20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 27. April 2025

Farben

Innerlich hatte ich mich schon auf einen Tag mit dem Fahrrad eingestellt, als Anja mit einer Dienstfahrt nach Kittlitz um die Ecke kam. Immerhin, das lag in einer erreichbaren Richtung, denn der Süden war durch den Marathonlauf hermetisch abgeriegelt. Das Tomtom führte uns über Norderstedt querfeldein durch den ausufernden Speckgürtel nach Bargteheide. Danach wurde die Fahrt erst freier und nach und nach richtig gut. Durch gleißend weißes Licht und die einzigen Farben Grün, Gelb und Blau in totaler Klarheit ging es über klassische Routen, die uns seltsam nostalgisch vorkamen, wir aus einer anderen Zeit. Die Region hinter Mölln zwischen Sterley und Kittlitz ist und bleibt ein verstecktes Kleinod. Im dortigen Café trafen wir Götz, Karina, Didi und Kathrin. Bei überdimensionaler Torte wickelte Anja die Geschäfte ab. Dann ging es zurück durch die Aprilwärme über Gudow nach Büchen die unschlagbar einsame, lange Waldstraße durch den Grenzstreifen. Noch einmal tanken, dann über die Deichstraße zurück in die Stadt, wie tausend Mal zuvor. Wir waren müde, alles war erledigt, erfüllt und gut.



Samstag, 26. April 2025

Antworten

Am Anfang hatte der Tag mehr Fragen als Antworten. Die Sonne schien makellos und kühl, die Stadt war voller Autos und die bahnbrechende Idee ließ auf sich warten. Sie kam, als im Handy ein Angebot aus Rahlstedt aufpoppte. Das war nicht weit und ging in die ausnahmsweise passende Richtung. In einem BMW-Glaspalast stand eine blauweiße Himalayan. Sie gefiel Anja so gut, dass sie direkt das Geld auf den Tisch knallte und sie einsackte. Im weiteren Verlauf gurkten wir abwesend über Pfefferberg Richtung Sachsenwald, gedanklich zukünftige Einsätze der Royal Enfield planend. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, wusch sie bei nächster Gelegenheit die Rebel. Es passte ins Konzept, am Zollenspieker zu vorzufahren, wo wir uns eine Thüringer Bratwurst teilten, jedes Bike kommentierten und den Tag richtig gut fanden.



Montag, 21. April 2025

Ostern war gerettet

Am Vorabend hatten wir alles von allen Seiten hin und her diskutiert, immer wieder die Wetterprognosen durchinterpretiert, alles hinterfragt und auf den kleinsten Nenner gebracht. Als es dann soweit war, wischten wir den Plan vom Tisch und machten uns auf den Weg. Tatsächlich konnte man die kaltfeuchte Wolkendecke hinter sich lassen und unter die Sonne des Südens gelangen, etwa in Höhe von Bispingen. Dort beim Kaffee war klar, wie ziehen das durch. Auf einsamen Landstraßen im leuchtenden Frühlingsdunst ging es immer weiter in die Südheide bis Celle, und von dort weiter kreuz und quer, bis endlich die ersten Hügel zu sehen waren. Manchmal kam uns ein Stück bekannt vor, aber meist fuhren wie staunend durch eine Welt wie im Urlaub. Wir checkten ein in Seesen, warum auch nicht. Bis zum eintreffen der Regenfront war noch eine Stunde Luft. Genau richtig für ein paar hundert Genusskurven nach Clausthal und zurück über Hahnenklee. Danach bestellten wir ein monumentales Schnitzel und hatten keine Wünsche mehr offen (außer zwei Schierker).

Am Sonntag war schon Ostermontag. Wir fuhren nach dem Frühstück noch in Hörden vor, wo wir die Hausherren bei schwerer Gartenarbeit durch gute Ratschläge unterstützten. Dann programmierte ich eine satte 350 Km Rückfahrt im östlichen Bogen. Halb routiniert, doch immer wieder fasziniert kurvten wir über den Harz. Beide Maschinen hatten neue Reifen, ein Glückszustand, den wir hier still abfeierten. Von Wernigerode aus ging es von Dorf zu Dorf auf Nebenstrecken nach Norden. Es war eine gleitende, nicht endende Fahrt durch den sonnigen Tag. Immer staunten wir, wie abwechslungsreich man sich zwischen Braunschweig und Wolfsburg hindurchschlängeln kann. Dabei folgte ich blind dem Tomtom, und Anja folgte mir. Als wir bei Bokel in die Ausläufer der Heide kamen, war es schon Spätnachmittag. Von Südwesten waren Regenzellen im Anmarsch, so dass wir einen neuen Kurs über die Schnellstraße setzten. Im Norden wehte ein anderer Wind. Die Luft war kühl, die Zellen drohten und die Leute in der Stadt trugen Daunenjacken. Wir kamen an, waren müde und Ostern war gerettet.

Samstag, 12. April 2025

Frieden

Die Sonne schien seit Tagen allein aus einem leeren Himmel, und am Horizont war schon Ostern zu sehen. Kein Zweifel, der Frühling war längst da. Und endlich gab es nichts zu tun außer die Bikes anzulassen, voll zu tanken und loszufahren. Ein amtlicher Saisonstart war schon immer die Elbufertour nach Dömitz. Daran war nichts Spektakuläres, aber genüsslich auf der B195 durch den Apriltag zu rollen, das hatte etwas unheimlich friedliches. Die zahlreichen Testo-Racer, die auf der allerletzten Rille vorbeipreschten konnten daran nichts ändern. In Neuhaus entdeckten wir ein Eiscafé in der zweiten Reihe. Es ist normalerweise für die Einheimischen vorgesehen, wir merkten es uns trotzdem. Irgendwo auf dem letzten Drittel war die Strecke gesperrt, und zwar wirklich. Auf der Suche nach dem Schleichweg fanden wir uns in der herrlichen Einsamkeit der Elbauen wieder und planten einen Rückweg durchs Dickicht: Zarrentin, Gudow, Büchen, Lauenburg. Alles schon mal dagewesen, aber gut aufgehoben im Portfolio. Es war noch genug Sonne übrig für die Bummelstrecke am Deich entlang zurück in die Stadt. Die Leute dort standen in ihren Autos im Stau, wo sie vielleicht auch hingehörten.