20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 26. Juni 2016

Freie Bahn

Irgendwann war alles vorbei: die drückende Schwüle, die zermürbenden Regenwellen, die endlose Harleyparade. Übrig blieb ein frischer Sonntagnachmittag und ungenutzte Bundesstraßen im Süden. Die Gedanken hatten freie Bahn auf der B3. Sie zog gleichmütig unter unseren Reifen dahin, oben rauschte der Wald, durch schwere Wolken blitze die Sommersonne. Am Ende der betörend eintönigen Etappe liegt Soltau. Dort kann man direkt vorm Café ausrollen und sich was bestellen. Anja schaute aufs Regenradar und wurde blass. Den großen Bogen ließen wir schleunigst bleiben und nahmen dieselbe Strecke zurück. Das ging so flüssig und schnell, dass wir einer übermütigen Laune folgend einfach mal beim Public Viewing vorfuhren und zumindest noch 2 der 3 Tore sahen. Danach war immer noch Abend. Eine kleine Runde durch die Stadt noch und langsam wunderten wir uns, wie viel in so einen Sommernachmittag rein passt.
 

Mittwoch, 22. Juni 2016

Mittig

Mein offizieller Lieblingstag im Jahr ist Mittsommer. Da braucht man keinen Weihnachtsbaum aufzustellen, sondern holt Abends noch mal die Maschinen raus und genießt das lange Licht auf leeren Straßen. Die Kellnerin im Arizona brauchte ewig, aber das machte nichts. Auf dem schwungvollen Weg über Quickborn, Rellingen  Pinneberg schien die Sonne noch taghell auf das ruhende Land. Wie fuhren durch die berühmte Baumschulenregion nach Wedel, dann auf der Elbchaussee in die beginnende Dämmerung, so dass die gelbe Hafenbeleuchtung wirkte wie ein übertriebener Photoshop Funkelfilter. Ein, zwei Zigaretten lang absorbierten wir in Teufelsbrück die Stimmung des Moments. Dann blubberten wir langsam durch die warmen Straßen der Stadt, achtsam auf Radfahrer ohne Licht, und hoffend auf noch eine Handvoll Abende wie diesem.
 

Samstag, 18. Juni 2016

Unaufgeregt in Plön

Bike Days Plön, normalerweise würde man dort nie hin fahren. Aber der Weg ist schön, das Wetter auch, also warum nicht. Wir kamen über die B4 aus der Stadt raus und ließen die Honda und die Bonnie zufrieden dahinrollen. Bad Segeberg, Zwischenstopp in Strukdorf, irgendwas abliefern. Hinter Ahrensbök gibt es eine Diagonale nach Plön. Das war tatsächlich eine dufte Straße, die wir echt nicht kannten. Sie verläuft romantisch durch wild wuchernde Hügel und verpennte Wohlstandsdörfer. Etwas unwillig rollten wir in Plön-Zentrum ein und mussten erstmal einen Kaffee trinken. Das Bikerspektakel war in einer Runde abgehakt und waren froh, dass die Band gerade Pause machte. Zu spät durften wir nicht zu Hause sein. Die Strecke über Segeberg nach Norderstedt war nie besonders aufregend, aber an unaufgeregten Tagen wie diesem war sie genau richtig.

Samstag, 11. Juni 2016

Gastfreundschaft

Besuch zu bekommen ist eine Ehre, und ein Gästemotorrad vorzuhalten, das wird heute einfach erwartet. Zum Glück befindet sich ja die Bonnie derzeit in Hamburg, so dass wir ohne peinliche Ausreden Thomas mit auf Tour nehmen konnten. Mit Gästen kann man überall hinfahren, es ist immer gut. Trotzdem gab ich mir Mühe. Ich improvisierte eine Fahrt über Lauenburg, Boizenburg, Zarrentin, was gut ankam und ein Eis einbrachte. Und das, obwohl ich den Trupp unterwegs auf einem DDR-Waldweg ins Dead-End geführt hatte. Der Tag war sonnig und warm, die Bonnie kitzelte Thomas`Gashand und stand ihm ausgezeichnet. Wir fuhren auf kleinen Holperwegen hinunter bis an die Elbe, die ist immer beeindruckend für Besucher. Überfahrt mit Fähre nach Bleckede, gemütlich über die Dörfer zurück nach Lauenburg. Elbdeich nach Hamburg. Alles normal, aber schon schön, dafür braucht man manchmal die Augen eines Gastes.
 

