Ein Seminar in Bergedorf, naja. Aber es hat auch Vorteile. Z.B.wenn es um 16 Uhr abgehakt ist und draußen ein sonniger Endseptembernachmitag sowie eine Vanvan wartet. Ich war nullkommanix auf der Elbdeichstraße, kurz darauf in Geesthacht und dann Lauenburg. Im Grenzstreifen vor Boizenburg bog ich einfach mal ab in die vergessene Ecke um Horst, Schwanheide, Zweedorf usw. Beim berüchtigten Bahnhof Schwanheide ist viel Geschichte versteinert. Ich fuhr ich einen einsamen Feldweg entlang, stand zwischen Kuhwiese und Bahntrecke und musste feststellen, dass es nichts großartigeres gibt als am Rand der Zivilisation auf der abgestellten Maschine zu sitzen, die bedeutungslose Umgebung zu genießen, der Stille zu lauschen und eine zu rauchen. Ein ICE donnerte vorbei und erinnerte mich daran, dass es bald dunkel wurde. Mit zunehmend kalten Füßen schnurrte die Vanvan die B 5 nach Hause. Über der Stadt ging in spektakulärem Rosa die Sonne unter, als wäre es Hollywood.
20 Jahre !!!
Mittwoch, 28. September 2011
Sonntag, 25. September 2011
Wald und Wiese 1.0
Während des Frühstücks entwickelte sich ein sensationeller Frühherbstsonnentag, ein paar Minuten später waren wir schon unterwegs auf den Vanvans. Sozusagen prototypisch, Anja und ich, auf der Orangen und der Blauen, auf der Suche nach Unbekanntem zwischen dem Üblichen. In der Nordheide z.B., das wussten wir, gibt es hier und da sandige Verbindungswege. Bei genauerem Hinsehen hatten dann doch viele das Verbotsschild, bei einigen war es jedoch so vergammelt, dass wir es beim besten Willen nicht entziffern konnten. Die Vanvans liefen mit Leichtigkeit durch die Furchen und den Tiefsand. Wir endeten mitten im Unterholz. Wenn wir die Motoren abstellten, summte und knackste es, die Sonne schien durch das bleichende Laub und es roch nach Weihnachtsbaum. Einmal verirrten wir uns im Truppenübungsgebiet. Die riesigen Lichtungen waren verführerisch, aber ich hatte Angst, ein Panzer würde durchs Gebüsch brechen und wild um sich ballern. Die Route im Detail zu beschreiben ist unmöglich, denn wir ließen uns treiben, über die Dörfer, warme Landstraßen, auf denen es immer wieder anders roch und immer wieder suchend nach einem guten Feldweg. Staunend sahen wir bei der Kartoffelernte zu bis der Kaffeedurst kam und uns ins Zentrum von Salzhausen zog. Der Nachmittag fühlte sich an wie einer der ersten richtig warmen Maitage. Die Menschen stauten sich in kurzen Hosen vor der Eisdiele. Wir verließen die Region wie wir gekommen waren: Durch das traurige Winsen, dann über Over die Deichstraße entlang bis ins teilgentrifizierte Hafenviertel Harburgs, durch den Freihafen und die Hafencity, St. Pauli, Schanze, Dönerbude komplettierten respektable 250 Kilometer Vanvan.
