20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 26. Juni 2022

Wendezeit

Zur Sonnenwende versuchte ich eine einsame Spätfahrt, sie war kühl und ich müde. Zwei Tage später kam die Wärme und die Fahrt wurde wiederholt, mit Anja hinten drauf, und ohne Handschuhe, genüsslich bullernd durch die untergehende Sonne zwischen Hafenkränen. Check.

Das Wochenende stand schon im Zeichen übertriebener Reisevorbereitungen. Die Stadt war heiß und voller Harleys. Am frühen Samstagabend wollte ich eine kleine Runde drehen, kurz allein, da Anja ihre Zehen angemalt hatte. Die Fahrt war auf der Rosengartenstraße schon so genial, dass ich ohne schlechtes Gewissen noch das Stück bis Welle dranhängte. Und dann noch die Querverbindung durch die menschenleere Heide nach Undeloh und von da hoch bis Stelle. Ein heißer Wind blies durch den Hoodie, und die trockene Landschaft sah in der Sonnenbrille aus wie im Kino.

Am Sonntag staute sich stickige Hitze in der Stadt. Während im Süden die Harleys sich ebenfalls stauten, zogen wir nach Norden ab. Ein Stück B4, dann kurvig nach Elmshorn und durch die Marschlandschaft, die so frisch und grün aussah, wie man es gar nicht mehr kannte, nach Kollmar. Es gab dort schweres Softeis aus Kindheitstagen, ausnahmsweise, weil morgen ein Regenband kommt, und dann ein ganz neuer Film.



Samstag, 18. Juni 2022

Gut gemacht.

Alles Stand im Zeichen der Großen Hitze. Sie war aus Spanien unterwegs zu uns und würde alles einschmelzen. Nur der Bereich im Norden versprach Sicherheit, was gut passte, denn in McPom waren wir schon lange nicht. Wir waren nicht in der Stimmung, mit der Navigationssoftware zu diskutieren und folgten einfach deren Vorschlag. So sahen wir zunächst Wandsbek, Jenfeld und Oststeinbek. Das ging recht flüssig, war aber gruselig. Auch die Fahrt übers Land hinterließ zunächst einen zwiespältigen Eindruck. Weitgehend orientierungslos ging es auf auf eintönigen Hohlwegen über Kuddewöhrde, Koberg kreuz und Quer bis Ratzeburg. Die lange Gerade nach Schönberg war heute ganz besonders lang, und erst nach einem müden Picknick am dortigen Teich kam wieder Fahrfreude auf. Janny's Eis in Grevesmühlen hat inzwischen Weltstadtniveau und brauchbaren Kaffee, so dass wir einen satten Umweg für die Rückfahrt planten. Beeline's Route war diesmal weltklasse: Mühlen-Eichsen, Lützow, Wittenburg - herrliches, einsames Gleiten in leichter Klamotte durch dicke Alleen, die Landschaft schimmerte dazu im Sommerlicht wie in besten Zeiten. Auf der B5 ging es mit aller Zeit der Welt zurück bis Geesthacht, dann auf die Deichstraße. Dabei führte Anja und ich schaute es mir an wie einen gut gemachten, langen Film.



Sonntag, 12. Juni 2022

Freundschaft

Thomas kam aus der Hauptstadt zu uns, als Fußgänger. Er wurde gut versorgt mit Kost, Logis und der 500 X als Leihgabe. Das war eine gastfreundschaftliche Geste, allerdings nicht ganz uneigennützig, denn so konnten wir den herrlichen Samstag zu dritt auf den Landstraßen der Nordheide verbringen und mussten nicht mit den anderen Fußgängern in der überfüllten Stadt herumkrebsen. Wir fuhren die üblichen Routen durch die leere Weite, und Thomas freundete sich eng mit der Honda an. Weder die Cruiserbegleitung störte ihn, noch das Schreckliche Topcase, in das wir alles reinschmissen was nervte. In Bispingen gibt es eine Eisdiele mit Blick auf die beeindruckende örtliche Poserszene. Wir bestellten wieder unfassbare Eisbecher (das letzte Mal!) und ich analysierte zahlreiche mögliche Rückrouten. Der ganz große Bogen um die Militärgebiete war zu groß, der kleine auch. Wir folgten dem Beeline auf einer unbekannten, schicken Route nach Geesthacht, und kamen über die schläfrige Deichstraße zurück in den Sommer der Stadt, der eine einzige Party war. Am Sonntag gab ich Thomas einfach den Hondaschlüssel. Anja und ich fuhren Fahrrad.



Montag, 6. Juni 2022

Gute Zeit

Pfingsten 2: Treffen mit Thomas in Wittenberge, halsüberkopf vereinbart. Als Gast dabei: Ben auf 250er Honda Enduro. Um aus der Stadt heraus zu kommen, mussten man einen quälenden Bogen über Barmbek, Wandsbek und Horn fahren, denn die gesamte Innenstadt war gesperrt. Wir bleiben noch bis kurz vor Geesthacht in der 50er Zone, und auch die weitere Fahrt verlief zäh, so dass wir in Lauenburg einen Cappuccino brauchten. Die B195 kannte Ben noch gar nicht, sie gefiel ihm gut. Ich kannte sie gut, aber normalerweise mit weniger Dosenverkehr als heute. Je weiter wir in die Elbauen kamen, um so wärmer wurde es. Die alte Allee hinter Dömitz durchfuhren wir in prächtiger Sommerhitze. Am Treffpunkt war kurze Zeit später das Stampfen Tomas' Himalayan zu hören. Wir beantragten einen Tisch am am "Fährmann" Restaurant, wo es auch Pfingsten nichts zu Essen gibt, und auch keinen Kuchen. Ein paar Kannen Kaffee reichten, um alles Nötige zu besprechen. Wegen der auf dem Radar nachweisbar anrückenden Westfront konnte ich verargumentieren, über Perleberg auf der B5 zurück zu fahren. Formal sollte es nur eine halbe Stunde Zeit sparen, aber mit Rückenwind den Cruiser über den vollkommen freien, großen Highway gleiten zu lassen, das war ein heimliches Highlight der Tour. Überraschenderweise war das sogar voll okay für den Endurofahrer. Alles klappte gut, wir erreichten die rettende Stadt in guter Zeit. Die Regenfront kam gar nicht.



Samstag, 4. Juni 2022

Hierbleiben

Pfingsten I: Hierbleiben war die Devise, und das machte Sinn. Mann konnte z.B. nach fröhlichem Abend ohne überhöhte Ansprüche in die Heide aufbrechen, und z.B. den Eisbecher nachholen, der letzte Woche hinten runtergefallen war. Nach Amelinghausen braucht kein Mensch ein Navigationsgerät, aber ich hatte das Beeline programmiert, einfach weil es da ist. Die Route war im Detail auch anders als sonst, aber nicht besser. Wir sahen das eine oder andere Wohn- oder Gewerbegebiet unbedeutender Kleinstädte. Die meiste Zeit fuhren ließen wir die Cruiser locker mit dem Strom der Ausflügler schwimmen. Die Gedanken hatten dabei Raum, im Kopf umher zu fließen. Bei der Eisdiele war alles mit E-Bikes zugeparkt, aber die Eisbecher waren pervers groß. Für die Rückfahrt programmierte ich einen Bogen über Vögelsen nach Bardowick. Dort gab es einen Aldi, wo wie sicherheitshalber Grillgut kauften. Auf der Deichstraße ging es langsam und reizarm zurück in die Stadt. Die war angenehm leer und strahlte in harter Sonne.