20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 28. August 2016

Dann sind wir Helden

Aus versehen war ich am Samstag um 7 Uhr aufgestanden. Daher waren wir etwas schläfrig, als wir uns über Bramfeld Richtung Bargteheide aus der Stadt herausarbeiteten. Zunächst ohne große Ambitionen rollten wir routiniert auf altbekannten Wegen nach Strukdorf. Wir gaben dort etwas ab, bekamen einen Kaffee und fuhren weiter. Die Hitzewelle hatte sich südlich von Hamburg totgelaufen. Hier, in der Ostholsteiner Schweiz, blies eine angenehme Frische vom Meer über das Land, das glattrasiert und hellbraun zwischen den Knicks lag, und dabei irgendwie gut aussah. Wir waren auf dem Weg nach Fehmarn, dort waren es locker noch ein paar Grad weniger, aber immer noch genug für eine Art Harleydays für Badetouristen. Tonnenweise American Steel drängte sich in der Altstadt, Starrrahmen hoppelten über Kopfsteinpflaster und Reifen qualmten. Die Ruhe hinterher, am Strand von Niobe, genossen wir eine gute Stunde lang. Dann ging es zurück durch den frühen Abend über das prächtig inszenierte Land, bis an den Grill in Strukdorf, wo es immer eine Menge zu erzählen gibt, meist Benzin.
Es ist klassisch, und mein stiller Genuss, am Sonntagmorgen müde, und vollkommen allein über die Landstraßen zum Bäcker zu fahren, wenn alle noch schlafen. Beim Frühstück arbeiteten wir eine Strategie aus, die uns die anrückenden Schauerzellen vom Leib halten sollte. Erst ging es über Lübeck an den Strand von McPom, ganz nah am Priwall, in Sichtweite von Travemünde. Danach nach Grevesmühlen zu Jannys Eis. Im Hinterland war die Luft heiß und zähflüssig. Wir mussten uns östlich halten und nach Süden vorrücken. Während wir im Westen die dicker werdende, diffuse Masse am Himmel beobachteten, leuchtete uns noch die Sonne auf die unbekannte, hundertjährige Verbindungsstraße von Gadebusch über das Tessin in Richtung Wittenburg. Hier ist Mecklenburg noch so wie in der Anfangszeit. Am Ende war die graue Suppe so nah, und das Donnern so laut, dass wir ohne große Diskussion auf eine Tankstelle fuhren und es uns erstmal gemütlich machten. Draußen polterte im Nullkommanix Hagel wie Medizinbälle herab und im Radio hörten wir Katastrophenmeldungen. Internet gab es nicht, macht auch keinen Sinn in Wittenburg. Irgendwann musste es aufhören, und auf der Autobahn würden wir schon irgendwie nach Hause kommen. Vorne sah ich nichts, und im Rückspiegel war schwarze Nacht. Eines der Lichter musste wohl Anja sein, dachte ich, und rauschte weiter, auf die helle Stelle am Horizont zu. In Hamburg standen wir tropfend und zufrieden nebeneinander an der Ampel und klopften uns heldenhaft auf die Schulter.

Sonntag, 21. August 2016

Die Vögel


Gut, dass wir so früh unterwegs waren. Durch ein weiteres sinnloses Fahrradrennen waren alle Hauptstraßen der Stadt gesperrt. Über den Hafen schlüpften wir heraus, dann lag vor uns die Heide in einem blendenden Vormittag. Eigentlich wollten wir ganz woanders hin, aber nun waren wir schon mal hier, also fuhren wir nach Soltau zum zweiten Kaffee. Es war immer noch früh genug, um sich Fragen zu stellen. Z.B, warum nicht mal zum Vogelpark Walsrode fahren? (Weltvogelpark, so viel Zeit muss sein). Unter uns: die Piebmätze waren durchweg unterhaltsam bis beeindruckend. Den ersten Regenschauer verbrachten wir unter Büschen bei den Pelikanen, später noch einen bei Bratwurst und Pommes. Nebenbei lernten wir die kleine, aber feine Region im Südwestquadranten des Heidekreuzes kennen, mit sanften Schwüngen und waldigen Wäldern. Muss man sich merken.

Sonntag, 14. August 2016

Ponyhof

Am Sontag war mal nix los. Wir mussten nur warten, bis die dünne Schauerlinie durch war, dann fuhren wir über die B4 nach Norden aus der Stadt raus. Die Bonnie und die Honda schnurrten zufrieden durch den frühlingsfrischen Nachmittag, wir auch. Über Bramstedt, Segeberg gondelten wir durch klare Farben und helles Licht. Die vertraute Landschaft wirkte angemalt, und irgendwie auch zufrieden. Schwere Wolkenwürste, die nach wie vor über das Land zogen, blieben harmlos. Wir erreichten Strukdorf, dort war eine Riesenbaustelle im Wohnzimmer und ein winziger Hund, der alles dominierte. Die Rückfahrt auf entspannten Landstraßen durch sattes Hochsommergrün, das Ankommen in der leeren, phlegmatischen Stadt, durch die man gelassen im Fünften rollt, das alles war ein einziger großer Ponyhof.
 

Samstag, 6. August 2016

Urlaub nehmen

Sonntag, Ende Juli
Autobahn, wir beide auf der Bonnie. Mit Sonne und Rückenwind donnern wir mit 140 Sachen nach Süden. Eine Woche Spontanurlaub lag vor uns, und ab kurz vor Göttingen auch die schöne B 27 bis Fulda. Kilometer verflogen, Deutschland zog schläfrig und leergefegt vorbei. Eine Kaffeepause in drömeliger Vorstadtatmosphäre, den Rest wieder auf der Autobahn bis Darmstadt. Ungewöhnlich entspannt checkten wir am frühen Abend in der Wormser Straße ein uns setzten uns an den gedeckten Tisch.