Alte Weiber
Mit offiziellem Herbst setzte ein unschlagbares Altweiberwochenende ein. Inzwischen könnte jedes das letzte Mal sein, deshalb ließ ich nichts anbrennen und buchte die große Elbuferrunde. Anja ging arbeiten, nur die Iron und ich waren unterwegs. Auf der Autobahn bis Geesthacht, aber im Grunde auch den Landstraßen den Fluss entlang bis Bleckede, döste ich gedankenverloren dahin. Endlich war in dem Café am Platz mal die Espressomaschine in Ordnung. Unter gleißender Mittagssonne glitt ich weiter durch leuchtende Mischwälder, über Berge am Elbtal, backsteinniedliche Aussteigerdörfer, rauchte im schnuckeligen Schnackenburg, studierte die Karte, nahm nicht die Fähre, sondern die Straße Richtung Altmark. Erstmalig bereitete mir die im Tacho dezent leuchtende kleine gelbe Tanksäule Sorgen. In Orten wie Wanzer, Wahrenberg oder Geestgottberg kann man keine Tankstelle erwarten, so dass ich extrem sparsam über die endlosen Weiten rollte. Ich atmete auf, als ich die Elbebrücke überquerte und Wittenberge sich am anderen Ufer aus den Auen erhob. Wittenberge hat nicht nur ein monströses Einkaufszentrum mit Tanke, sondern auch eine herrlich ostig-tothosige Altstadt, durch die ich eine kleine Runde drehte, bevor ich mich auf die B 195 begab, dessen Ursprung, also das Stück bis Dömitz, ich zum allerersten Mal befuhr. Es ist genau so wie der Rest. Kurven durch Kiefern auf Sand, links meist die inzwischen nachmittaglichen Elbauen. Bislang war ich allein auf der Welt, nun flogen mir die Racer um die Ohren. Sie fahren immer zwischen Dömitz und Neuhaus hin und her. Autos hatten heute scheinbar Fahrverbot, was gut war. Meine Kilometer zogen ungestört mit malerischen 90 Sachen vorbei. Ich sah schwer bepackte Birnbäume, Gärten wie als Kind bei Oma und Opa, eine enorme Binnendüne, meterdicke Kreuzspinnen, deren im Gegenlicht glänztende Netze ganze Straßen überspannten. Das hätte für immer so weiter gehen können und es war richtig schade, als Boizenburg ins Bild kam, welches die den Rückweg markierte, den ich zunehmend schwerfällig abbummelte. Lauenburg, das mehr und mehr zur Geisterstadt mutiert, Geesthacht, und die zäh-schläfrige Deichstraße, auf der man irgendwann einfach nicht mehr grüßt, und hofft, bloß nicht für einen der Kirchturmfahrer gehalten zu werden.
Montag, 19. September 2011
Vanvan am Sonntag
Die Vanvans sind gut geeignet, sich mit einem ungemütlichen Sonntagnachmittag im September anzufreunden. Die Stadt lag noch in Sauer, als wir durch die Häuserschluchten schnurrten, in das menschenleere Hafengebiet. Am Schuppen 50 trafen alte Lieferwagen. Weil wir gerade in Stimmung waren, besuchten wir auch gleich noch das dortige Museum, bevor wir den langen Weg durchs Alte Land antraten. Endlose Plantagen prall leuchtender, duftender Äpfel zogen vorbei. Am Lüheanleger stellten wir die Vanvans effektvoll ab und bestellten Tütencappuccino. Lange hielt es uns dort nicht, wir nahmen den selben Weg zurück in die Stadt, die introvertiert einen weiteren gemütlich-trägen Sonntagnachmittag auf das Ende des Sommers hin abhakte.
Sonntag, 11. September 2011
Zeitfahren
Der Sommer brachte nur noch lustlos ein paar heitere Tage zwischen den Regenfronten hervor. In einem diesigem Wolkenloch starte ich allein mit der Iron ins ungewisse. Wie immer rollte ich durch das Hafengebiet, schaute mal hier und mal da und bog mangels besserer Ideen ins Alte Land ab. Dort rollte ich einigermaßen flüssig durch die erntereifen Plantagen, und weil sie es so schön unbeteiligt an mir vorbeizogen, war das Weiterfahren eine bessere Option als ein weiteres Mal bei den Dorfprolls am Lüheanleger zu stehen und Tütencappuccino zu trinken. Die grauen, leergefegten Dörfer lagen bald hinter mir und ich fuhr auf die Elbefähre in Wischhafen. Der Blick schweifte zurück über den unter weiß-diesigem Licht glänzenden Fluss. Im Hintergrund wurde die täglich neu aus Südwest nahende graue Suppe sichtbar. Der Rest der Fahrt ging gegen die Zeit. Ich wagte noch einen Abstecher nach Kollmar, welches über die Jahre praktisch unbemerkt zu einem zotigem Bikertreff Marke Zollenspieker mutiert ist. Kaum hatte ich den Motor abgestellt, hatte die Regenfront schon das andere Ufer erreicht. In Panik stürzte ich mich auf die Autobahn und raste heim. Die ersten Schwertropfen platschten auf den dreckigen Asphalt, als ich in die rettende Tiefgarage rollte.
