20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 23. Mai 2020

Männer wie uns

Nachdem ich meinen Beitrag zum Wiederaufbau geleistet hatte, fuhr ich direkt in die Oelkersallee, wo Marcus schon wartete. Ich wurde Zeuge, wie die historische G/S auf den ersten Klick ansprang. Ohne viele Worte machten wir uns auf altbekannte Wege, die in dieser Kombi trotzdem immer wieder was Besonderes sind. Hafenroute, Elbdeich bis Fliegenberg, dann über Stelle in die Nordheide. Die Enduros einfach mal laufen lassen. Für die ganz große Runde war es eigentlich zu ungemütlich, aber ich verhedderte mich in irgendeinem Dorf und führte uns wider Willen über herrliche Nebenstrecken bis zur Freien Welle in Welle. Der Cappuccinoautomat kennt mich bereits. Wir kamen über die B3 zurück, und blieben zum Schluss einfach auf der neuen Schnellstraße. Der Regenschauer vom Display, dem wir in Welle davongekommen waren, erwischte uns in der Schanze, 500 Meter vorm Ziel. Er dauerte zwei Minuten, und konnte Männern wie uns absolut nichts anhaben.

Freitag, 22. Mai 2020

Triftig

Himmelfahrt: Inzwischen brauchte man keinen triftigen Grund mehr. Wir hatten trotzdem einen, erneut in den Großraum Strukdorf zu reisen. Ohne schlechtes Gewissen nahmen wir uns für die Anreise einen ganzen Nachmittag Zeit, programmierten wieder eine Querfeldeinroute an der McPom_grenze entlang durch die abgelegenen Gebiete hinter Mölln und Ratzeburg. Hier war alles wie seit Jahrhunderten. Der Mai hatte alles mit einem ans Langweilige grenzenden, eintönigen Grünflausch überzogen, durch den die beiden 400er genügsam dahinbrummten, während sich ein erstes zaghaftes Sommerfeeling entwickelte. Wir kamen von Südosten auf Lübeck zu und durchquerten die Stadt mit den Augen von Touristen. Menschen saßen auf Picknickdecken am Fluss und genossen die Krise. In Neukoppel war Disco, nebenbei hatte ich Gelegenheit Birtes Riese & Müller Roadster zu testen. Es war erschreckend gut. Aber es kam noch besser: Abends, in Strukdorf holte ich Zigaretten aus Geschendorf - mit Götz' nagelneuer Street Twin, die ebenfalls alle Erwartungen übertraf.
Freitag ging es zurück ohne allzuviel Zeit zu verlieren. Wir kamen rechtzeitig vor der Wetterfront im Dorfmodus in Hamburg Schnelsen an und stoppten beim örtlichen Yamaha-Glaspalast. Ich bestaunte die dortige Bolt und nahm mir vor, aus triftigem Grund nochmal wieder zu kommen.

Sonntag, 17. Mai 2020

Eigentlich

Eigentlich wollte ich nur ein Stündchen rumfahren bis die Wolkendecke kam. Als ich bei der Freien Welle tankte, einen Kaffee ohne Milch schlürfte (kein Geld mehr) und die SR bewunderte, war aber die Wolkendecke immer noch nicht in Sicht. In der Folge fuhr ich ziel- und gedankenlos immer tiefer in die Lüneburger Heide hinein, ohne Karte nach Sonnenstand und Windrichtung navigierend. Ich kam auf Straßen, die ich eigentlich kennen könnte, aber eigentlich hatte ich längst die Orientierung verloren. Mit selten über 80 Sachen brummte ich einsam durch riesige, vollkommen menschenleere Gebiete, schnurgerade Waldschneisen, Birkenalleen, weite Hügel unter gehetzten Wolken. Mir war schon kühl, als endlich Amelinghausen als bekannter Wegpunkt ausgeschildert war. Ich suchte mir einen Weg über Winsen gegen den Westwind nach Harburg, dann schnell die Schnellstraße nach Hause. Die Hälfte hätte eigentlich auch gereicht, dachte ich, als ich fröstelnd mit leerem Kopf in die Garage rollte, während die Stadt im #Backtonormal T-Shirt rumlief.

Sonntag, 10. Mai 2020

Feinschmecker

Die Grenze zu Schleswig-Holstein war offen, ich hatte die Meldung sicherheitshalber als Screenshot dabei. Bedingung war ein privater Besuch, das war einfach. Zwischen Hamburg und Strukdorf bauten wir einen geschickten Umweg ins Vio ein: Erst nach Norden auf der B4, dann mit Hilfe einiger raffinierter Wegpunkte im "kürzeste Route" Modus westlich im großen Bogen um Neumüster herum zum Plöner See. Das funktionierte sehr gut, wir ließen die Maschinen im Sweetspot-Tempo durch den Hochfrühlingstag rollen, durch Gegenden, die man eigentlich grob kennt, die wir diesmal auskosteten wie ein Feinschmeckermenü. Da sich die Software um die Route kümmerte, konnten uns voll auf den Blütenrausch, leuchtende Blättertunnel und Düfte konzentrieren. Der Tag hatte sich in einen richtigen Frühsommer verwandelt. In Bosau am Strand waren wir nicht die Einzigen, aber niemand außer uns trug lange Unterhosen und Fleecepullover. Gegen Spätnachmittag setzen wir zur Etappe nach Strukdorf an. Wieder im Entdeckermodus, bei fotogenem Schräglicht, sah die Landschaft im den Warder See herum unfassbar gut aus. Wir erreichten das Anwesen minutenpünktlich.

Sonntag holte ich Brötchen mit der Mash. Dann dauerte es bis fast Mittag, dass wir wieder unterwegs waren. Auch diesmal wieder mit spitzenmäßiger Dorf-zu-Dorf Führung, praktisch Luftlinie querfeldein von Reinfeld bis kurz vor die Mecklenburgische Grenze (gesperrt). Dabei ging es erst auf vergessenen Nebenstraßen durch wuchernde Knicks, dann abseits jeglicher Zivilisation durch die Lauenburgischen Berge, wobei sogar eine Dirtroad vorkam. Über alles hatte sich eine zähe, milchige Schwüle gelegt. Zum Schluss suchten wir uns noch eine uneinsehbare Stelle hinterm Deich und dämmerten eine Weile, als wäre es ein heißer Augustabend unter normalen Bedingungen.