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Sonntag, 12. Mai 2024

Konzept Himmel Fahrt

Mit 250 Km/h rasten wir nach Süden. Es war Mittwochabend, und als wir in Göttingen ankamen, war es noch hell und es war Sommer. Vom Bahnhof zur Garage waren es nur ein paar Meter. Wir packten die Bikes und die Sachen aus und fuhren zur Esso Tanke. Die einzige, die um 22 Uhr aufhat. Wir kauften Benzin, Milch, Eier und eine Flasche Notwein. Dann kam etwas Neues: Nachtfahrt auf der B27 unter Sternen. Die Strecke war leer und unkompliziert. Wir trieben immer tiefer in die Kälte des Weltalls. Durchgefroren und im Dunkeln tastend kamen wir in Hörden an. Am nächsten Morgen war Himmelfahrt. Oh, wir sind ja schon da! Müssen uns nicht beeilen. Auf dem Sofa ließ ich vom Tomtom eine 'kurvige' Rundfahrt ins Thüringische berechnen. Ich musste sie nicht nicht nacharbeiten, praktisch jede Strecke im Umfeld ist genial. Obwohl nie weiter als 50 Kilometer entfernt, waren wir den ganzen Tag unterwegs auf Straßen jeglicher Art. Die Besten waren wieder einmal die ganz kleinen durch Wald und Flur, wo niemand fährt, weil man nie weiß wo man rauskommt. Die Blicke schweiften über weites, hügeliges Land, wir entdeckten eine Burg am Ende eines Schotterweges sowie ein Meer von Bärlauchblumen in einem flirrenden Wald. Die ernteten wir großzügig ab und packten sie ins Schreckliche Topcase. Die Sommerhitze blieb bis zum Schluss. Wir tranken das erste Bier in alkoholfreiem Leder.

Frühstücksrührei in der Sonne, mit Bärlauch. Und Zeit für eine zwanglose Routenplanung. Irgendwie kam Bernburg ins Gespräch. Warum nicht eine Außenübernachtung einplanen, bei so viel Zeit? Als Nebeneffekt würde man die Saale-Unstrut Region sehen können und warm duschen. Es wurde eine lange, genießerische Tour quer durch den heißen Harz nach Osten. In dieser Richtung ist er riesig und läuft sanft aus, in eine völlig unbekannte Gegend. Wir reisten durch wechselnde Kulturen, erreichten schließlich den großen unbekannten Fluss. Bernburg war eine überraschend angenehme und interessante Stadt. Es gibt ein Schloss aus warmen Stein wie in Italien, nur dass man ganz alleine dort ist. Aber: es gab Aperol und Küche bis nach Neun.

Noch ein Tag, wieder quälend viele Optionen. Beschluss: Zurück nach Hörden. Eine aufwändige Programmierung führte uns zunächst am am Fluss entlang nach Süden. Das Saaletaltal ist genauso schön wir bei Google Maps, und wir glitten immer ohne jeglichen Verkehr durch die Landschaft. Über Weinberge und vergessene Holperstraßen kamen wir ins überdimensionale Tal der winzigen Unstrut. In der Nachmittagshitze tauchte eine Kaiserpfalz auf. Drinnen war es kühl und schattig, und etwas interessant. Das abschließende Stück ging direkt in die rot glühende Sonne rein. Bekannte Orte tauchten auf wie eine zweite Heimat. Besonders der Rewe in Herzberg, extra prollig am Samstagabend. Wir kauften Salat. Bärlauch hatten wir noch.

Sonntag: Diskutieren, abwägen, aber eigentlich war längst klar. Wir überführen erstmal die Bikes nach Hamburg. Die Fahrt startete einsam in den kristallklaren Morgen. Kulturell blieben wir beim Flussthema: Das Leinetal hatte von Zug aus gut ausgesehen, und auf der Karte auch. Es ist breit und der Fluss schmal. Die Straßen sahen auf der Karte romantischer aus als sie sind. Nach Norden hin kam zunehmend Verkehr und Besiedelung. Nichts Schlimmes, aber wir waren sehr entwöhnt. Hannover kam in Sicht, wir flossen mit dem Strom auf Schnellstraßen hindurch. Das ging schnell, aber die Vierspurige bis Celle war für Anja kaum zu ertragen. Wir mussten unser Mindset umstellen auf Heidecruisen. Es gab wieder schöne, leere Straßen, aber die gingen geradeaus und waren flach. Trotzdem, beim Eiskaffee in Bispingen war klar: Es ist gut, wenn man diese Rückfahrt einsparen kann. Jetzt hieß es, besser spät in Hamburg ankommen, als früh im Stau. Und am besten weitab vom Schuss. Wir kamen am Elbdeich bei Fliegenberg an wie am Ende eines Kontinents. Danach war der Anflug auf Hamburg dann easy. Abparken, Bier auf, 1000 Kilometer im Kopf, und ein Konzept das funktioniert.



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