20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 28. August 2022

Das war gestern.

Cruisen ist geil, dachte ich als die Bolt und die Rebel durch Eppendorf bullerten. Wir hatten eine ordentlich lange Strecke vor uns: 150 Kilometer nach Fehmarn, zu unseren Brüdern, total cool! Weil das so weit war, nahmen wir mal die extrablöde Strecke auf Bundesstraßen nach Segeberg, Ahrensbök, Neustadt. Das ging zwar einigermaßen flüssig, aber als Teil einer deprimierenden Autokolonne, die sich dösig durch monotone Buschtunnel an die See quält. Über den Sund wehte es stramm, kurz danach erreichten wir Burg. Als wir das sahen, fiel es uns wieder ein: Das sind gar nicht unsere Brüder, sondern unattraktive alte Männer von gestern, ohne Stil und Schalldämpfer. Wir bestellten einen Eiskaffee und hofften, nicht in diesen Topf geschmissen zu werden. Das war aber längst geschehen. Richtig befreiend war dann die Rückfahrt über die altbekannte, unschlagbare Route über Lensahn und Eutin, jetzt sogar mit Rückenwind. Die Cruiser cruisten ungestört über weites, gelbes Land. Ich baute bei Schwartau noch eine Expedition am Pariner Berg ein, und einen Stopp am Hähnchen-Eck. Die B75 nach Hamburg lag kühl unter einer farblosen Decke. Der Fahrtwind löschte, was nicht mehr benötigt wurde.



Samstag, 27. August 2022

Ein anderer Sommer

Samstag Nachmittag hatte der Wind Reste eines Regenbands nach Osten verschoben, übrig blieb ein ganz anderer Sommertag als sonst: Jacke, Pullover, Halstuch. Anja führte uns auf einer Tour in den Nordwesten, durch einen kristallklaren Raum zwischen Bad Bramstedt und Aukrug. Aus der SR-Perspektive wirkte sie respekteinflößend und cool, und wenn wir irgendwo standen, hörte ich den wummernden Bass der Rebel und die SR überhaupt nicht. Die Strecken waren langsam und gut für mich, ich folgte orientierungslos und freute mich jedes Mal, wenn es in irgendeinem Dorf auf einen verdächtig privat aussehenden Weg in die Feldmark ging. Aber Anja hatte ihr Beeline fest im Blick, früher oder später kamen immer wieder Ausläufer von Zivilisation. Der Scheitelpunkt der Tour muss irgendwo hinter Nortorf gewesen sein, dann ging es genauso verloren Richtung Süden. Manchmal sah man auf Wegweisern vertraute Ziele, und doch ging es wieder querfeldein ins Unbekannte. Zum Schluss fuhren wir über Schenefeld auf der Vierspurigen zurück in die Stadt. Das war meine Idee, denn ich fuhr die SR und wollte jetzt endlich mal Publikum.



Sonntag, 21. August 2022

Single

Eurocity 379, einfache Fahrt nach Berlin-Spandau. Ich war sehr aufgeregt. Weiterfahrt per Emmy, zu einer Villa im Westend. Dort stand meine zweite, neue SR (frag nicht warum). Sie sah live noch besser aus als auf den Bildern, glänzend und zart. Ich montierte mein Nummernschild, kickte sie an und verabschiedete mich freundlichst. Auf den nächsten Kilometern hatte ich ein dämliches Grinsen im Gesicht, gut, dass mich keiner kannte. Den Nachmittag verbrachte ich auf kuratierten Teststrecken im Ostteil der Stadt, durch die Thomas mich auf seiner Himalayan leitete: Holprige Ausfallstraßen durch graue Vorstädte, Dorfstraßen im Speckgürtel, Gravel und Autobahn. Zum Schluss kam noch eine inspirierende Regenfahrt durch Kreuzberg dazu. Ich nahm alles nur durch eine liebliche Verklärungshalo wahr, die die SR umgibt.

Sonntag um 9:30 parkte ich sie dekorativ vorm Übereck. Thomas kam als Fußgänger dazu und wir bestellten Rührei. Die Portion musste für einen langen, einsamen Tag mit der SR reichen. Meine Route führte abseits aller Hauptstraßen durchs Havelland an die Elbe. Fahrland, Ketzin, Luch, und ein Abstecher nach Kotzen (nur wegen des Ortsschilds). Die Straßen waren leer und perfekt für den Sweetspot bei knapp unter 80 Km/h. Ich brauchte nie auf die Uhr gucken, höchstens mal aufs Beeline, wo es als nächstes in den Wald geht oder durch die Prärie. SR bedeutet Single Road. Genau. Bei Havelberg kam ich auf die B195, vertraut kleinteilig führte sie einsam durch die Elbauen im Spätnachmittagsflirrlicht. Noch einmal tanken irgendwo, ein überdimensionales Stück Pflaumentorte in Dömitz, dann das letzte Ende in Richtung Zivilisation. Die 350 Kilometer spürend, aber nicht kaputt, rollte ich die Deichstraße mit genüsslichen 60 Sachen entlang in die hysterische Stadt. Die Verklärung war noch da, wahrscheinlich auch das dämliche Grinsen, das war jetzt egal.



