20 Jahre !!!

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Sonntag, 22. Juli 2012

Highway Day

An einem Sonntag ohne Regen, um 10 Uhr morgens, beinahe fröstelnd, hatte eich den Elbtunnel schon hinter mir und saß geduldig die lange Autobahn nach Lüneburg ab. Dann kam die B 216, die ansonsten schwer nerven, sich aber zur Frühstückszeit zu einem gleitenden Highway verwandeln kann. Ich glitt, nie schneller als 90. Das konnte ich vollkommen genießen, einfach die Maschine lässig dahinblubbern zu lassen und schauen, wie das Sommergrün der Alleen vorbeizog. Ich wünschte mir nichts anderes für den Rest aller Zeit. Dannenberg kam, wo mir die Strecke nach Gartow wieder einfiel. Immer wieder stand ich an Punkten, wo ich mich entscheiden musste. Auf der Landkarte sah alles ganz nah und verlockend aus, und inzwischen war es fast so warm wie im Sommer. Ich fuhr dann einfach immer weiter. Letztendlich fand ich mich in den Elbauen hinter Seehausen wieder, auf einer Kopfsteinpflasterstraße von vorvorgestern. Mit einer Gierseilfähre setzte ich nach Havelberg über. Auf der Fähre bildete sich eine Menschentraube um die Iron, während ich in die Weite starrte. Wieder Landkarte, was nun. Direkt im Norden war am Horizont die B5 auszumachen, die Mother Road. Dann rollte ich wieder, dem Horizont entgegen, stur mit 90 einer gleichgesinnten Royal Enfield hinterher. Zu Hause waren es satte 400 Kilometer. Da sieht man mal, wie nötig das war.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Sommer vorm Balkon

Die nächsten Wochen waren natürlich ganz anders als gedacht. Vor allem nicht auf Island, sondern meist auf dem Balkon in der Weidenallee. Wenn manchmal am Wochenende kein Regen kam, gönnte ich mir alleinige Ausfahrten, mal die Elbuferstraße andersherum, mal Schnuppertouren ins Mecklenburgische, einmal sogar mit Marcus, oder herrlich gedankenleeres Dahinbrummen ohne besonderes Ziel. Es tat gut, mal die eine Zeit lang die Maschine im Fünften und den Kopf im Leerlauf zu belassen. Meist folgte darauf ein heißer Sommertag, an dem ich Anja im Rolli zu den Touristenattraktionen wuchtete. Sie legte dabei entspannt das Bein hoch.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Midsommer

Auf Mittsommer hatte ich mich seit Weihnachten gefreut, komme was da wolle. In meiner Vorstellung glitt ich an jenem warmen, langem Juniabend auf einem einsamen, späten Highway dem Sunset entgegen. Es fing gut an, aber den halben Abend verbrachte ich in der Schlange beim Zollenspieker. Bevor die rettende Wurst fertig war, hatten sich dicke graue Wolken ausgebreitet.
Zwei Wochen später definierte ich immer noch als Mittsommer, denn diesmal klappte es. Ein Stück B 5 bis Boizenburg, dann bog ich auf die B 195 Richtung Zarrentin. Eine sensationelle Straße, die zu Unrecht viel zu selten dabei ist, zumal wenn das Fußvolk schon brav vorm Fernseher sitzt. Diesmal gab es die Wurst am Schaalsee, und dann hingebungsvoll einen großen genüsslichen Bogen durchs abendliche Hinterland über Seedorf, Sterley, Mölln, summende Wälder und warme Wiesen im Lauenburgischen, Richtung Westen, wo kurz vor Zehn in der Nähe von Rahlstedt die Sonne in eine rosafarbene Dämmerung überging, unweit des Highways aus meiner Fantasie.