20 Jahre !!!

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Sonntag, 25. September 2022

Umweg nach Wandsbek

Entgegen aller Vorhersagen und Hoffnungen hatte der Westwind eine Schauerwelle nach der anderen übers Land geschoben, bis Sonntagnachmittag. Da war es schon so, dass ich die Honda nur noch kurz abwaschen, was erledigen und wieder wegstellen wollte. Naja, eine kleine Stadtrunde dürfte gehen. Oder die langsame Schnellstraße nach Harburg, um einmal Fahrtwind zu spüren. Währenddessen rechnete ich grob aus, wir eine Ausfahrt aussehen könnte vor der Dämmerung. Ich ließ mich die B3 entlangtreiben, schaltete die Griffe ein und genoss das das frische Gefühl, es war schön. Ich kam bis Welle, bog ab auf die fantastische Route durch die Heide nach Undeloh, von da nördlich nach Hanstedt und Brackel. Ganz alleine rauschte in den Abend, die Luft war reingewaschenen, die Honda war in ihrem Element und nahm dem Herbst seinen Schrecken. Ab Stelle wollte ich pragmatisch fahren. Die Zeit drängte, jeder Verfahrer nervte, die Sonne ging, die Kälte kam. In der Stadt hätte ich fast vergessen, nach Wandsbek zu fahren, um was abzugeben. Das war ja mein eigentliches Ziel, aber der Umweg war tausendmal besser.

 


Donnerstag, 22. September 2022

Kunstwerktag

Alles ging zu Ende, sogar der Oktober war schon in Sicht. Ein sonniger Donnerstag ließ sich im Abwesenheitsmanager leicht anklicken, und schon waren die Rebel und die SR unterwegs auf den Nebenstraßen des Nordens. Anja war in letzter Sekunde mit der Idee um die Ecke gekommen, nach Rendsburg zu fahren, und dort Kunstwerke anzugucken. Das gab der Ausfahrt Struktur, und eine gewisse Länge. Die Fahrt ging sanft und unbeschwert über z.T. abenteuerliche Dorfstraßen, auf denen man vom Werktag absolut nicht merkte. Das Tempo orientierte sich am Sweetspot der chromglänzenden SR, die Luft war frisch und die Funktionsunterwäsche kein Fehler. Das Beeline hatte sich unterwegs total verirrt, gab das aber nicht zu. Wir nahmen die absurden Exkursionen mit Humor. Auf der sehr guten Ausstellung behielten wir zum Wiederaufwärmen unsere Jacken an. Wir schafften nicht mal, alles anzugucken, wenn noch ein Flammkuchen und die Heimfahrt im Hellen drin sein sollte. Ganz klappte das nicht, denn unterwegs wollte das Device wieder witzig sein (erfolglos), und wir spulten das längste Stück erfüllt aber frierend auf der B4 ab. Sie führte schnurgerade in die Dunkelheit.





Sonntag, 11. September 2022

Kulturtourismus

Wir waren vernünftig und nahmen die wetterfeste Honda, und waren mental eingestellt auf den einen oder anderen Schauer und fetzigen Westwind. Ganz so war es nicht, die Luft war schwerer, die Schauer stärker als gedacht, vor allem häufiger. Etwa 170 Kilometer sind es nach Friesland, zum unverzichtbaren Event des Jahres. Die Strecke über Bremervörde ist manchmal luftig frei, meist gerade und überall monoton gleich. Westlich der Weser ist Flachland, und die Sachen waren trocken als wir Nethen erreichten. Die Honda war wieder mal total praktisch auf langen Strecken und Wechselwetter. Aber als wir mit Windschutzscheibe und dem Schrecklichen Topcase ziemlich uncool zwischen all den coolen Custombikes parkten, hätten wir am liebsten die Helme aufbehalten. Das war dann aber schnell verdrängt, denn die Sonne schien auf Beachclubatmosphäre und lässigen Bikerlifestyle, und wir waren dabei.

