Ohne nennenswerte Erwartungen und fuhren wir nach einem halben Jahr Eis und Schnee aus der Stadt heraus. Was man aus den 14 Grad machen könnte, war völlig unklar. Ein Marathonlauf zwang uns durch den Elbtunnel, ein paar Kilometer schwappten wir dann auf der Vierspurigen durch Peripherie amerikanischer Machart, was irgendwie passte. Auch die B3, auf die wir bei Buxtehude abbogen, legte sich highwayartig einsam durch braunstuppiges Wintergesträuch. Die Boliden rollten zufrieden und hochglänzend durch gerade beinahe milde Aprilluft, kreuz und quer durch die auf erste Touristen lauernde Lüneburger Heide. Wir wärmten uns ein wenig in der sonntagsgeöffneten Zweiradschau in Schneverdingen auf, genau wie alle anderen Biker auch. In Bispingen gibt es außer trashiger Autbahnbespaßung auch das unvermeidliche Eiscafé in gewohnt norddeutscher Klinkertristesse. Die Kugeln waren riesig. Ohne Landkarte ließen wir uns treiben, bis nach Scharnebek, wo wir staunend das Schiffshebewerk besichtigten. Auf der Rückfahrt trafen wir auf Lauenburg. Mit ihm kamen Erinnerungen hoch, an flirrend heiße Sonntagspätnachmittage, irgendwann, aus einer anderen Zeit. Zeitgleich entdeckte Anja einen Grünschimmer am Waldrand. Wie damals nahmen wir dir Deichstraße für das letzte endlose Stück. Es war 2 Km/h zu langsam, 2° zu kalt und dadurch etwas zu lang. Aber echt, sich über die ersten 230 Kilometer des Jahres zu beschweren, wäre wohl verrückt.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen