Der Sonntag drohte zu enden, aber die Erwartungen an ihn waren höchstens teilweise erfüllt. Zuerst war es wolkig, mit einem scharfen Wind aus Südwest. Einen Latte in Wedel, mehr wollten wir nicht. Leider war überall Stadtfest, und ansonsten verkaufsoffener Sonntag - dumpfe Autokolonnen überall. Vielleicht hörte das in den Elbmarschen auf. Hinter Uetersen türmten sich aber schwarze Wolken und so weiter und so fort, irgendwas war immer. Wir fanden uns ganz woanders wieder: Entenwerder. Dort sieht es aus wir in Opas Gartenbude, es gibt nur eine Sorte Kuchen und Filterkaffee. Später waren wir auf dem Balkon und bruten Burger. Jetzt wäre normalerweise der Tatort gekommen. Ich täuschte jedoch vor, nach Hause zu fahren, bog heimlich ab und atmete tief die frische Abendluft auf der B4 ein. Über den Knicks versank die Sonne, dazwischen zog mich schnurgerade die Straße in die Dämmerung. Von Quickborn die Querverbindung nach Norderstedt. Die endlose Ulzbuger Straße mit gleichmäßigem Tempo zurück, die banalste Neonreklame wurde cool, im Rückspiegel verglühte das Universum.
20 Jahre !!!
Sonntag, 16. Juni 2013
Sonntag, 9. Juni 2013
Altmärkischer großer Bogen
In einem groß angelegten Bogen durch die Sonne cruisen, bis zum Harz. Das wäre was, um die in Schieflage geratene Work-Bike-Balance zu richten. Samstag, gleich nach dem Frühstück lag die Welt offen vor uns. Die B3, endlos, und auf angenehme Weise reizarm, ging durch den Vormittag. Hinter den Wäldern war Heide, oben helles Blau. Auf der Straße außer uns: niemand. In Soltau bogen wir ab, Richtung Osten. Da kamen militärische Spielplätze und mittendrin ein Ort namens Munster. Eine Themenstadt für Olivgrün und Kanonen. Das war gleich vergessen, als wir uns wieder auf dem Highway und ganz in uns selbst befanden. Gleichmäßig, ohne jeden Störeinfluss glitten wir mit der einmal eingestellten Lieblingsgeschwindigkeit dahin. Als Anja sich nach der Altmark erkundigte, wuchs auch gleich die erste der wuchtigen Klotzkirchen aus dem Horizont. Wittingen, Brome, lichte Dörfer zogen vorbei, menschenleer, staubfrei und trotz Sonnenschein frappierend farblos. Überraschend: Die Hügel der Altmärkischen Schweiz, wer hätte das gedacht. Doch meistens, viele Kilometer am Stück, nichts, einfach nur das entspannt in der Landschaft liegende Asphaltband und der Fahrtwind, als wäre man sonstwo. Haldensleben tauchte matt am Horizont auf und verschwand. Wir verließen die Hauptstraße und suchten uns Wege durch Dickicht, über Berg und Tal, Hohlwege und Sackgassen. Dann die Türme von Halberstadt, flirrend im heißen Gegenlicht. Am Markt, 2 Kugeln Schoko, dazu Cappuccino. Da waren es bis Wernigerode nur noch ein paar Meilen. Wir parkten einfach auf dem Gehweg vor dem Hotel Altora. Gegenüber schwitzten und rauchten Damplokomotiven. Das taten wir auch, aber wir hatten ein Bier dazu.
Sonntag: Der Morgendunst hatte sich noch nicht zersetzt, da waren wir schon unterwegs auf den Harzmountains National Park. Es war sehr angenehm, Vieles schon zu kennen und ganz lässig links liegen lassen zu können. Am Spackentunnel hielt es uns nur ein Nogger lang, aber die B242 über die Hochebene war traumhaft. Es ging noch eine ganze Zeit so weiter, dann ließen wir die Berge hinter uns, vor allem aber die Anja zunehmend belastende, kleinteilige typisch Harzer Hutzeligkeit. Quedlinburg dagegen: Weltoffen, international, cool. Als mir die Zigaretten ausgingen, gab mir der Kellner eine aus, obwohl er nicht mal rauchte. Es folgten wieder viele Stunden durch grüne Schneisen, die wundersam dufteten, auf einen Punkt am Horizont zu, der, je erreicht, ins nächste Bild springt, diesmal vielleicht am Ende eine weiten Prärie. Wir fuhren so unentwegt nach Norden, bis wir fassungslos im Katastrophengebiet an der überlaufenden Elbe standen. Angesichts kilometerlanger Kolonnen der Rettungs- und Bergungsfahrzeuge wurde uns Angst und Bange und all unsere Glückseligkeit wirkte abstrus. Mit einer Pizza in Lüneburger Backsteingemütlichkeit versuchten wir uns abzulenken. Dann bretterten wir heim, auf der Autobahn, der Sonne direkt entgegen. Sie ging erst unter, als wir erschöpft in die Garage rollten.
Sonntag, 2. Juni 2013
Das Meer
In Reinfeld trennten uns unsere Wege. Anja fuhr pflichtbewusst zum Familientreff aufs Anwesen, ich hatte andere Prioritäten und ließ die Orange weiter rollen. Schleswig Holstein hatte ich fast vergessen über die Zeit. Die Strecke über Ahrensbök, Eutin, Lensahn ist erste Sahne, zumal in der wuchernden Üppigkeit dieses späten Frühlings. Die Straße lag lasziv auf der kuppigen Topografie, Sonne flirrte durch die Kronen, darunter ich genoss die Kurven.
Links am Horizont schob sich eine winzige Gewitterzelle über Strukdorf und vermasselte das dortigen Kaffeegedeck. Ich erreichte währenddessen das Meer bei Weißenhaus. Es roch nach Meer, vertraut und weit. Da konnte auch die doch recht kleingeistige Stimmung am Strandcafé nichts ändern. Als ich in Strukdorf dazu stieß, war es spät geworden, doch da nichts als Verständnis, eine Spur Neid hier und da, vielleicht.
Sonntag fuhren wir wieder zusammen. In Ratzeburg saßen wir am Markt, wo es nicht mal ordentlichen Cappuccino gibt. Dann ging es kreuz und quer durchs Lauenburgische, wie damals, im Sommer. Der Sachsenwald duftete wie Badewasser, dann kam der Elbdeich mit frischem Westwind. Auf ihrer Landzunge in der Wildnis empfingen uns die Sveisis. Die Stelle haben wir im GPS markiert und werden sie wieder finden, wenn's drauf ankommt.
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