Der Sonntag begann mit einer Stadtrundfahrt durch Oldenburg, welches in vielen Aspekten überraschte. Den Rest des Tages verbrachten wir wieder auf dem Festival, verfolgten den spektakulären Kampf um den Weltmeistertitel und genossen das ermutigende Gefühl, Teil einer Kultur zu sein. Als die Pokale vergeben waren, packten wir überflüssige Klamotten ins Schreckliche und trieben die Honda über die monotonen Landstraßen nach Nordosten. Der Weg war lang und die Maschine funktionierte wie immer perfekt. Aber irgendwie hatte sie unsere Zweifel mitbekommen, und reagierte subtil. Etwa Höhe Neuwulmsdorf begann sie, Luft aus dem Hinterreifen entweichen zu lassen. Das ging soweit, dass ich auf dem weiteren Weg an jeder Tanke nachpumpen musste. Mit Mühe kamen wir zu Hause an. Der Reifen war platt, wir auch.







Dienstag, 6. September 2022

Dreieinhalbtausend

Wettersturz, Herbstanfang, Regenfronten. Der Bad News Stream reißt nicht ab. Das Paradies schließt, die Brötchen werden kleiner. Jetzt zahlt sich aus, eine SR in der Garage zu haben. Sie macht Stadtrundfahrten zum befriedigen Event, das in das kurze Fenster zwischen Feierabend und Dunkelheit passt. Jede rote Ampel zählt, und in der Schanze reiht man sich freundlich zwischen die Radfahrer ein. Auf den Geraden im Hafengebiet lässt man sie mit dreieinhalbtausend Touren in den Sunset brummen, das sind im Vierten gute 60 Sachen. Sweetspot.



Sonntag, 4. September 2022

Keine Kunst

Die Knüppeltour zum Glemseck hatten wir storniert, stattdessen buchten wir 250 extraentspannte Kilometer zum Edelhof. Das würde reichen. Abseits aller Hauptstraßen führte uns das Beeline schnurgerade nach Süden. Aber im Detail war jedes Stück anders, eins besser als das andere. Es ging einsam durch die Heide, auf vergessenen Militärstraßen durch den Wald und ließ uns Zeit für Abwege, z.B. zu einem Kaliberg hinter Celle. In hundert Kilometern, am Horizont, war der Harz schon sichtbar. Das Land war ausgetrocknet, aber die Farben sahen klasse aus. Es war erst Spätnachmittag, als wir ankamen. Eine Runde wäre theoretisch noch drin gewesen, aber wir stornierten sie einfach.

Am Sonntagmorgen waren wir ins Wesergebiet unterwegs. Von Anfang an gab es nur eins: Entspannten, flüssig-kurvigen Fahrspaß und Sonnenschein. Katlenburg, Lindau, Bodensee, übers Leinetal nach Adelebsen und Dransfeld, dann an der Fulda entlang nach Kassel. Alles super. In der Hitze Kassels trafen wir Thomas und Anja II, die uns kurz soweit brieften, dass wir zu Hause mit einem Documentabesuch angeben konnten. Kunst gab es nicht, aber Cappuccino und was vom Giftshop. Die Rückfahrt führte im perfektem Spätnachmittagsgoldlicht südlich durch den Kaufunger Wald über Witzenhausen, Friedland und dann wieder querfeldein ins Eichsfeld. Es war ein Navi-gesteuerter, nicht endender Flow von Luxuskilometern, den man nicht genug genießen konnte.

Der Montag begann gleich mit einem kleinen haltlosen Umweg durch den Oberharz, dann besichtigten wir Bad Harzburg an (gar nicht so bad). Dann ging es in die Wüste. Das nördliche Vorland lag kahl und staubig unter farbloser Sonne mit giftigen Strahlen. Zäh drückend zogen sich die Kilometer durch den  trostlosen Streifen zwischen Braunschweig, Helmstedt und Wolfsburg. Nördlich von Wittingen liegt schon die Heide, es gab grünes Grün und Luft mit Sauerstoff. Wir rollten müde in den Abend, erreichten die rettende Elbmarsch bei Fliegenberg, die Stadt, die Garage, den Herd, das Bett.