Die endlosen Junitage ermöglichen auch die späte Tour. Am Spätnachmittag waren die letzten Regenbänder durchgezogen. Die Sonne war noch hinter Milch, aber für eine Ausfahrt zum Durchatmen müsste es reichen. Keine Experimente im Ablauf - Hafen, Stelle, Nordheide. Ich hatte Zeit bis in den späten Abend. Theoretisch. Real kroch schon in Winsen die Kälte. Im Hinterland hatte ich den Wind frontal. Die programmierte Route hatte ich längst weggeklickt, es ging nur noch darum, den rettenden Sonnenstreifen im Westen zu erreichen, was zu einer verwinkelten, improvisierten Strecke führte. Es gab schöne, frei schwingende Momente, ich sah bunte Gewerbegebiete und verprollte Vorstädte. Die Sonne stand über Meckelfeld, eisig und hart. In Hamburg versuchte ich mich im Fußballstau aufzuwärmen. Am Ende half nur eine Wolldecke und ein warmes Bier.
20 Jahre !!!
Samstag, 15. Juni 2024
Sonntag, 9. Juni 2024
Europa
Samstag in Europa. Ich wählte einen Tag allein mit der Z. Im Osten war das Wetter gut, immerhin, und es gab keinen Stau. Ohne jeglichen Gedanken segelte ich über Geesthacht und Lauenburg zur Grenze. In Boizenburg, wo man normalerweise auf die B195 abbiegt, wollte die Kawa weiter geradeaus. Vor mir öffnete sich die B5 in ihrer ganzen Pracht. Ein grünwuchernder Tunnel, durch den ein graues Band in die Ewigkeit führt. Kein Auto störte die gleitende Fahrt durch den kühlen Luftstrom. Allenfalls die abartigen Wahlplakate störten, die den Ossis wahr machen wollten, es sei ihr Land. Das war natürlich Quatsch, mir ganz allein gehörte alles wo meine Reifen rollten. Hinter Ludwigslust bog ich Richtung Dömitz ab, Wortlos und introvertiert. Zurück ging es dann tatsächlich auf der B195. Vereinzelnd kamen Bikes entgegen, grüßten und verschwanden im Nirvana. Ich schloss die Tour am Zollenspieker ab. Der Eindruck westlicher Kultur und Zivilisation wirkte erholsam.
Sonntag, 2. Juni 2024
Gestern
Der triste, milchige Dunst blieb entgegen aller Versprechungen bis weit nach Mittag. Nur McPom leuchtete auf der Wetterkarte nach wie vor sommerlich. Es musste sich noch ein Tag wie gestern herauszaubern lassen, da waren wir uns sicher. In Ahrensburg bogen wir von der Autobahn ab und folgten einer winkeligen 'Fun' Route des Beeline. Hin und her ging es durch den dichtbesiedelten Speckgürtel. Nach kurzer Zeit hatte ich sowohl die Orientierung als auch die Motivation verloren. Eine uninspirierte Dreiviertelstunde lang standen wir auf einem Parkplatz in Barkhorst, Wetterkarten studierend und immer neue Routenmodelle durchspekulierend. Währenddessen wehte der Nordwind, so dass wir schon im Stand froren. Abbruch. Es folgte noch orientierungsloses Herumgurken auf Feldwegen über Rümpel nach Oldesloe (falsche Richtung), dann eine frostig-desillusionierende Rückfahrt über Norderstedt. Was blieb, war die Erinnerung an einen Sommer von gestern.
Samstag, 1. Juni 2024
Deluxe
Große Vorfreude ging diesem Samstag mit Sonnenschein voraus. McPom war ein gutes Ziel. Dort waren wir lange nicht, und die Z sogar noch nie. Es begann auf kleinteiligen Landstraßen im Herzogtum Lauenburg von wo wir irgendwo im Gebüsch auf due B195 nach Zarrentin stießen. Ich kurvte noch etwas müde durch die engen Alleen, und wir waren uns einig, am Schaalsee müsste es eine Pause geben. Über den See blies klarer Nordwind während wir Fischbrötchen mampften. Es ging weiter auf Buckelpisten Richtung Norden, immer vorsichtig um die unübersichtlichen Ecken in überbordender Buschigkeit. Hinter Mühlen-Eichsen ging es diagonal nach Grevesmühlen, es der Endpunkt der programmierten Route. Die Sonne schien grell, während wir mit zwei Eiskugeln über den weiteren Verlauf philosophierten. Ich wollte das Meer sehen und setzte mich durch. In Brook waren wir auf eisigen Wind und Schaumkronen eingestellt. Unerklärlicherweise wehte dort nur ein laues Lüftchen. Zwei Stunden sonnten wir uns in Unterhose am unschlagbaren Pausenplatz Deluxe, als wäre es ein Sommertag vergangener Zeiten. Auch die Rückfahrt durch sonnenbrillengoldenes Abendlicht hatte durch und durch nostalgische Züge. Wir streiften Lübeck, glitten völlig autofrei und unbeschwert über Kronsforde, Kastorf auf der Nebenstrecke durch den Sommerabend. Zum Abschluss fuhren wir beim Diner im Gewerbegebiet von Barsbüttel vor. Danach war selbst die Einfahrt in die Stadt Deluxe.


