20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Freitag, 30. März 2018

Day One

Einen Tag vor Ostern stand die Vulcan S angemeldet in der Garage, ich hatte frei, war allein, und es schneite. Dann, am Karfreitag, schien die Sonne halogenartig aus klarem, eisigem Himmel. Der Tag 1 begann. Angezogen wie eine Zwiebel rollte ich erstmalig mit dem Sportcruiser durch die Schanze. Das war cool, und ich erkannte sie wieder, aber vieles war anders als die Fahrten auf Fuerteventura. Hafencity, Freihafen, Waltershof. Bloß nicht aus der Stadt raus, denn der Wind kam aus Nordost und war tödlich. Die Rukkasachen funktionierten bestens und ich fuhr durch verlassene Kaianlagen zu Stellen, wo man sonst nie hinkommt. Wilhelmsburg. Zwischendurch kurz angasen. Veddel. Noch so viel Tag übrig. Ich kämpfte mich durch Rothenburgsort und nahm die Deichstraße, tapfer im Gegenwind. Im letzten Moment bemerkte ich die Benzinanzeige, die panisch blinkte. Die Tanke erreichte ich im Schleichgang, nervlich am Boden. Am Zollenspieker war es zu meiner Verblüffung proppevoll. Der Cappuccino gefror in der Tasse, die Biker trugen Goretex, die Fußgänger bibberten, dazu Sonne wie am Nordpol. Trotzdem, ein Stück echtes Leben war spürbar. Ich schaffte es, ohne durchzukühlen nach Hause zu kommen. Hinterher grämte ich mich, eine halbe Stunde länger wäre doch noch drin gewesen.

Sonntag, 25. März 2018

Andere Ecken

Es gibt wärmere Ecken, San Francisco zum Beispiel, oder Muscat, wo sich Anja gerade befand. In der verlassenen Garage fand ich eine, meine!, neuwertige, dunkelweiße Vulcan S. Ich konnte sie bestaunen, anfassen aber nicht starten, denn ich hatte weder den Schlüssel noch ein Nummernschild. Was blieb, war Anjas 62, das ließ ich mir nicht entgehen. Der Tag war okay, man könnte fast sagen mild. Ich fuhr über Harburg aus der Stadt raus und genoss in vollen Zügen die Frische, die grauen Landstraßen und die Leere, in der die Gedanken den Raum hatten, den sie brauchten. Irgendwo nördlich der Nordheide hängte ich mich ein Bikerpäärchen ran, um mal andere Strecken zu sehen. Es dauerte nicht lange und sie hatten mich abgehängt. In der Folge verirrte ich mich im  Bermudadreieck Jesteburg, Dierkshausen sowie tausend leeren Wohndörfern. Was mild und vogelzwitschernd begonnen hatte, war oberhalb von 80 Km/h zu ungemütlicher Kriechkälte geworden und ich zählte die Kilometer bis endlich das rettende Harburg in Sicht kam. In der Stadt ließ ich mir nichts anmerken, aber ohne die heiße Badewanne am Schluss würde ich immer noch bibbern.


Sonntag, 11. März 2018

Unendliche Möglichkeiten

Anfangs wusste Anja gar nicht so recht wie sie die Sixty-Two aus der Garage rauskriegen sollte, so lange war das her. Das ging dann aber wie von selbst und wir fuhren staunend durch einen feuchtwarmer Schwall, erstmal in Richtung Dampfstrahler. Wir ölten noch die Ketten, füllten die Tanks und dann waren wir draußen, auf der Landstraße, unter freiem Himmel in kaum vorstellbarer Frühlingsluft. Es gab ein Ziel in der nähe von Zeven, eine unbekannte Gegend, auf keinem Radar. Die Landschaft war kahl und hell und friedlich, und es war traumhaft durch den frühen Nachmittag zu segeln. Auch wenn wir an jeder Ecke anhalten mussten um auf die Karte zu gucken, auch der Nieselschauer, der die Bikes wieder einsaute, nichts konnte die schöne, leichte Stimmung trüben. In einem Dorf waren wir mit Detlev K. aus T. verabredet (Name von der Red. geändert). Er stellte Kaffee, Kuchen und einen Geldkoffer auf den Tisch. Als Gegenleistung wollte der die Bonnie dabehalten. Ich aß auf und sagte ja. Das war letztlich doch überraschend schmerzlos.
Dicht gedrängt fuhren wir auf Anjas Duc durch die Freiheit. Nach Hause waren es 80 Kilometer, und danach lagen unendliche Möglichkeiten.

Donnerstag, 1. März 2018

Vulcaninsel, 20°

In den Medien war von einer sogen. Russenpeitsche die Rede, die Mitteleuropa in Sekunden schockgefrieren ließ. Halb so wild, denn an Bord einer  Boeing 757 ließen wir den Frost, genau wie alles andere auch, lässig hinter uns. Vor uns lag eine Woche auf Fuerteventura, in Puerto Rosario, fernab vom Massentourismus, inmitten Spanischer Normalität, roh, tiefergelegt und immer um die 20 Grad warm. Die Tage verbrachten wir ausgiebig mit einem sehr gut gehenden Vulcan S Sportcruiser in den Weiten der Wüsteninsel. An der Westküste brandete haushoch der Atlantik, im Inland zogen wir über lange staubige Highways durchs Geröll. Die Bergstrecke ist auch beim fünften Mal atemberaubend. Generell sind alle Straßen vom Feinsten und es ist nirgends Verkehr. Wir fuhren im Sandsturm ums Nordkap, kannten irgendwann jede Kringelstraße zu in Felsen liegenden Stränden und sahen den Süden, wo die Deutschen zwischen Strand und Supermarkt dahinvegetieren. Als wir die Vulcan abgaben, war das okay, aber die Boeing betraten wir diesmal nur widerwillig.