Montag zwischen Neubauten
Man hätte direkt auf große Fahrt gehen können, aber uns war nach einer gemütlichen Tagestour. Hier gibt es so viele Möglichkeiten, z.B. könnte man in einem einen Schlag nach Süden den Schwarzwald befahren, zumal bei bestem Sommerwetter. Von Heidelberg aus kurvten wir über Land nach Sinsheim und hingen erstmal im Shop des Technikmuseums fest. Aus dem tristen Gewerbegebiet heraus fanden wir eine interessante Strecke Richtung Bretten, dann weiter, aber das ging irgendwann nicht mehr. Denn je näher man Stuttgart kommt, umso dichter folgen die Orte, und der LKW-Verkehr in dieser hyperproduktiven Region lässt keine Landstraßenfahrten zu. Wir orientierten uns um, kamen über BiBi auf dann doch hübschen Nebenstraßen weiter nach Westen und schafften es, viele hundert weißer Neubausiedlungen später, unbeschadet an Heilbronn vorbei nach Bad Wimpfen zu kommen und von dort ein gutes, sommerliches Stück ins Jagsttal einzudringen. Die Rückfahrt ging durchs Neckartal, dort war die Straße leer und groß und geschwungen, und der Nachmittag setze alles gekonnt in Szene. Die verdiente Belohnung war die rauschende Fahrt durch den flirrenden Odenwald. Den hatten wir für uns alleine, und gaben ihn nicht so schnell wieder her.

Dienstag in den Urlaub
Autobahn in der Rheinebene, jetzt im Regen. Aber im Süden sollte es besser sein. War es auch. Wir fuhren auf der französischen Seite, dort ist alles entspannter. In der nähe von Straßburg suchten wir händeringend eine Tankstelle, keine Stunde später aßen wir Quiche Lorraine in Selestat, während die Sachen halbwegs trockneten. Allemagne war zwar am Horizont noch sichtbar (und alles heißt Deutsch), aber wir fühlten uns im Urlaub, bonjour. Im Westen bauten sich im Dunst die Vogesen auf, und nach einer kurzen Fahrt durch Weinberge fanden wir uns in den ungeahnt tristen Vorstädten Colmars wieder. Wir checkten im noch ungeahnt tristeren Ibis Budget ein und freuten uns auf einen Abend im Mittelalterstädchen, dagegen sieht Disneyland alt aus.

Vogesentag
Colmar liegt am Fuß der Vogesen, einem Kleingebirge, dass man geringschätzig als 'gegenüber vom Schwarzwald' abtut. In Wahrheit gibt es astreine, semialpine Kammstraßen über die der Wind pfeift, und die Berge sind hoch und massiv. Bei klarer Sicht hätte man bis ans Ende der Welt sehen können. Einen halben Tag kurvten wir durch die Berge, genossen danach warme, rustikale Täler mit leuchtenden Geranien und wenig Verkehr. Unser Ziel Metz kam dadurch kein Stück näher. Im Gegenteil, wir wählten eine aufwendige, ermüdende Route über einen kleinen, waldigen Pass über den Donon, der schier kein Ende nahm und immer einspuriger wurde. Danach waren wir froh über einen großen, einsamen Highway, der satt und endlos in den Weiten Frankreichs lag und uns mit 120 Sachen durch die Abendsonne nach Metz zog.

Metz
Planmäßig verbrachten wir einen Regentag in der Stadt. Die Bauten sind alt, die Menschen jung. Die meiste Zeit pendelten wir zwischen Warenhäusern, Museen und Cafés. Zum Schluss taten uns die Füße so weh vom Laufen, dass wir es kaum erwarten konnten, endlich wieder auf der Bonnie zu sitzen.

Endlich mal im Saarland
Nördlich von Metz geht es noch ein Stück über weite Felder, dann sind plötzlich die Schilder wieder gelb und man ist im Saarland. In Dillenburg bewunderten wir ein Stahlwerk, dann fuhren wir eine interessante, kleine Route über Berg und Tal, abseits der Bundesstraßen. Die Grenze zwischen Saarland und Pfalz ist fließend. Nach kleinteilig überquerten Bergrücken hielten wir in Idar Oberstein. Alle Klischees wurden erfüllt. Edelsteine bis zum Abwinken und ein in den 70ern installierter Touristencharme. Bis Darmstadt war es nicht weit. Noch ein paar kleinere Waldpässe, dann der Abstieg in die Rheinebene. Das letzte Stück mit Vollgas unter einer anrückenden Gewitterzelle hinweg.

Nord
Den ganzen Samstag verbrachten wir auf der Straße, die längste Zeit davon auf der B 27. Besonders auf dem Stück zwischen Bebra und Eschwege, von der Fulda an die Werra, waren wir vollkommen allein auf den weiten Asphaltschwüngen. Eigentlich hätte die Bonnie in Darmstadt verbleiben sollen, aber einen Tag wie diesen verbringt man nicht im Bus. Daran änderte auch die schwarze Gewitterfront nichts, die wir bei Hildesheim plötzlich vor uns hatten. War es Glück? Nein, Erfahrung und Können, dass uns genau im Richtigen Zeitfenster wieder losfahren ließ. Die Fahrbahn war überall noch nass, doch die Zelle war weg. So kamen wir durch Hannover, Celle, dann in vertrautes Gelände mancher Sonntagsausfahrt. Im Norden hatte ein kalter Wind alles weggeputzt. Zu Hause machten wir erstmal alles zu und fuhren die Tour im Gedanken gleich nochmal.