20 Jahre !!!

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Sonntag, 11. August 2019

Party

Anja wollte weg und hatte kurzerhand ein Zimmer in Quedlinburg gebucht. Der Freitag war auch schnell frei genommen. Es drehte sich zwar eigentlich um ihren Geburtstag, aber irgendwie hatte ich auch ein bisschen Geburtstag, denn es war die erste große Tour mit der nagelneuen Himalayan. Auf der Strecke durften keine Autobahnen vorkommen, wegen der Einfahrzeit. Das war gut, denn heraus kam eine durchweg angenehme Route im Bummeltempo vorbei an jeder störenden Zivilisation. Erst durch die Heide über Amelinghausen bis Uelzen, dann diagonal nach Südwesten durch eine ziemlich unbekannte Landschaft mit weiten Flächen und ganz ansehnlichen Dörfern. Östlich von Wolfsburg waren die Straßen voller Volkswagen und gesäumt von Neubausiedlungen. An einem Kreisverkehr blieb die Mash röchelnd stehen. Über dem Lidl-Parkplatz lag drückende Hitze, als wir deprimiert zwischen den Maschinen saßen und alles durchspekulierten. Danach sprang sie auf Knopfdruck an und fuhr ganz normal. Die Fahrt ging weiter durch großes, welliges Land, schließlich kam in schwülem Dunst die Silhouette der Harzberge in Sicht. Das Timing war gut. Nachdem wir eincheckten, ging der Tag in einen tropischen Niesel über.
Ihren Geburtstag verbrachte Anja im Sattel, wo sonst. Wir umfuhren einige der allgegenwärtigen Sperrungen und kamen auf engen, kurvigen Bergstraßen über den windigen Hauptkamm auf die andere Seite nach Stolberg. Das Eis aßen wir am Rand, im Zentrum war währenddessen ein Stadtfest mit Ost-Schlagermusik. Wo wir schon auf der Südseite waren, lagen zwei Optionen nahe: Erstens würde es in Nordhausen sicher einen Billigladen geben, wo ich mir einen Not-Pullover kaufen könnte (meinen hatte ich großkotzig im Hotel gelassen). Zweitens war Hörden nicht weit, und wenn der Zufall es wollte, könnten wir dort Heike treffen und noch einen zweiten Kaffee abstauben. Beides klappte gut. Die Rückfahrt war herrlich, mit leeren Straßen, Sonne und Wind im Rücken. Die Himalayan zog satt und geschmeidig durch die Kurven, die Mash eigentlich auch. Beim Blick auf die Uhr stieg aber eine andere, harztypische Ungewissheit auf, die man gern verdrängt: Wie bloß nachher noch was zu Essen bekommen, wo Restaurants um 21 Uhr schließen ("Essenszeit ist hier zwischen 6 und 8.")? Alles ist gut gegangen. Und gegenüber vom Griechen war sogar spät noch was los. Happy Birthday.
Sonntag fuhren wir gar nicht erst in die Berge, sondern malten uns eine besonders ausgetüftelte Route ins Navi. Ein freies, gerades Stück bis südlich von Magdeburg, den Moloch auf winzigen Nebenstraßen östlich umfahren, bis zu einer Fähre bei Rogatz. Dann der Elbe folgen bis Tangermünde. So ging es weiter durch die immer abseitiger, buschiger und knorriger werdenden Elbauen bis Wittenberge, Dömitz, Neuhaus, Boizenburg. Eine heiße, langsame Traumstrecke, die sich endlos durch den Nachmittag zog, so dass wir immer häufiger Pausen, Wasser, Frikadellen und Kaffee brauchten, um nicht am nächstbesten Baum zu landen. Die großräumigen Umleitungen bei Neuhaus und vor Lauenburg hatten letztlich wachrüttelnde Wirkung und waren außerdem echte Geheimtipps, die man sich merken muss. Am Ziel waren wir glücklich erschöpft wie nach einer ausufernden Geburtstagsparty.

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