Samstagnacht war eine üble Wetterfront gekommen und hatte die stickige Schwüle abgeräumt. Übrig blieb ein herbstartig frischer Sonntag, durch den wir in Richtung Wittenberge cruisten, zu einer Verabredung in der Mitte. Klammheimlich hatten wir Fleecepullies und Funktionsunterwäsche angezogen, was uns Anfangs albern vorkam (im Juli!), im Verlauf aber den Tag rettete. Wir waren viel zu früh unterwegs. Lauenburg lief gegen Mittag unbeteiligt durch, und in Neuhaus tranken wir überteuerten Tütencappuccino, wartend, dass etwas Zeit verging, und dass die Wolkendecke aufreißt. An diesem Tag war niemand unterwegs auf der 195, deren Kurven wir genügsam und mit reichlich Rückenwind durchschnitten. Hinter Dömitz beginnt das unbekannte, eigentliche Glanzstück der Straße. Immer enger, immer dicker werden die Alleen, zwischen den Dörfern ist nichts, nur großes Gleiten. Kaum saßen wir im Eiscafé in Wittenberge, war das entfesselte Grollen der Berliner Harleys zu hören. Rembert und Michael setzten sich abgekämpft zu uns, bestellten Eisbecher und philosophierten mit uns über Zweitakter und Immobilienhaie. Erst hatten wir noch Bammel vor der Rückfahrt, aber inzwischen die Sonne rausgekommen und der Wind war weg. Die Elbauen verflogen viel zu schnell im flirrenden Abendlicht. Hamburg erreichten wir rauschend über ein Stück nie gesehene Autobahn. Wir fuhren mit Schwung auf den Hof und guckten Tatort.

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