20 Jahre !!!

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Sonntag, 19. Oktober 2014

Minimalismus

Ich ließ die Weiber am Frühstückstisch zurück und verschwand im Elbtunnel. Von Süden kam ein dicker, warmer Luftstrom, gegen den ich auf der B3 ankämpfte. Zusammen mit dem hammerharten Gegenlicht war das nach einer Weile äußerst ermüdend. Mein Default-Café hatte schon nur noch einen Tisch draußen (besetzt), so dass ich mit letzter  Kraft in eine Senioreneisdiele in Bergen einfiel und ASAP eine große Portion Latte inhalieren musste. Dann war ich wieder auf dem Highway. Einfach nur cruisen. Celle seitlich streifen, weiter. Ein Schild sagte Uelzen 35 Km. Ich hoffte, das würde bedeuten, es geht jetzt fünfunddreißig Kilometer so weiter, nämlich: Schwach befahrene Bundesstraße, die sich wie ein Film durch immer neue, vielfarbige Herbstwälder zieht, nur wenn's langweilig wird, unterbrochen durch eine Lichtung, eine Senke, vielleicht auch mal ein Dorf wenn's sein muss. Es kam genau so. Ich fuhr mit minimaler Hirnaktivität, hatte nun den Wind und die Sonne im Rücken und steuerte Richtung Salzwedel. Ein Schild zog mich über Kleinstraßen durch den blendenden Nachmittag über die Wendland-Hochebene nach Lüchow. Ohne Halt ging es weiter nach Danneberg. Auch gut, weiter, jetzt auf der B 216 in nichts als flirrender Sonne. Bei Darchau ist eine Fähre, und ein Bikercafé. Aber ich war schon an dem Punkt, an dem man nichts mehr kann außer immer weiter zu fahren. Später, drüben in Mecklenburg an der B 195, saß ich auf einer Bank und aß meine Not-Bifi. Die Sonne brannte wie im Juli, ein Strom von Bikes zog vorbei. Alles war richtig, alles war gut. Ich bummelte dann noch das tausendmal gefahrene Stück bis Geesthacht, dann die Deichstraße. Über Hamburg hatten sich düstere Schauer zusammengezogen. Zum Schluss war ich in einer anderen Welt: Gerade noch Sommerfeeling, nun peitschte der Wind braunes Laub durch nasse Häuserschluchten, durch die ich irritiert heim rollte.

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