Klar war, dass wir mit den beiden Scramblern los wollten. Unklar, wohin. Auch nachdem wir ewig über die Wetterkarte philosophiert hatten, blieben Fragen. Wie auch immer, wir waren auf dem Weg nach Süden. Die lange gerade B3 schnitt sich durch den Nachmittag, an ihrem Ende die Sonne. Ich hatte Anja überredet, nicht eines der Seniorencafés in der Lüneburger Heide mit Spitzendeckchen anzufahren, sondern die heimliche Lieblingstanke in Welle. Dort schlürft man den Cappu aus dem Pappbecher auf einer Holzbank am Bike. Anja kam panisch mit dem Handy an und zeige mir die Gewitterzelle. Grausam zog sie ihre Bahn auf dem Display. Uns blieben nur Minuten. Motoren an, Gas, zurück nach Norden. Am besten in die andere Luftmasse, nördlich der Elbe. Wir durchquerten Hamburg auf der A1, was als Mash-Test zumindest interessant war, In der Nähe von Ahrensburg kamen wir in einem Gewerbegebiet zum Stehen. Alles war grau, die Luft irgendwie blöd, und es war 5 Uhr. Wir fuhren desillusioniert zurück in die verständnislose Stadt, die von der ganzen Aktion nichts mitbekommen hatte, außer einem trägen Frühsommersonntag.
20 Jahre !!!
Sonntag, 19. Mai 2019
Samstag, 18. Mai 2019
ich, cruisend.
Cruisen allein, manchmal genau richtig. Erst war ich auf einer ziemlich öden Kawasaki Werbeveranstaltung in Allermöhe. Die Probefahrtwarteliste war absurd lang, aber noch viel mehr gingen mir die vielen Leute auf den Sack. Instinktiv zog es mich auf die B195. Die Vulcan glitt in perfektem Tempo durch den Tag. Vorbei an Boizenburg, Neuhaus, immer weiter die menschenleeren Elbauen entlang, ganz für mich allein. Das Fahrgefühl war allumfassend und flauschig, ein perfekter Moment, der hundert Kilometer anhielt. Eine einsame Frikadelle an der Tanke in Dömitz, dann wieder Asphalt ohne Ende. Dannenberg, abbiegen auf die B218, cruisen durch hellgrüne Alleen mit Sonne dazwischen. In Göhrde einer Eingebung nach links folgend, fand ich mich staunend auf einer schier unendlichen Waldstraße über Himbergen nach Bad Bevensen wieder. Keine Ahnung, ob die schon bekannt war, sie war jedenfalls episch und es gab keinerlei Anzeichen von Zivilisation. Ich hatte keine Lust auf die Karte zu schauen und ließ mich blind nach Westen treiben. In einer unbekannten, hügeligen Welt irgendwo ein Stück südlich von Lüneburg gab es traumhafte Straßen, Hoffentlich finde ich die je wieder. Später, nach einem langen Ritt durch die Lüneburger Heide kamen wieder bekannte Ortsnamen. In Welle stieß ich auf die B3 mit meinem letzten Tropfen Benzin. Der Rest war Standard. Hamburg war wieder voller Menschen, Autos, armen Seelen, die nicht cruisen.
Sonntag, 12. Mai 2019
Klarheit.
Sonntag war die Luft das entscheidende Grad wärmer und die Köpfe klarer. Heute fuhr Anja die Mash, mit viel Braaab!, Ich fuhr die Vulcan und war cool. Wir rollten mit Rückenwind die Deichstraße entlang und fuhren beim Zollenspieker vor. Dort parkten massenweise Harleys und die Wurstschlange war mehrere Kilometer lang. Wir holten Cappuccino und warteten, dass uns jemand auf unsere Boliden ansprach. Passierte natürlich nicht. Ab da verlief die Route so ähnlich wie gestern, nur dass diesmal alles fluffig war, es uns nichts ausmachte, dass die Straße zum Adele gesperrt war, und dass der eisige Nordwest auf der Rückfahrt mörderisch war. Der wurde zurück in Hamburg sogar noch krasser. Und trotzdem gaben wir noch kurz Gas, kurvten im laserharten Licht auf die Dradenau und guckten Schiffe, wie alle anderen auch.
Samstag, 11. Mai 2019
Charakter
Die Duc und die Mash zusammen unterwegs, das gab es noch nie, und wer weiß wie lange noch. Eiskalte Hartsonne begleitete uns durch den Maisamstag, an dem wir eine gewisse Mattheit nie ganz abschütteln konnten. Dennoch, das Fahren ging leicht von der Hand, ich fuhr die Mash, und zwar mit Genuss und meist Schmackes. Ich dachte, man könnte einen intuitiven Bogen durch die Nordheide fahren, einfach so. Leider führte ich uns auf einer eher öden Route durch Orte wir Jesteburg oder die grellen Randgebiete Buchholz', ein Stück westlich von Welle durch das ebensowenig sehenswerte Hollenstedt sowie unzählige weitere nicht nennbare Orte. Wir denken, das lag an vielleicht auch ein Stück weit der Mash, die sich charakterlich immer in den Mittelpunkt stellte, oder an dem Wolkenteppich, der gleich südlich begann. Seit der Reparatur der Duc waren Zweifel geblieben, deshalb testeten wir unterwegs den Verbrauch: 4 Liter. Mash 3. Alles normal. Trotz Thermowäsche waren wir am Ende total durchgefroeren und hatten Rücken. Mitte Mai! Die Sonne strahlte in aller Härte bis in die Nacht hinein.
Abonnieren
Kommentare (Atom)