Sonntag, 5. Juni 2016

Welch ein Leben.

Noch ein Tag, noch mehr Sommer, welch ein Leben. Warum nicht gleich nochmal ans Meer. und warum nicht die Mopeds durchtauschen, so dass ich die Bonnie fuhr und Anja wieder Honda. Ein schöner Bogen nach McPom findet sich leicht, z.B. über Lauenburg, Boizenburg  nach Zarrentin, und von da auf der alten Grenzstraße über Seedorf durch überbordendes Grün nach Ratzeburg. Dort nicht aufhalten, gleich ganz allein auf der langen geraden Piste durch den flirrenden Nachmittag nach Schönberg. Was ich nicht auf dem Zettel hatte, war, dass die dortige Eisdiele seit geraumer Zeit eine unattraktive Pizzabude ist. Blieb nur die Flucht nach Grevesmühlen zu Janny's Eis, das hat wenigstens Bestand. Auf urigen Alleen kann man gemütlich um den Klützer Winkel herum fahren. Hinter dem Knick wissen wir, ist das Meer. Und in Wankenhagen entdeckten wir einen Pfad, der 'Strandweg' heißt. Hinter einem Dschungel lag tatsächlich die Ostsee, und wir gleich daneben. Ein paar Ossis liefen nackt herum und badeten im Eiswasser. So einen Tag genießt man bis zum Schluss. Wir nahmen eine ausgedehnte Rückfahrt über Mölln, Nusse, Sandesnneben. Die Bonnie rauschte mit einer süchtig machenden Geschmeidigkeit durch die Hohlwege. Bei Hamburg drohte ein finsterer Amboss. Mit angelegten Ohren erreichten wir die rettende Tiefgarage in der Stadt, die all das nie zu sehen bekommt.
 

Samstag, 4. Juni 2016

Faktor 15

Ein seltsames Jahrhunderttief riss das Land in den Abgrund, außer den Norden. Hier brach stattdessen ein Wochenende an, heiß wie Arizona, mit Tagen, die endlos sind. Es war okay, erst am frühen Nachmittag unterwegs zu sein, ans Meer. Über Kayhude nach Oldesloe, dann erstmalig in diesem Jahr, das sich immer noch neu anfühlt, die Route über Ahrensbök, Eutin, Schönwalde. Dabei fuhr Anja die Bonnie, als Experiment. Sie stand ihr gut, und beim Beschleunigen verlor ich oft den Anschluss. Ostholstein lag glühend und buschig in der brennenden Sonne, zufriedenes Gleiten durch wuchernde Alleen und dunkle Dschungel. Von der Fehmarnsundbrücke aus konnte man am Horizont gigantische Ambosse quellen sehen. Sie waren lt. Radar 100 Kilometer weit weg, hoffentlich blieb das so. Der Strand in Wenkendorf war ganz nah und ist und bleibt unser heimlicher Lieblingsort für ein paar Stündchen rumliegen mit Sonnenschutzfaktor 15. Der Abend war immer noch ein warmer Wind, nur das Licht war weich und gelb, und die Felder schimmerten wie Seide. Wir planten die Rückfahrt so, das wir ganz zufällig hungrig und gerade noch rechtzeitig am Hähncheneck in Bad Schwartau vorbeikamen. Auf der B75 fuhren wir in die Dämmerung. Sie zieht sich bis in die Nacht hinein um diese Zeit, und dafür lieben wir sie.