Es gibt wärmere Ecken, San Francisco zum Beispiel, oder Muscat, wo sich Anja gerade befand. In der verlassenen Garage fand ich eine, meine!, neuwertige, dunkelweiße Vulcan S. Ich konnte sie bestaunen, anfassen aber nicht starten, denn ich hatte weder den Schlüssel noch ein Nummernschild. Was blieb, war Anjas 62, das ließ ich mir nicht entgehen. Der Tag war okay, man könnte fast sagen mild. Ich fuhr über Harburg aus der Stadt raus und genoss in vollen Zügen die Frische, die grauen Landstraßen und die Leere, in der die Gedanken den Raum hatten, den sie brauchten. Irgendwo nördlich der Nordheide hängte ich mich ein Bikerpäärchen ran, um mal andere Strecken zu sehen. Es dauerte nicht lange und sie hatten mich abgehängt. In der Folge verirrte ich mich im Bermudadreieck Jesteburg, Dierkshausen sowie tausend leeren Wohndörfern. Was mild und vogelzwitschernd begonnen hatte, war oberhalb von 80 Km/h zu ungemütlicher Kriechkälte geworden und ich zählte die Kilometer bis endlich das rettende Harburg in Sicht kam. In der Stadt ließ ich mir nichts anmerken, aber ohne die heiße Badewanne am Schluss würde ich immer noch bibbern.

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