20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 31. Dezember 2012

Zwischenzeit

Zwischen den Jahren blieb es mild und es gab Tage mit von Süden anrollendem Wolken wie im Juli. Einmal fand ich mich mit dem Chopper auf den traurigen Landstraßen des Speckgürtels wieder, die den Ring aus Großsuper- und Baumärkten vernetzen. In dichtem Abstand bewegten sich dunkle Passats und Audis durch das Wechsellicht des frühen Nachmittags, im Inneren Vamilienväter mit Todo-Listen. Gedenkenlos trieb ich mit dem Strom, landete in Wedel. Rechtzeitig vor der Dämmerung sog mich die Stadt wieder an.
Ein anderes Mal kamen viele Schauer, aber dazwischen leuchtete es verführerisch. Hafenkräne standen dramatisch im Gegenlicht, Asphalt schwarz und glänzend, Gleise wie gezogenes Gold unter schwarzem Himmel. Je weiter ich kam, desto verzweifelter  suchte ich nach dem Wolkenloch vom Satellitenbild. Ich drehte um und donnerte mit Vollgas zu Stenzel und holte Kuchen, mit dem ich zu Anja fuhr, gerade als es anfing zu schütten.
Irgendwann war dann die Woche vorbei. Anja und ich brummten auf den Vanvans durch den Silvestertag. Im Hafengebiet hörte man das Knallen nur aus der Ferne. Hier lag alles still zwischen Lagerhallen aus dem Tatort. Durch Zufall wurden wir Zeuge des letzten Zöllners, der seinen Übergang noch ein letztes Mal verschloss. Morgen wird der ganze Freihafen abgeschafft. In einem fotogenen Bogen über Kattwyk und Altenwerder kamen wir zurück. Dann kam 2013.

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Sonnenwende

Das eigentliche Geschenk war die milde, westliche Luftmasse, so dass Weihnachten feuchtwarm und schneelos vor uns lag. Beide Vanvans sprangen an, und die gefütterten Goretexsachen trugen enorm auf, während wir uns aus der noch immer hektischen Stadt heraus bewegten und uns zunächst in eine sich mit den Kilometern zerstreuende Autokolonne einreihten. Mit dem Nachmittag kam immer mehr Einsamkeit und wir rollten stumm staunend in eine farblose Dämmerung hinein. Baumgerippe griffen knochig und schwarz nach dem sinkenden, allumfassenden schweren Dunkelgrau. Einzelne Leuchtpunkte strahlten irreal hervor, sogleich verglühend am porösen Rand der Erde. Gegen Ende glimmte ein kurzer Moment intensiven Blaus, danach war nur noch schwarze Nacht, unterbrochen von natriumdampfgelb erstarrten Dörfern. Das Scheinwerferlicht verzweifelte an dicken Nebelbänken, unter den Reifen klatschten Schneereste. Im Rausch der Eindrücke rollten wir auf das leuchtende Anwesen. Da Weihnachten war, frohlockten wir die ganze Nacht.
Der Sonntag begann in monotonem Nieselregen und die Fahrt war sehr introvertiert. Ausgelaugt lagen die Ortschaften an der Straße, wartend auf das Abendprogramm. In der Nähe von Hamburg war kurz ein Lichtblick am Himmel zu sehen. Er ging unter, noch bevor wir die tropfenden Vanvans in die Garage geparkt hatten.