20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 24. Juli 2016

Hollywood

Rembert hatte sich angekündigt. Hektisch wurden Motorräder geputzt und Betten frisch bezogen. Dann machten wir uns auf den Weg, um ihn irgendwo an der B195 abzufangen und nach Hamburg zu eskortieren. Wir trafen ihn in Dömitz, und es folgte eine sommerliche Fahrt durch die Elbauen, summende Kiefernwälder mit entspannten Schwüngen durch leeres Land. Die Gegend, die freie Straße und der warme Backstein, wir kannten es schon so lange, doch in den Augen Remberts sah es so herrlich aus, wie es wirklich ist. Wir kamen über die Deichstrecke in die Stadt und hatten noch Energie für eine Hafenrundfahrt, um unseren Gast zu beeindrucken. Das weiche Abendlicht über den Docks war traumhaft inszeniert, und die Köhlbrandbrücke, die sich im Gegenlicht aufbog, das war Hollywood. Nicht ohne Stolz nahmen wir Rembert mit nach Hause und bruten Burger.

Gestern war bei Anjas Honda die Birne durchgebrannt. Statt zu basteln, war es auch okay, einfach die Bonnie zu nehmen, wo sie doch nun mal in der Garage stand. Bis Lauenburg, ach warum nicht gleich bis Boizenburg begleiteten wir Rembert, dann verlor er sich mit der Slim in der Endlosigkeit der B5. Unser Abzweig war gesperrt (wie fast alles im Moment) und wir fanden uns im tiefsten Hinterland McPoms wieder. Auf kleinsten, verträumten Landtraßen bahnten wir uns unseren Weg durch schwere Sommerluft. Es roch nach Ernte, Wald, Wiese. Die Hitze war in allen Dingen, und als wir endlich Grevesmühlen erreichten, war das Eis wohlverdient. Wir fuhren weiter, denn an der Küste gab es einen Streifen von ca. 3,50 m, an dem es angenehm kühl war. Ein, zwei Stunden verbrachten wir in einem interessanten Treibholzarrangement in angenehmer Brise, dann ließen wir die Räder rollen auf der langen, flirrenden Geraden von Schönberg nach Ratzeburg. Die dicke Gewitterzelle, die sich entgegen aller Beteuerungen über der Hamburg platziert hatte, verzog sich rechtzeitig. Wie stellten die knisternden Maschinen ab und gaben uns der unvergleichlich befriedigenden Erschöpfung eines 350 Kilometer langen Sommertages hin.
 

Sonntag, 17. Juli 2016

Im Westen nichts

Gemäß den Vorgeben der Wetterkarte fuhren wir nach Süden, und mussten im Café in Soltau feststellen, dass zwar die Sonne brannte, wir aber irgendwie ziemlich oft in diesem Heidedreieck unterwegs sind. Was ist eigentlich westlich von hier? Nichts, aber das musste sich erst herausstellen. OK, es gibt lichte Birkenalleen, die über windiges Land führen. Geisterhafte Dörfer, mit akkuraten Rasengrundstücken und Bäumen, die in den Himmel wachsen, weil es normalerweise regnet. Immerhin konnten wir die Cruiser über viele Kilometer laufen lassen, ohne nennenswerte Störung, sieht man von einem verpeilten Rentner an der Tanke in Bremervörde ab. Man kommt am Geestrand in Stade heraus, von hier aus könnte man zum Grünendeich fahren. Taten wir aber nicht, denn irgendwas zog uns nach Hause unter eine trübe Wolkendecke.

Sonntag, 10. Juli 2016

Die letzte Reise


Auf Vanvans zu fahren hat immer den Effekt, dass alles unheimlich leicht wird. Sogar ein Abschied. Denn dies war Anjas letzte Reise auf der orangen Suzuki. Für den Weg nach Wittenberge hatten wir 4 Stunden eingeplant. Geesthacht, Lauenburg und Boizenburg lagen hinter uns, vor uns endlose Weiten. Ein warmer Rückenwind schob uns durch die Elbauen, der Blick hatte Zeit, über das Land zu schweifen, die Nasen konnten in aller Ruhe den Sommerduft der Kiefernwälder inhalieren. Hinter Dömitz geht es noch 50 Kilometer weiter durch die enge Allee, dann rollten wir am Bahnhof vor, wo wir Heike und Thomas trafen. Ein Eisbecher an der Elbe, ein paar gute Ratschläge, Umarmung, ein Foto. Die orange Vanvan folgte der grünen nach Berlin, Anja und ich brummten auf der blauen allein durch einen riesigen Nachmittag, der monoton mit 70 Sachen in schwerer Schwüle dahinzog. Die Dörfer, die Straße waren leer wie nie, nichts lenkte ab vom Dasein, einsam und klein. Wir aßen zu Abend in der Zivilisation des Zollenspiekers, danach parkten wir die Blaue in der Tiefgarage, wo jetzt endlich mal wieder etwas Platz ist.

