Sonntag, Ende Juli
Autobahn, wir beide auf der Bonnie. Mit Sonne und Rückenwind donnern wir mit 140 Sachen nach Süden. Eine Woche Spontanurlaub lag vor uns, und ab kurz vor Göttingen auch die schöne B 27 bis Fulda. Kilometer verflogen, Deutschland zog schläfrig und leergefegt vorbei. Eine Kaffeepause in drömeliger Vorstadtatmosphäre, den Rest wieder auf der Autobahn bis Darmstadt. Ungewöhnlich entspannt checkten wir am frühen Abend in der Wormser Straße ein uns setzten uns an den gedeckten Tisch.
Montag zwischen Neubauten
Man hätte direkt auf große Fahrt gehen können, aber uns war nach einer gemütlichen Tagestour. Hier gibt es so viele Möglichkeiten, z.B. könnte man in einem einen Schlag nach Süden den Schwarzwald befahren, zumal bei bestem Sommerwetter. Von Heidelberg aus kurvten wir über Land nach Sinsheim und hingen erstmal im Shop des Technikmuseums fest. Aus dem tristen Gewerbegebiet heraus fanden wir eine interessante Strecke Richtung Bretten, dann weiter, aber das ging irgendwann nicht mehr. Denn je näher man Stuttgart kommt, umso dichter folgen die Orte, und der LKW-Verkehr in dieser hyperproduktiven Region lässt keine Landstraßenfahrten zu. Wir orientierten uns um, kamen über BiBi auf dann doch hübschen Nebenstraßen weiter nach Westen und schafften es, viele hundert weißer Neubausiedlungen später, unbeschadet an Heilbronn vorbei nach Bad Wimpfen zu kommen und von dort ein gutes, sommerliches Stück ins Jagsttal einzudringen. Die Rückfahrt ging durchs Neckartal, dort war die Straße leer und groß und geschwungen, und der Nachmittag setze alles gekonnt in Szene. Die verdiente Belohnung war die rauschende Fahrt durch den flirrenden Odenwald. Den hatten wir für uns alleine, und gaben ihn nicht so schnell wieder her.

Dienstag in den Urlaub
Autobahn in der Rheinebene, jetzt im Regen. Aber im Süden sollte es besser sein. War es auch. Wir fuhren auf der französischen Seite, dort ist alles entspannter. In der nähe von Straßburg suchten wir händeringend eine Tankstelle, keine Stunde später aßen wir Quiche Lorraine in Selestat, während die Sachen halbwegs trockneten. Allemagne war zwar am Horizont noch sichtbar (und alles heißt Deutsch), aber wir fühlten uns im Urlaub, bonjour. Im Westen bauten sich im Dunst die Vogesen auf, und nach einer kurzen Fahrt durch Weinberge fanden wir uns in den ungeahnt tristen Vorstädten Colmars wieder. Wir checkten im noch ungeahnt tristeren Ibis Budget ein und freuten uns auf einen Abend im Mittelalterstädchen, dagegen sieht Disneyland alt aus.
Vogesentag
Colmar liegt am Fuß der Vogesen, einem Kleingebirge, dass man geringschätzig als 'gegenüber vom Schwarzwald' abtut. In Wahrheit gibt es astreine, semialpine Kammstraßen über die der Wind pfeift, und die Berge sind hoch und massiv. Bei klarer Sicht hätte man bis ans Ende der Welt sehen können. Einen halben Tag kurvten wir durch die Berge, genossen danach warme, rustikale Täler mit leuchtenden Geranien und wenig Verkehr. Unser Ziel Metz kam dadurch kein Stück näher. Im Gegenteil, wir wählten eine aufwendige, ermüdende Route über einen kleinen, waldigen Pass über den Donon, der schier kein Ende nahm und immer einspuriger wurde. Danach waren wir froh über einen großen, einsamen Highway, der satt und endlos in den Weiten Frankreichs lag und uns mit 120 Sachen durch die Abendsonne nach Metz zog.
Metz
Planmäßig verbrachten wir einen Regentag in der Stadt. Die Bauten sind alt, die Menschen jung. Die meiste Zeit pendelten wir zwischen Warenhäusern, Museen und Cafés. Zum Schluss taten uns die Füße so weh vom Laufen, dass wir es kaum erwarten konnten, endlich wieder auf der Bonnie zu sitzen.
Endlich mal im Saarland
Nördlich von Metz geht es noch ein Stück über weite Felder, dann sind plötzlich die Schilder wieder gelb und man ist im Saarland. In Dillenburg bewunderten wir ein Stahlwerk, dann fuhren wir eine interessante, kleine Route über Berg und Tal, abseits der Bundesstraßen. Die Grenze zwischen Saarland und Pfalz ist fließend. Nach kleinteilig überquerten Bergrücken hielten wir in Idar Oberstein. Alle Klischees wurden erfüllt. Edelsteine bis zum Abwinken und ein in den 70ern installierter Touristencharme. Bis Darmstadt war es nicht weit. Noch ein paar kleinere Waldpässe, dann der Abstieg in die Rheinebene. Das letzte Stück mit Vollgas unter einer anrückenden Gewitterzelle hinweg.
Nord
Den ganzen Samstag verbrachten wir auf der Straße, die längste Zeit davon auf der B 27. Besonders auf dem Stück zwischen Bebra und Eschwege, von der Fulda an die Werra, waren wir vollkommen allein auf den weiten Asphaltschwüngen. Eigentlich hätte die Bonnie in Darmstadt verbleiben sollen, aber einen Tag wie diesen verbringt man nicht im Bus. Daran änderte auch die schwarze Gewitterfront nichts, die wir bei Hildesheim plötzlich vor uns hatten. War es Glück? Nein, Erfahrung und Können, dass uns genau im Richtigen Zeitfenster wieder losfahren ließ. Die Fahrbahn war überall noch nass, doch die Zelle war weg. So kamen wir durch Hannover, Celle, dann in vertrautes Gelände mancher Sonntagsausfahrt. Im Norden hatte ein kalter Wind alles weggeputzt. Zu Hause machten wir erstmal alles zu und fuhren die Tour im Gedanken gleich nochmal.