Sonntag, 4. September 2011
Mittelgebirgsschwelle
Freitag war frei, und wir hatten viel vor. Wie damals waren wir um 7 Uhr 30 auf der Straße, nbogen gleich nach dem Elbtunnel auf die B3 ab und froren. Die Sonne leuchtete wie schon lange nicht mehr und irgendwann würde sie die eiskalte Luft wärmen. Einsame Kilometer verstrichen endlos zwischen weiten Stoppelfeldern und Waldstücken, die einem schier die Finger einfroren. Das Highwayfeeling war perfekt, als eine Ort namens Heber-City auftauchte. Wir durchfuhren ihn in der morgendlichen Rushour. Im Dunst bauten sich die ersten Berge am Horizont auf und weckten Erinnerungen und Fernweh. In Göttingen war es bereits Mittagszeit und endlich kam ein Stückchen Wärme sowie unsere Liebslingsstraße B 27. Wir aßen Eis mit direktem Anschluss an die lokalen Befindlichkeiten, rafften uns weiter, um in langen 80-Sachen-Kolonnen die 300 Km zu knacken. Bergfest. Fulda zog am Nachmittag ohne Halt vorbei. Wir nahmen den gut versteckten Abzweig Richtung Flieden, Steinau, immer an den Hängen des Kinzigtals entlang, hin und her unter der Autobahn durch, dort gibt es beschauliche Dörfer an denen alles vorbeizieht. In brütender Nachmittagshitze, kurz vor Hanau bekamen wir Hunger, deshalb zog uns ein Ort namens Linsengericht magisch an. Es gab keine Linsen, aber kleine Landstraßen, auf denen wir etwas orientierungslos durch eine Ecke vom Spessart kreuzten und in Aschaffenburg wieder rauskamen. Das letzte und zermürbendste Stück ging in den Abend hinein über die B 28 durch die traurig-zersiedelte Ödnis, an deren Ende tröstend Pfungstadt liegt. In den Knochen spürten wir 600 Km Landstraße, aber vor uns stand ein großer Braten den Frau Gill für uns liebenswerterweise zubereitet hatte.
Samstag, 2.9.2011
In einem Konvoi aus GS, Iron und einem VW Beetle waren wir im Odenwald unterwegs. Albrecht fuhr vorweg, denn er kennt alle Wege durch die dichtbesiedelten Berge. Die Dörfer gehören Städtern und sind bunt und blankgeputzt. Wir überquerten den Main, fuhren noch ein Stück kreiselkurven im Spessart und trennten uns auf einer Verkehrsinsel in Rohrbrunn. Anja und ich nutzten die gewonnene Freiheit um die schwingenden Kurven über mächtige Kuppen, die verschnarchten Holperstrecken durch die einsame, dunkle Täler dieses unterschätzten Mittelgebirges zu genießen. Wir fuhren an der Lohr und der Joss entlang und waren baff über die immer neuen Weitblicke auf Deutschlands perfekteste Modellbahnlandschaft im goldenen Nachmittagslicht. Nahtlos geht der Spessart in die Röhn über. Im "Staatsbad Bad Brückenau" kreutzten wir die B 27 und arbeiteten uns hoch über Gersten, dann immer spektakulärer bis zum Gipfel der Wasserkuppe. Den Rummel dort konnten wir nur durchfahrend ertragen. Eine Handvoll warme Romantikkilometer im Streiflicht weiter, hinter Tann gibt es eine kaum zu findene winzige Straße über den Grenzberg. Über Eiterfeld kommt man zurück zur B 27. Der Spätsommerabend lag leuchtend vor uns. In vollendeten Flow glitten wir ungestört das Werratal entlang, bis sich erlösend die Burgen von Witzenhausen ins Bild schoben. Wir checkten ein und waren froh, noch einen Krustenbraten zu ergattern.
Sonntag
Wir waren schockiert. Irgendwoher war über Nacht Regen gekommen. Um 9 Uhr rollten wir unter trüben Himmel durch das noch schlafende Land, monoton, in sich ruhend glitt der nasse Asphalt unter uns hinweg. Beim Mc Donalds irgendwo an der Strecke standen wir im Nieselregen und füllten Kaffee in unsere Thermoskanne. Später, nachdem die Goretexschuhe entgültig undicht geworden waren, lichtete sich der Himmel und es wurde trocken. Die Berge hatten wir hinter uns gelassen und rauschten nun wieder einsam über die Highways durch die Prärie der Tiefebene. In Soltau vergaßen wir einen Abzweig und fuhren schnurstraks kreuz und quer durch die Lüneburger Heide, was okay war, denn der Tag war jung und immer wieder findet sich noch eine schöne Straße. Nach einem letzten RIesenumweg auf Hamburg zu fanden wir uns zwischen knipsenden Touristen wieder vorm Fleetschlösschen in der Hafencity, teuren Cappuccino schlürfend. Welcome, Germany is beautiful, what für eine Tour.
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