldern und Waldstücken, die einem schier die Finger einfroren. Das Highwayfeeling war perfekt, als eine Ort namens Heber-City auftauchte. Wir durchfuhren ihn in der morgendlichen Rushour. Im Dunst bauten sich die ersten Berge am Horizont auf und weckten Erinnerungen und Fernweh. In Göttingen war es bereits Mittagszeit und endlich kam ein Stückchen Wärme sowie unsere Liebslingsstraße B 27. Wir aßen Eis mit direktem Anschluss an die lokalen Befindlichkeiten, rafften uns weiter, um in langen 80-Sachen-Kolonnen die 300 Km zu knacken. Bergfest. Fulda zog am Nachmittag ohne Halt vorbei. Wir nahmen den gut versteckten Abzweig Richtung Flieden, Steinau, immer an den Hängen des Kinzigtals entlang, hin und her unter der Autobahn durch, dort gibt es beschauliche Dörfer an denen alles vorbeizieht. In brütender Nachmittagshitze, kurz vor Hanau bekamen wir Hunger, deshalb zog uns ein Ort namens Linsengericht magisch an. Es gab keine Linsen, aber kleine Landstraßen, auf denen wir etwas orientierungslos durch eine Ecke vom Spessart kreuzten und in Aschaffenburg wieder rauskamen. Das letzte und zermürbendste Stück ging in den Abend hinein über die B 28 durch die traurig-zersiedelte Ödnis, an deren Ende tröstend Pfungstadt liegt. In den Knochen spürten wir 600 Km Landstraße, aber vor uns stand ein großer Braten den Frau Gill für uns liebenswerterweise zubereitet hatte.

Samstag, 2.9.2011
In einem Konvoi aus GS, Iron und einem VW Beetle waren wir im Odenwald unterwegs. Albrecht fuhr vorweg, denn er kennt alle Wege durch die dichtbesiedelten Berge. Die Dörfer gehören Städtern und sind bunt und blankgeputzt. Wir überquerten den Main, fuhren noch ein Stück kreiselkurven im Spessart und trennten uns auf einer Verkehrsinsel in Rohrbrunn. Anja und ich nutzten die gewonnene Freiheit um die schwingenden Kurven über mächtige Kuppen, die verschnarchten Holperstrecken durch die einsame, dunkle Täler dieses unterschätzten Mittelgebirges zu genießen. Wir fuhren an der Lohr und der Joss entlang und waren baff über die immer neuen Weitblicke auf Deutschlands perfekteste Modellbahnlandschaft im goldenen Nachmittagslicht. Nahtlos geht der Spessart in die Röhn über. Im "Staatsbad Bad Brückenau" kreutzten wir die B 27 und arbeiteten uns hoch über Gersten, dann immer spektakulärer bis zum Gipfel der Wasserkuppe. Den Rummel dort konnten wir nur durchfahrend ertragen. Eine Handvoll warme Romantikkilometer im Streiflicht weiter, hinter Tann gibt es eine kaum zu findene winzige Straße über den Grenzberg. Über Eiterfeld kommt man zurück zur B 27. Der Spätsommerabend lag leuchtend vor uns. In vollendeten Flow glitten wir ungestört das Werratal entlang, bis sich erlösend die Burgen von Witzenhausen ins Bild schoben. Wir checkten ein und waren froh, noch einen Krustenbraten zu ergattern.
Sonntag
Wir waren schockiert. Irgendwoher war über Nacht Regen gekommen. Um 9 Uhr rollten wir unter trüben Himmel durch das noch schlafende Land, monoton, in sich ruhend glitt der nasse Asphalt unter uns hinweg. Beim Mc Donalds irgendwo an der Strecke standen wir im Nieselregen und füllten Kaffee in unsere Thermoskanne. Später, nachdem die Goretexschuhe entgültig undicht geworden waren, lichtete sich der Himmel und es wurde trocken. Die Berge hatten wir hinter uns gelassen und rauschten nun wieder einsam über die Highways durch die Prärie der Tiefebene. In Soltau vergaßen wir einen Abzweig und fuhren schnurstraks kreuz und quer durch die Lüneburger Heide, was okay war, denn der Tag war jung und immer wieder findet sich noch eine schöne Straße. Nach einem letzten RIesenumweg auf Hamburg zu fanden wir uns zwischen knipsenden Touristen wieder vorm Fleetschlösschen in der Hafencity, teuren Cappuccino schlürfend. Welcome, Germany is beautiful, what für eine Tour.

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