Ich war allein mit dem Bombenwetter. Anja war mit Weibern in Berlin, die Berliner Biker im Sauerland bzw. abgemeldet. Alle anderen waren Fußgänger. Ich malte einen Radius auf die Karte und entdeckte Wernigerode am Harz. Gegen Mittag war ich auf der B3, heute ohne Umkehr, einfach immer weiter, so wie im Traum. Im Rucksack hatte ich nur eine Zahnbürste. Stoisch rollten die Kilometer ab, durch die endlosen, gelbe Wälder. Die Wollsocken taten ihren Dienst, und an der Tanke in Celle, in irgendeinem Wohngebiet, lehnte ich hinter der Waschanlage an der Vulcan, die in der Sonne leuchtete, und wärmte mich an einem Cappuccino (groß) auf. Die Gegend um Braunschweig war schon immer ein Problem. Am Stadtrand sind Autobahnbrücken wie in Los Angeles, und wenn man kutz zögert, landet man ungewollt in der Innenstadt, die unbeschildert ist und durch künstliche Staus auf Metropole getrimmt wird. Durch Intuition erreichte ich die B79, eine gute Straße am Hang, und aus dem Nebel stiegen die Harzberge empor. Ich fuhr gleich bis Drei Annen hoch, bewunderte die Schmalspurbahn im Spätlicht. Noch eine Runde über Elend und Elbingerode, dann einchecken und schnell warm duschen.
Ohne Herrmann und Anne aus Oldenburg sowie die kleine Weinbar, die ich gestern Abend noch entdeckt hatte, als ich schon resigniert eine Flasche von der Tanke holen wollte, wäre der Sonntag jedenfalls frischer gestartet. Aber der Fahrtwind strömte erholsam und frisch durchs Gehirn, und auf den Straßen war ich praktisch allein. Ungeahnt flüssig ging es auf und ab über die herrlichen Kurven durch einen herbstbunten Landschaftsporno. Am Hexentanzplatz stand die Sonne weit oben und brannte wie in ihren besten Zeiten auf die Touristentruppen und mich, eine Waffel mit Ost-Nutella mampfend. Zum Abschluss nahm ich noch das Selketal und fuhr über Quedlinburg und Halberstadt in die Ebene. In Wolfenbüttel klappte das diesmal mit der Stadtautobahn, so dass Braunschweig schadlos vorbeizog. Endlose Alleen säumten einen Tag im fünften Gang. Celle kam und ging, Wälder, gelb und rot, Soltau. Es war schon in Welle, als ich das erste Mal den Motor abstellte. Ich saß auf einer Bank, trank still Kaffee und rauchte. Die Sonne schien kalt von der Seite, bis Hamburg waren es nur noch ein paar Meter. Fußgänger liefen durch den Park, oder am Fluss entlang. Die Sonnenseite war und blieb der Highway.


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