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Sonntag, 12. August 2012

Westerhever oder die ganze Welt

Dass die Nacht lang war, lag an Anjas Geburtstag, aber vor allem an der hitzigen Diskussion, ob man zu zweit auf einer Vanvan nach Westerhever fahren könne, und wenn ja, wie viele Tage man bräuchte. Aber Anjas Fuß war soweit fertig um zumindest hinten mitzufahren, die BMW kaputt und die Vanvan das einzig Zweisitze. Mit 80 Sachen rollten wir die B4 entlang, mit Vollgas. Von Bad Bramstedt aus töffelten wir dann über kleinere Landsträßchen durch monotones Sommergrün. Unter Schönwetterwolken pfiff der Frischwind in die Jederjacke, aber was machte das schon. Entscheidend war, dass wir unterwegs waren, zu zweit und ohne Regen. Wir setzten bei Breiholz über den Kanal, breiteten am Ufer eine Decke aus und schliefen augenblicklich ein. Die Gegend nördlich von Tellingstedt ist weitgehend unbekannt. Bergige Geestrücken sowie Marschflächen, die von Flüssen und Kanälen durchzogen sind. Dazwischen liegen die typischen grauen und leblosen Einheitsdörfer, die man teilnahmslos durchrollt. Auf Eiderstedt merkt man schnell, dass das Ende der Welt naht, wenn man durch die enger werdenden Buschtunnel fährt. Zum Schluss ist nur noch der Leuchtturm ausgeschildert. Hinterm Deich, am Windrad im Nichts, erwarteten uns schon die Leitermänner. Die Dunkelheit wurde so kalt, dass wir den gesamten Holzvorrat verheizten, was nicht annähernd reichte, den Garten in eine laue Nacht zu verwandeln. Wir behalfen uns mit Merlot, während Sternscnnuppen gleißende Bahnen durch den Himmel zogen.
Den Rückweg starteten wir mit großen Plänen, aßen Eis in Husum und hatten gerade wieder interessante Strecken im Hinterland in Angriff genommen, als die Vanvan stotterte und ich auf Reserve schaltete. OMG, wo soll hier eine Tankstelle sein! Im Spartempo erreichten wir auf dem letzten Tropfen wieder Friedrichstadt. Dort gab es Benzin, dass ich genussvoll einfüllte, sowie dIsneylandartig angelegte Grachten, auf denen sich gutgelaunte Tretboote stauen. Wir nahmen letztlich die Strecke von gestern über Kleve, Glüsing und Schalkholz. Diesmal durchfuhren wir auch Albersdorf, auch dies matt und traurig. Wir endeten irgendwo in der Nähe von Itzehoe. Die langen Stücke waren unter Wolken quälend zäh, schien aber die Sonne, könnte ich um die ganze Welt fahren, auch mit 70 Km/h gegen den kalten Ostwind. Es kam eine letzte lange einsame Nebenstraße durch den Wald, dann hatten wir wieder die B4 unter uns, ein respektabler Highway, segelte man auf einem Chopper. In Hamburg war all dies nur ein gemütlicher Sonntagnachmitag im August, wie wir feststellten, als wir die Vanvan im Hinterhof abstellten wie nach einer langen, erfüllenden Reise.

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