Blau machen, nach Hörden fahren, beide Hondas unterwegs mit großen Plänen im Gepäck. Ich genoss die gleitende Fahrt auf der B3, die Maschine segelte schwerelos dahin, in meinem neuen Helm war es angenehm ruhig. Bis Anja sich per Funk meldete. Die endlose Gerade ging ihre gegen den Strich. Beim Versuch, den weiteren Verlauf kurvig zu machen, verirrten wir uns Tomtom sich erst im Speckgürtel von Hannover, später lernten wir aus versehen das Kloster von Derneburg kennen. Alles interessant. Wir hatten Zeit und vor uns lagen große Taten.
Dienstag Morgen in Deutschland. Überall Probleme, nur hier nicht, auf der verkehrsfreien Bergstraße durchs Siebertal. Ich kurvte allein den Pass hoch, genoss die einsame Weitsicht über die kahlen Kuppen des Oberharzes auf der Rennstrecke von Andreasberg nach Zellerfeld. Das war die Vorspeise. Als ich zum Edelhof zurückkehrte, waren die Probleme schon eins weniger. Anja sattelte ihre Rebel und der Hauptgang kam. Ich recycelte eine gespeicherte Route, die erst durchs Eichsfeld bis Heiligenstadt, dann querfeldein über das Grenzgebirge Richtung Meißner führte. Das Tomtom war im 'Kurvige Route' Modus, und es nahm den Auftrag ernst. Kringelige Waldstraßen am Hang, Abzweige ohne Schild, und immer wenn man glaubte sich orientieren zu können ging es gleich wieder um die Ecke in die sommerheiße, grüngelbe Wildnis. In Witzenhausen gab es einen erlösenden Eiskaffee, dann folgte wieder stundenlanges, intensives Fahren, in großem westlichen Bogen um Göttingen herum, ungestört und berauschend. Wir fuhren nicht mehr eine bewusste Strecke, sondern verschlungen die Straße und die Landschaft wie den Krabbensalat am Buffet. Am Ende waren wir verschwitzt, satt und müde. Das erste Bier zischten wir in Leder.
Der Erste Mai hätte normalerweise mit der Planung der langen Heimreise begonnen. Stattdessen befahl ich: 'Spannende Route' planen, kreuz und quer durch den Harz bitte. Es ging vier Stunden auf Nebenstraßen durch die Berge, die wir nicht wiedererkannten. Ab und zu kreuzten wir die bekannten Wege, auf denen ein schier endloser Strom von Bikern unterwegs war. Dann ging es wieder allein ins Abseits, auf z.T. endurowürdigem Asphalt, auf den die Sonne hemmungslos brannte. Das letzte Stück zogen wir gerade, um mit Puffer den Edelhof anzufahren und die letzte Etappe vorzubereiten. Schnörkellos ging es auf der B27 nach Göttingen. Dort steht uns neuerdings eine Garage zur Verfügung, in der wir die Bikes verstauten. Wir bestellten noch ein Alkoholfreies und setzten uns in den Metronom, der mit 160 Sachen durchs Leinetal in den Sonnenuntergang rauschte.


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