Sonntag, 14. August 2022

Nochmal Meer

Sonntag waren alle weg und alles hing durch. Kurz bevor mir die Decke auf den Kopf fiel, verabschiedete ich mich in Richtung Garage. Ich schmiss die Strandsachen ins Schreckliche Topcase der weißen Honda und donnerte mit Vollgas die Autobahn entlang, bis Talkau. Dort reihte ich mich in die Autokolonne ein, es ging gerade nicht um Romantik, sondern ich wollte nochmal schnell ans Meer. Allein, das störte mich nicht. Auch die vielen Menschen am Strand nicht, die waren unsichtbar. Zwei Badegänge, trocknen, packen, los. Ich ließ mir Zeit für die Rücktour, erkunde seltene Teile von Lübeck, nahm die Dorfstraße durch gelbe Stoppelfelder und trocknes Grün, über Krummesse, Bliesdorf, Kastorf, Schönberg. Die Sonne schien durch Milchwolken und die Luft war ein warmer, großer Wattebausch. Alles war sachte, locker, easy, niedrigschwellig-harmonisches Schwingen, freie Bahn. Die Stadt schien Stress zu wollen als ich kam, aber ich machte nicht mit.





Samstag, 13. August 2022

Das Salz auf unserer Haut

Die Berliner waren auf Deutschlandtour und machten Halt bei uns in Hamburg. Die Hitzewelle konnten wir nicht entschuldigen, aber ich bot einen Workaround an. Sie bekamen die Gästehonda und ich führte uns zum einzigen kühlen Ort der Republik: Brook. Sehr entspannt rollte unser Trupp auf flirrend heißen Landstraßen durch abgemähtes Land nach Mölln, hinten herum nach Ratzeburg, von da auf der langen Geraden über Schönberg und Dassow nach Brook. Strecken, die wir seit 20 Jahren auswendig fahren, und die bei den Freunden auf der Honda bestens ankamen. Am Meer blies wie versprochen frischer Ostwind, Anja blieb an Land und behielt den Pullover an. Auf der Rückfahrt, nur ein paar Kilometer im Landesinneren, war sofort die Bruthitze wieder da. Ein aus alten Zeiten vertrautes Gefühl von Salz und Sand und Sonnenmilch in Abendsonne und Fahrtwind, Essenz des Sommers. Wir machten noch mehrere Eispausen und kamen über eine hässliche, aber gut flutschende Route durch Glinde und Oststeinbek zurück. Abseits der Automenschen, abseits von fast allem, glitten wir müde in die glühende Stadt.



Perseiden

Alkoholfrei trinken, grillen, warten bis es dunkel wurde. Die Nacht war heiß, in der Schanze füllten sich die Clubs und wir rollten auf der CB durch das Neon des Elbtunnels. Das Fahren auf der Autobahn war verwirrend und ich war froh, in der Nähe von Buchholz auf eine dunkle Landstraße zu wechseln. Ängstlich steuerte ich die Honda durch die Nacht. Der LED-Strahl bohrte sich einsam durch dunkle Waldstücke, über den Feldern stand blendend der Supermond. Das sah super aus, wurde aber zum Problem. Denn wir sind extra hier rausgefahren, um Perseidenschnuppen zu beobachten. Ausbeute: Eine Kleine hier, eine da, und immerhin ein fetter Meteorit. Mehr nicht. Wir froren, hatten Genickstarre und wollten einen Absacker und ins Bett. Die Rückfahrt über die B75 war lang und flog irreal vorbei. In der Stadt waren alle noch wach aber die Perseiden waren ihnen schnuppe.

Sonntag, 7. August 2022

Experimentierfreude

Es war Experimentierfreude, die mich am Freitagnachmittag auf die Straße brachte, aber auch die Idee mal alleine unterwegs zu sein. Dass ich auf der Autobahn fahren musste, war unvermeidbar, daher nahm ich die schnittige Honda 500X. Rechtzeitig wurde klar, dass die Autobahn natürlich mit Autos total verstopft war. Ich blieb also bis Fallingbostel auf der B3, langsam, um einen Schauer abziehen zu lassen. Danach ging es mit 130 Sachen auf der E45 nach Süden. Das funktionierte eigentlich ganz entspannt. In einem 80er Baustellenbereich testete ich, ob man während der Fahrt E-Zigarette rauchen kann. Geht. Hinter Hildesheim wurde die Autobahn leer, mit nagelneuem Belag und schönen Blicken in das Hügelland. Urlaubsgefühl. Letzte Kilometer mit Heizgriffen. In Herzberg fuhr ich beim Proll-Rewe vor und holte mir eine Pizza und eine Pulle Rioja.

Der Samstag begann schon wir im Bilderbuch. Ich programmierte eine kleinteilige Route auf die andere Seite, ins Weserbergland. Es ging auf spaßigen Nebenstrecken über Katlenburg ins Leinetal, dann über Uslar an die Weser bei Karlshafen. Verkehr gab es kaum, nur Kurven, Zeit und einen angenehmen Sommertag für mich allein. In Brakel besuchte ich ausgiebig die unschlagbare Modellbundesbahn. Auf der Rückfahrt verirrte ich mich genüsslich im Hinterland von Höxter, kurvte falsch über den Solling und ließ mich im "kürzeste Route" Modus (führte in Northeim direkt durch den Kirchturm) zurück zum Edelhof lotsen, wo ich von anerkannten Slowfood Expertinnen betreut wurde.

Ich nahm mir den gesamten Sonntag für die Rückfahrt, einfach weil er da war. Zunächst ging es schwungvoll, aber ohne Halt über den Harz, was der Honda offenbar sehr gefiel. Dann durch Bad Harzburg und schließlich nach Norden. Interessant ist, dass man auf der Richtung Helmstedt - Wolfsburg - Wittingen immer wieder doch noch unbekanntere Nebenstraßen findet. Der 500X war jede Strecke recht, die Holprigen, die Schnellen und die mit Gegenwind, alles mit Links. Aber cool wird man nie. Als ich im Abendlicht die Hafencity erreichte, wollte ich schnell unerkannt nach Hause (wegen des Schrecklichen Topcases). Der Tank hätte im Prinzip auch wieder zurück in den Harz gereicht.