20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 15. Mai 2011

No Burnout Weekend

Wenn man auf der B 435 aus der Stadt herausfährt, kann man bis vor die Tore Bargteheides gelangen, ohne geschlossene Ortschaften zu verlassen. Die Grünstreifen zwischen den diversens Ammersbeks mal ausgenommen. Es war Samstagabend und wir waren abermals auf dem Weg nach Strukdorf, diesmal auf Einladung. Der eher funktionalen Prägung der Fahrt entsprechend saßen wir zu zweit auf der 850. Seit letzter Woche hatte es endlich den Wetterumschwung gegeben. Über klar und kühl im Streiflicth liegenden Land fetzte ein wilder Westwind, der den Himmel klinisch saubergefegt hatte. In Oldesloe bog ich spontan auf die kurvige, aber irgendwie nie auf dem Weg liegende Straße Richtung Segeberg ab. Über nie gesehene seltsam leuchtende Dörfer kämpften wir vor. Die Dämmerung lag noch in weiter Ferne, als wir mit kalten Fingern das Anwesen erreichten.
Sonntag, spätvormittags fuhren wir über Neukoppel, wo wir niemanden antrafen, die bekannte und unschlagbare Strecke bis Ahrensbök. Der Asphalte glänzte tiefschwarz dampfend vor einer dramatischen Kulisse strahlender Knicks vor dunkelgrau drohenden Schwerwolken. Ahrensbök verbindet eine Ausnahmestrecke mit Pansdorf. Ich kenne Sie aus der Vorzeit und wir ignorierten die Regenschauer, fuhren weiter durch bis ins verschnarcht auf den Sommer wartende Timmendorf. Immerhin: Der Aldi Markt hatte geöffnet, so dass das Abendessen schon mal gerettet war. Von Timmendorf ist es ein Steinwurf bis Brodten, wo wir in erdrückender Piefigkeit auf der Herrmannshöhe vergeblich auf das Ausrücken der Windjammer warteten. Die Rückfahrt über die zielgerichtete B 75, behindert durch apathische Sonntagsfahrer verstrich in Wechsellicht. Ein wohltuender Kontrast war der Anblick üppigen Chroms, der Sound röhrender Achtzylinder und der Geruch genussvoll verbrannten Gummis beim US-Car Event auf dem Heiligengeistfelds, wo wir dreckig wie nach einer Rally endeten.

Montag, 9. Mai 2011

Le sacre du printemps

Woche um Woche brennt endlose Frühlingssonne auf uns hinab. Das Frühstück noch verdauend hatten wir die BAB 1 unter den Reifen. In Ahrensburg fuhren wir ab und nahmen die gute alte B 75, so wie wir es schon immer taten. Aufgrund äußerer Zwänge mussten wir am Spätnachmittag in Strukdorf eintreffen, bis dahin blieb ein vielversprechendes Zeitfenster. Da wir schon in der Gegend waren, lag eine Holsteinrunde nahe. Wir staunten nicht schlecht, als wir das erste Mal wieder durch über sanften Kuppen segelten, die hinter Ahrensbök beginnen. Vorteilhafterweise hatten sich die Einwohner brav zum Hafengeburtstag nach Hamburg begeben, so dass wir das zurückgelassene Land für uns hatten. Eutin ist so unübersichtlich, dass wir nach einem Cappucino im Stadtzentrum erneut etliche Anläufe brauchten, den Weg in Richtung Lensahn zu finden. Die GS und die Sportster brummten mit Lieblingsgeschwindigkeit zweisam durch Bilder wie Ansichskarten. Rapsfelder, üppig-frische lichtflirrende Laubwälder und immer wieder Ausblicke über das wie in Wogen liegende Land. Auf dem ganzen Weg über Kirchnücheln, Nücheln, Malente, Bosau, Berlin bis hin nach Goldenbek und schließlich Strukdorf trübte nichts unser genussvolles Dahingleiten. Später, nachdem ich Anja im Seehotel-Sanatorium abgeliefert hatte, fuhr ich noch über kleine Dörfer, auf denen mild der Abend lag, nach Lübeck rein.

Am Sonntag musste alles noch gewaltiger werden. Das ging nur in McPom. Auf der A 20, über die wir noch am Vormittag erstmal Strecke machen wollten, kamen wir kaum gegen den reißenden Ostwind an. Auch auf den Landstraßen, vor allem denen, wo es am mecklenburgischten ist, zwischen knorrigen Alleebäumen aus anderen Zeiten, war das Fahren z.T. nicht gerade unanstrengend. Für manche Pisten hätte ich mir regelricht ein normales Motorrad herbeigewünscht. Erst in den Pausen wurde das Ausmaß der Romantik deutlich, z.B. im Tessin, irgendwo vor Wittenburg, inmitten eines Vogelkonzertes in wucherndem Grün, diskutierend, ob und wenn ja wo es vielleicht einen Kaffee geben könnte. Den gab es erst, nachdem wir das Land bis in den äußersten Süden durchquert hatten. Mit jedem Kilometer war der Sibirische Eiswind zu einem warmen Pusten geworden. Die parkähnlichen Weiden wichen Sandwüsten, versteckt unter harzschwitzenden Kiefernwäldern. In aufgeblühten Dömitz fanden wir uns ausgelaugt und verscwitzt im Halbschatten eines insidermäßigen Gartencafés wieder (das wir schön für uns behalten). Nun lag noch die ganze B 195 vor uns, auf der wir mit Rückenwind und den durch und durch hochsommerlichen Charakter der Fahrt auskostend inhalierten. Mit aller Ruhe liefen wir über die Elbdeichstreke in die kurzhosig durch den Maisommer taumelnde Stadt ein.
8.5.11 23:52

Freitag, 6. Mai 2011

Geschenkt.

Ein geschenkter Freitag sollte zu mehr gut sein als Wände streichen und Fußleisten verlegen. Dachte ich und holte in der Mainachmittagshitze die Iron aus der Garage. Eine Kaffeefahrt zum Lüheanleger, warum nicht. Es war wie gesagt sommerlich warm, an der ersten Ampel mussten die Handschuhe aus. Ich verbrachte eine gute halbe Stunde auf der Ost-West-Straße. Quälend quoll die Autoschlange stinkend Richtung Wochenende. Im Hafengebiet übernahmen unsere lieben Brummis den Stau. Im Stop-and-Go schob mich die Kolonne über die Kölbrandbrücke. Eine Stunde war vergangen als ich Finkenwerder erreichte. Der Stau ging fing schon am Ortseingang an. Das war alles vollkommen inakzeptabel. Ich drehte um und fuhr teilnahmslos durch den Freihafen zurück Richtung Stadt. Die Kilometer auf der Wilhelmsburger Reichsstraße, auf der man mit 80 Sachen durchatmen konnte, kann man getrost als Höhepunkt dieser Ausfahrt ansehen. Absurderweise war es im inneren der Stadt richtig locker, so dass ich bis Eppendorf durch kam, wo es Cappucino im Hinterhof gab. Trozdem kann keiner von mir verlangen, auf dem Ring 2 im Kreis zu fahren. Ich verstaute die Iron und genoss den Restatg auf dem Hollandrad.