20 Jahre !!!

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Sonntag, 8. April 2018

Die große Leere

Alles war so hell und klar, als wäre die Atmosphäre gar nicht vorhanden. Die Autobahn nach Geesthacht raste unter uns vorbei, von Osten blies uns ein strammer Wind ins Gesicht, und es gab nichts Schöneres. Nicht nur war das Wetter nun perfekt, außerdem waren wir mit den immer noch neuen Mopeds unterwegs, und zwar auf großer Tour. Das Ziel war Lenzen (Elbe) und der Weg führte erstmalig die absolut menschenleere B195 entlang. Die ganze Landschaft gehörte uns allein und wir ließen die Maschinen geschmeidig durch die transparenten Alleen gleiten. Ein Stück hinter Lenzen liegt Wittenberge, die bewährte Mitte zwischen Berlin und Hamburg. Dort trafen wir Rembert, dem es schätzungsweise genau so ging wie uns, nämlich das alles plötzlich wieder Sinn ergab. Wir tranken ein paar Kannen Kaffee bei einem Nachwendecafé mit lupenreinem Ostservice, dann trennten wir uns. Im Burghotel Lenzen lösten wir unseren Gutschein ein, dann rollten wir noch eine warme Stunde durch das Abendlicht in die Unendlichkeit der Elbauen. Es wurde dunkel und wir verloren uns in den ungefilterten Tiefen des Weltalls.

Der Sonntag begann grell leuchtend. Wir hatten ihn, um McPom in einem maximal genussvollen Bogen zu queren. Erstmalig nutzen wir das Vio. Wenn man den Apparat auf 'kürzeste Strecke' stellt, kommen abenteuerliche Routen heraus. In riesigen Gegenden, wo ohnehin absolut nichts ist, führte es uns querfeldein über Plattenwege oder durch Wälder und weite Prärie. Wir verendeten in privaten Dörfern ohne Ausweg und atmeten auf, wenn wir wieder eine reelle Straße unter die Räder bekamen. Das bedeutet aber noch nicht automatisch Zivilisation. In Crivitz z.B., einer respektablen Backsteinkleinstadt, gibt es kein einziges Café, nicht mal einen Backshop. Zig Kilometer weiter rettete uns eine Tanke mit Cappuccinoautomat und Donuts. Ich genoss besonders die Rückkehr des cruisenden Fahrgefühls, Anja die Gelenkigkeit der Sixty2. Gierig fraßen die Kilometer, meist vollkommen einsam dahinrauschend auf den hellen Highways des Ostens. In Ratzeburg kamen vertraute Bilder und hektischer Verkehr. Das relativierte sich auf den wunderschönen Schwüngen der B208 nach Oldesloe in weichem Gegenlicht. Es war früh genug, um über Kayhude bis Norderstedt durchzustechen und beim Arizona vorzufahren, als wäre Hochsommer. Der Hamburger lag schwer und ließ uns mit großer Gelassenheit in die leere Stadt einrollen.

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