Samstag, 9. Juli 2016

Angenehme Länge

Samstag früh um 9 Uhr war ich schon auf der Autobahn. Das Ziel war erneut Travemünde, der Anlass wieder blöd. Aber um 12 Uhr war dies erledigt und ich wusste, dass Anja schon dabei war, ihre Honda klar zu machen und sich in Richtung Strukdorf aufzumachen. Dort trafen wir uns, schauten in den Himmel und fuhren nach McPom. Es ging durch das touristisch erschlossene Lübeck und die alte Strecke über Schlutup. Während der Fahrt gingen mir alle möglichen Gedanken durch den Kopf, aber die Aussicht auf mehrere Kugeln Jannys Eis in Grevesmühlen zog mich vorwärts und Anja hinterher. Nach einer ausreichenden Menge ruhig gleitender Kilometer durchs Land, das langsam anfing nach Sommer zu riechen, standen wir vor wegen Krankheit verschlossener Tür. Von Grevesmühlen aus gibt es diese verwinkelte Straße, die durch Dickicht und Wiesen über Rehna nach Carlow führt, die wir aus der frühen Nachwendezeit kennen. Sie wurde irgendwann mal neu geteert, aber buckelig und hinterweltlerisch wird sie immer bleiben. Von Ratzeburg aus ging es durch den Spätnachmittag querfeldein über Kastorf und Sandesneben zurück zur Stadt. Die Fahrt zog sich auf angenehme Weise in die Länge, weil sie wusste, wie wichtig das jetzt war.

Montag, 4. Juli 2016

Alles klar.

Ich zog den Feierabend noch ein Stück hinaus, bis das Wolkenfeld und der Verkehr sich verzogen hatten. Dann startete ich eine Montagabendtour. Das musste sein, denn im Kopf waren zu viele Dinge, die da nicht hingehören. Ich fuhr durch den Hafen, dann über Ehestorf zur B75, alles noch etwas fahrig und abwesend. Dann blitzte die Verbindung von Sieversen zur B3 in der Erinnerung auf. Eine traumhafte Waldstrecke mit Mittegebirgscharakter. Danach ging es mir wieder gut. Die B3 tat ihr Übriges: Kein Auto weit und breit, langes Licht flutete die Allee seitlich. Der Fahrwind war ein warmer Strom und blies alles hinter mich. Es war fast Neun und immer noch taghell. Ich nahm den Abzweig durch die Heide nach Undeloh. Langes, einsames Gleiten durch goldene Landschaft. Kein Sonntagnachmittag kann da mithalten. In Stelle fällt der Elbhang abrupt in die Marsch ab. Über Over erreichte ich das Stadtgebiet. Ich kurvte noch etwas sinnlos hin und her, um punktgenau in der Altonaer Straße den fünfzigtausendsten Kilometer der Vulcan zu dokumentieren. Im Kopf war alles klar.

Sonntag, 3. Juli 2016

Auf Sicht

Das zermürbende Spiel gegen die Italiener saß uns noch in den Knochen, daher waren wir dankbar, zunächst nur die Deichstraße entlanggondeln zu müssen. In Lauenburg zeigte das Regenradar tausend Kleinstzellen an, die unplanbar waren. Also fuhren wir auf Sicht, was uns auf eine interessante Route brachte, und unbekannte Straßen, gar versteckte Schätze. Im Dreieck zwischen Lauenburg, Lüneburg und Winsen bogen wir immer dann ab, wenn eine zu dunkle Quellwolkenformation vor uns auftauchte. Es ging kurvig durch Wälder und über Hügel, die hier niemand erwartete. Bis tief in die Heide hatten wir uns vorgearbeitet, auch, um bitte endlich einen Kaffee und Schweineohren zu bekommen. Nun war klar, dass die Schauerwalze auf dem Rückweg nicht mehr zu umfahren war. An deren äußersten Rand tasteten wir uns bis an das seltsame Endstück Harburgs vor, dann konnte man nur noch die Augen zu machen und durch. Tropfnass standen wir in Eimsbüttel und die Sonne ging wieder auf.