Eurocity 379, einfache Fahrt nach Berlin-Spandau. Ich war sehr aufgeregt. Weiterfahrt per Emmy, zu einer Villa im Westend. Dort stand meine zweite, neue SR (frag nicht warum). Sie sah live noch besser aus als auf den Bildern, glänzend und zart. Ich montierte mein Nummernschild, kickte sie an und verabschiedete mich freundlichst. Auf den nächsten Kilometern hatte ich ein dämliches Grinsen im Gesicht, gut, dass mich keiner kannte. Den Nachmittag verbrachte ich auf kuratierten Teststrecken im Ostteil der Stadt, durch die Thomas mich auf seiner Himalayan leitete: Holprige Ausfallstraßen durch graue Vorstädte, Dorfstraßen im Speckgürtel, Gravel und Autobahn. Zum Schluss kam noch eine inspirierende Regenfahrt durch Kreuzberg dazu. Ich nahm alles nur durch eine liebliche Verklärungshalo wahr, die die SR umgibt.
Sonntag um 9:30 parkte ich sie dekorativ vorm Übereck. Thomas kam als Fußgänger dazu und wir bestellten Rührei. Die Portion musste für einen langen, einsamen Tag mit der SR reichen. Meine Route führte abseits aller Hauptstraßen durchs Havelland an die Elbe. Fahrland, Ketzin, Luch, und ein Abstecher nach Kotzen (nur wegen des Ortsschilds). Die Straßen waren leer und perfekt für den Sweetspot bei knapp unter 80 Km/h. Ich brauchte nie auf die Uhr gucken, höchstens mal aufs Beeline, wo es als nächstes in den Wald geht oder durch die Prärie. SR bedeutet Single Road. Genau. Bei Havelberg kam ich auf die B195, vertraut kleinteilig führte sie einsam durch die Elbauen im Spätnachmittagsflirrlicht. Noch einmal tanken irgendwo, ein überdimensionales Stück Pflaumentorte in Dömitz, dann das letzte Ende in Richtung Zivilisation. Die 350 Kilometer spürend, aber nicht kaputt, rollte ich die Deichstraße mit genüsslichen 60 Sachen entlang in die hysterische Stadt. Die Verklärung war noch da, wahrscheinlich auch das dämliche Grinsen, das war jetzt egal.

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