In einem groß angelegten Bogen durch die Sonne cruisen, bis zum Harz. Das wäre was, um die in Schieflage geratene Work-Bike-Balance zu richten. Samstag, gleich nach dem Frühstück lag die Welt offen vor uns. Die B3, endlos, und auf angenehme Weise reizarm, ging durch den Vormittag. Hinter den Wäldern war Heide, oben helles Blau. Auf der Straße außer uns: niemand. In Soltau bogen wir ab, Richtung Osten. Da kamen militärische Spielplätze und mittendrin ein Ort namens Munster. Eine Themenstadt für Olivgrün und Kanonen. Das war gleich vergessen, als wir uns wieder auf dem Highway und ganz in uns selbst befanden. Gleichmäßig, ohne jeden Störeinfluss glitten wir mit der einmal eingestellten Lieblingsgeschwindigkeit dahin. Als Anja sich nach der Altmark erkundigte, wuchs auch gleich die erste der wuchtigen Klotzkirchen aus dem Horizont. Wittingen, Brome, lichte Dörfer zogen vorbei, menschenleer, staubfrei und trotz Sonnenschein frappierend farblos. Überraschend: Die Hügel der Altmärkischen Schweiz, wer hätte das gedacht. Doch meistens, viele Kilometer am Stück, nichts, einfach nur das entspannt in der Landschaft liegende Asphaltband und der Fahrtwind, als wäre man sonstwo. Haldensleben tauchte matt am Horizont auf und verschwand. Wir verließen die Hauptstraße und suchten uns Wege durch Dickicht, über Berg und Tal, Hohlwege und Sackgassen. Dann die Türme von Halberstadt, flirrend im heißen Gegenlicht. Am Markt, 2 Kugeln Schoko, dazu Cappuccino. Da waren es bis Wernigerode nur noch ein paar Meilen. Wir parkten einfach auf dem Gehweg vor dem Hotel Altora. Gegenüber schwitzten und rauchten Damplokomotiven. Das taten wir auch, aber wir hatten ein Bier dazu.
Sonntag: Der Morgendunst hatte sich noch nicht zersetzt, da waren wir schon unterwegs auf den Harzmountains National Park. Es war sehr angenehm, Vieles schon zu kennen und ganz lässig links liegen lassen zu können. Am Spackentunnel hielt es uns nur ein Nogger lang, aber die B242 über die Hochebene war traumhaft. Es ging noch eine ganze Zeit so weiter, dann ließen wir die Berge hinter uns, vor allem aber die Anja zunehmend belastende, kleinteilige typisch Harzer Hutzeligkeit. Quedlinburg dagegen: Weltoffen, international, cool. Als mir die Zigaretten ausgingen, gab mir der Kellner eine aus, obwohl er nicht mal rauchte. Es folgten wieder viele Stunden durch grüne Schneisen, die wundersam dufteten, auf einen Punkt am Horizont zu, der, je erreicht, ins nächste Bild springt, diesmal vielleicht am Ende eine weiten Prärie. Wir fuhren so unentwegt nach Norden, bis wir fassungslos im Katastrophengebiet an der überlaufenden Elbe standen. Angesichts kilometerlanger Kolonnen der Rettungs- und Bergungsfahrzeuge wurde uns Angst und Bange und all unsere Glückseligkeit wirkte abstrus. Mit einer Pizza in Lüneburger Backsteingemütlichkeit versuchten wir uns abzulenken. Dann bretterten wir heim, auf der Autobahn, der Sonne direkt entgegen. Sie ging erst unter, als wir erschöpft in die Garage rollten.
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