20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 26. September 2021

Freie Wahl

Einmal noch kam ein Sonnensonntag auf uns zu, und macht uns gleichermaßen ratlos wie euphorisch. All die großen Pläne wurden aus der Schublade geholt, wir hatten die Wahl: Heraus kam eine betont ziellose McPom Tour. Das war über ein Jahr her, jetzt war alles möglich. Proforma gaben wir Grevesmühlen ins Beeline ein, und ließen uns über die Landstraßen treiben. Von Süden kommend ging es über die Buckelpiste am Schaalsee entlang, dann kreuz und quer auf einsamen Wegen durch den frühen, hellen Nachmittag. Man konnte beliebig im Nichts halten und köstliche süßsaure Äpfel am Straßenrand pflücken bis der Rucksack voll war. Auf manchem Weg wünschten wir uns die Enduros zurück, im Gegenzug war das Vorfahren beim Jannys Eis umso souveräner. Danach kamen rauschende Highways über weites Land, der milchigen Septembersonne entgegen. Bei Ratzeburg kamen wir wieder in den Westen. Anja führte uns querfeldein über Nusse bis Schönberg, ich fuhr hinterher, staunend über diese umwerfend schöne Museumslandschaft. Wir tankten nochmal und hingen noch einen Bogen durch den Sachsenwald und den Elbdeich dran. Müde ja, aber so einen Tag lässt man nicht vorbeiziehen, der gehörte uns, den will man 300 Kilometer lang für sich haben.




Sonntag, 12. September 2021

Die richtige Dosis

Bei richtig gutem Wetter hätten wir eine richtig große Aktion daraus gemacht, aber immerhin: Es war Sonntag, und wir waren unterwegs. Unter hellgrauem Himmel ging es über Buxtehude, Bremervörde, immer weiter hinein in die Ödnis des Flatlands. Dabei verlief die Fahrt ganz und gar unangestrengt und flüssig. Am frühen Nachmittag erreichten wir Nethen in Friesland, wo die Sonne schien und das bedeutendste, einzige und lässigste Motorrad-Event des Jahres stattfand. Wir bekamen zwar nur noch das Finale mit, aber der Mix aus hochgezüchteten Trackern, Karohemden, Benzinduft und entspannter, prollfreier Beachclub-Atmosphäre war genau die richtige Dosis. Wir jubelten der neuen Weltmeisterin zu und tranken noch einen Cappuccino, während eine Schauerwolke abzog. Dann kam wieder die Tour durch die graue Leere, aber die Köpfe waren bunt gefüllt.



Montag, 6. September 2021

Menschenurlaub

Freitag gegen Mittag hatte ich mich mühsam aus der von Vierrad-Einzellern überbevölkerten Stadt herausgequält. Etwa in Südharburg, beim neunundneunzigsten gedanklichen Durchgehen der Checkliste, ging die rote Lampe an: Was soll ich in Hörden ohne den Hausschlüssel? Gefühllos drehte ich um. Der Rest des Tages litt unter dem 1 1/2 Stunden Offset. Das, der dichte Verkehr auch auf Landstraßen, vor allem aber die Tatsache dass Rembert mich im Harz erwartete, verlieh der Fahrt eine unterschwellig anstrengende Note. Anja war davon nicht betroffen. Sie war zu Hause und bereitete sich auf eine Autofahrt nach Dänemark vor.  Am Ende entspannte sich alles. Die Slim und die Bolt fuhren beim Italiener in Osterode vor, wir ernteten Respekt, Privilegien und Pizza.

Am Samstagmorgen war alles so urlaubig, das ich meine Weiterreise über den Schäufeleäquator kurzerhand stornierte und mich auf entspannte Tage im Südharz einstellte. Im ungeahnt frischer Morgenluft eskortierte ich Rembert auf prächtigen Nebenstrecken bis an die Weser. Unterwegs lernte ich u.a., dass aus dem Leinetal demnächst ein Ozean entstehen wird. Rembert verschwand auf eine beneidenswerten Reise, ich ließ mich über die Serpentinen des Kaufunger Gebirges treiben, allein und glücklich. Ich durchquerte das Werratal und kurvte im Osten durch die Wälder und die in der schrägen Nachmittagssonne unfassbar gutaussehende Landschaft des Eichsfelds. Um 19 Uhr stand ich beim Rewe in Herzberg, besorgte mir Frikadellen und machte Urlaub.

Sonntag wollte ich mich frei fühlen und eigentlich einfach die B27 südwärts entlangcruisen. Ein größeres Konzept brauchte ich dafür nicht. Die Luft war herrlich, und ununterbrochen kamen Biker entgegen, die alle in die Enge des Harzes wollten. In meiner Richtung waren viel zu viele Autos unterwegs. In der Nähe von Eschwege bog ich dann spontan ab und erkundete weitere Details des Grenzgebirges entlang der Werra. Da waren z.B. interessante Bergbaugebiete, Bergstraßen mit alpinen Kurven, vor allem aber endlose Sonne und kein Menschenauto weit und breit. Zum Abschluss donnerte ich noch die Bundesstraße hoch auf den Harz. Auf dem Torfhaus parkte ich am Bikertreff, und stand eine Weile dumm rum. Etwas zu Essen ohne Warteschlange fand ich in Altenau, wo die Sonne quer und warm auf den Asphalt und die Bratwurst schien. Noch ein paar schnelle Kurven im Abendlicht, dann zufrieden ins Bett.

Vor der Rückfahrt am Werktag graute es mir ein wenig. Die Nebenstraßenroute, die ich ins Vio programmiert hatte, funktionierte dann aber doch sensationell gut. Vorbei an allen Ballungen ging es praktisch ohne Verkehr durch die endlos-sonnigen Wälder und die Heide, als wäre Sonntag. Ich machte ausgiebig Pause in Bispingen, da war noch reichlich Zeit. Hamburg erreichte ich hellwach über Stelle und die Deichstraße bei Fliegenberg, alles wirkte beschaulich und entspannt. Wie im Urlaub.