20 Jahre !!!

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Sonntag, 27. Mai 2012

Berlyn is so cool


Die Mother Road. 2 Vanvans quälten sich die endlos ergrünende Allee entlang Richtung Osten, gegen den Wind. Am Anfang war irritierende Frische, doch mit jedem Tankstopp kamen wir dem Sommer ein Stück näher. Als wir im weit abgelegenen Wildberg Thomas trafen, um konspirativ Schlüssel auszutauschen, hatten wir schon die Handschuhe und den Pulli verstaut. Berlin empfing uns mit triefender Spätnachmittagshitze und reichlich zu spät. Wir mussten uns im Klo der Tanke umziehen und direkt bei der Deutschen Oper vorfahren, die bequemerweise direkt an der Strecke lag. Lohengrin sang den ganzen Abend gegen die Straße im Kopf an. Die folgende Nachtfahrt durch die glühende Stadt war herrlich. Wir durchglitten niedrigtourig das brodelnde Kreuzberg, bahnten uns den Weg durch Kolonnen von Radfahrern (Leihräder) und parkten in der Liebaustraße, wo wir erst mal einzogen. Den Schlüssel hatten wir ja.

Am Sonntag:
Achtundzwanzig Grad. Angeführt von Imkes nagelneuen  50er Kymco waren wir unterwegs uns auf einer touristisch einwandfreien Stadtrundfahrt. Christian hatte die blaue Vanvan bekommen, Anja und ich fuhren auf der orangen. Wahrzeichen und Landmarken tauchten auf und zogen vorbei wie im Werbevideo. An millionen ausgestreckten Armen klickten Digitalkameras. Zum Abschluss, und gewissermaßen als Kompensation, tasteten Anja und ich uns noch bis weit nach Rudow vor und genossen die raue Wucht der Satellitenstädte. Abends saßen wir mit Tom und Tine am Balkon und beobachteten das Treiben am Schlesi. In einem nie versiegenden Strom vom Warschauer Bahnhof ergossen sich Leiber in die heißen Straßen. Alle waren zwanzig, nahmen willig die Friedrichshainer Unverbindlichkeit an, alle trugen eine Bierflasche aus dem Späti, alle waren gleich. 



Den Brückenmontag verbrachten wir im Kadewe, bzw. bei Kaufhof, bzw. Turberg. Leider ist der alte Westen nicht sehr cool, weswegen wir die sehr lässige Rückfahrt nach Friedrichshain sehr genossen. Sogar einen Liter Milch beim Kaiser's zu kaufen ist dort cool.

Dienstag: Das unverbindliche Partyvolk lag noch in Sauer, Autonome bereiteten ihren großen Auftritt vor, Läden verbarrikadierten sich. Wir waren schon auf dem Weg. Mit Rückenwind segelten wir die B5 entlang. In Friesack bogen wir ab, kamen durch grellgrüne Blättertunnel, rollten vertäumt durch die weitläufige Dörfer und die Einsamkeit der Prärie in den Havelauen. In Bad Wilsnack gibt es eine überdimensionierte Kirche, die wir schnell noch abfrühstückten, bevor die Straße das vertraute Bild entlang des Elbtalsands mit nach Sommer duftenden Kiefernwäldern und Backsteindörfern wie aus dem Museum annahm. Der klassische Rückweg über die nördliche Elbuferstraße begann. Gerade als es richtig gemütlich wurde, donnerte einer der üblichen Tiefflieger vor meinen Augen voll gegen einen Baum. Er stand schadlos wieder, aber wir waren von da an noch langsamer als ohnehin schon unterwegs. Später kroch mit jedem Meter zunehmend Kälte in die Jacke. Als wir im idyllischen Hamburg ankamen, konnten wir die Ruhe kaum glauben. Vom Sommer blieben hauptsächlich Erinnerungen.


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