Am Anfang war alles viel kälter als gedacht. Auf der Autobahn nach Geesthacht kamen erst die Hände und dann die Füße an den Rand des Komfortbereichs. Wir kurvten weiter auf der B 195 nach Zarrentin und brauchten verfrüht Kaffee, obwohl wir eigentlich bis Janny's Eis in Grevesmühlen durchmachen wollten. Die Landstraße durch die Wildnis hinterm Schaalsee über Lassahn war holperig wie eh und je, was Anja erstmalig spürte und ihre Honda zunächst schräg anguckte. Ich donnerte mit dem orangenen Chopper darüber und war entzückt, dass endlich mal nichts mehr durchschlug. Da der Tütencappuccino am Schaalsee so süß gewesen war, konnten wir in Grevesmühlen nach all der Plackerei noch nicht mal ein Eis essen. Dafür kam endlich die Mittagshitze, typischerweise als wir zu Fuß auf der Suche nach einer Haspa durch die Innenstadt stapften. Über Bobitz kämpften wir uns dann durch sehr kleine romantische Hohlwege, Schlösser, wuchernde Auen und Vorkriegsalleen am oberen Zipfel des Schweriner Sees entlang. Hier war niemand außer uns. Der Nachmittag flirrte, erste Blätter fielen. Aus Versehen landeten wir auf der unschlagbaren Straße über Kaarz und Jülchendorf. Das üble Katzenkopfpflaster mussten die Maschinen halt einstecken. Auch der weitere Verlauf war im Grunde eher was für Vanvans (oder GS'e, worauf Anja bestand), was uns aber mit jedem Kilometer durch den heißen Spätnachmittag egaler wurde. In Dümmer tranken wir nochmals Kaffee inmitten Einheimischer, serviert von der pampigsten Bedienung der DDR. Es kam noch die lange rauschende Gerade durch den Wald nach Büchen und die schläfrige Deichstraße im scharfen Gegenlicht. Zum Schluss waren es gut 400 Kilometer, und es tat tatsächlich nicht mehr weh.
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