Es begann mit einem Experiment: Freitag um 15 Uhr Bleistift fallen lassen und abhauen. Allein, denn Anja war in Venedig. Ergebnis: Freitag machen scheinbar alle um 15 Uhr Feierabend. Sie stauen sich einfach überall in ihren Bürgerkäfigen, und zwar in abartigem Ausmaß, sogar bis weit über die Stadtgrenze hinaus, in sengender Hitze. Sie sind die Pest. Ich war auf dem Weg entlang der Elbe stromaufwärts. Ab Lüneburg lichtete es sich langsam, und ich konnte den traumhaften Sommernachmittag wahrnehmen, die Maschine gleichmäßig durch die B216 gleiten lassen. Das Land war gelb und vertrocknet, sah dabei aber einfach klasse aus im Spätnachmittagslicht. Der weitere Verlauf über Gorleben und Gartow kommt selten dran, aber für mich war es schon die letzte Etappe. Am Ende liegt Schnackenburg, die kleinste Stadt der Welt. Ich checkte ein und genoss den Abend allein mit einem Schnitzel, zwei Pils und einem umwerfenden Sonnenuntergang über den Elbauen.
Der Samstagmorgen begann gut gefrühstückt mit einer herrlichen, einsamen Fahrt durch die Altmark über Seehausen, Werben, hin zu der hinterweltlerischen Holperallee zur Gierfähre bei Räbel. Auf der Himalayan kann man die Strecke locker mit 80 Sachen bügeln. Drüben stellte ich das VIO auf "kürzeste Route" und ließ mich von Dorf zu Dorf bis Brandenburg, und weiter Richtung Beeltz leiten. Auf die Weise ist auch mal ein Betonplattenweg durch den Wald dabei, was ich genau richtig fand. Als mal kurz ein Flecken Internet auftauchte, verabredete ich mich mit Rembert. Er war bereits wach und hatte Kaffee da, aber leider kein Motorrad. Dafür hatte aber Thomas sich gemeldet und mich zum Bikercafé in Dobbrikow zitiert. Zeitgleich mit mir traf er auf der Vanvan dort ein. Wir drehten eine kurze Runde mit getauschten Maschinen, danach war ich wieder allein unterwegs im Süden von Berlin, wo es einsame Alleen gibt und zwischendurch Ausblicke in riesige Ebenen. Ich rollte auf einer ungewöhnlichen Strecke in das mächtige Berlin ein, schwamm gleichmütig im zähen Verkehr mit, und traf schwitzend und überpünktlich in Tempelhof ein, wo ich zu einer netten Garagenparty in lauer Sommernacht erwartet wurde.
Sonntag lag die B5 vor mir in der Unendlichkeit. Es ging mit Rückenwind durch den heißen Sommertag, aufgeräumt, flüssig und leicht. Die Sperrung bei Gumtow nahm ich nicht ernst, ein kleiner Ausweg durchs Gelände war kein Hindernis. Einsame Kilometer verflogen im Nachmittag, Kyritz, Perleberg, ein Eis in Ludwigslust. Die Sperrung bei Boizenburg war echt. Von der B5 war nur ein aufgewühltes Kiesbett übrig, undurchdringlich und scharf bewacht. Aber selbst die ihrerseits gesperrte Umleitung nahm ich locker, fuhr mit immer noch derselben Tankfüllung in den Abend, saß noch ein langes Alkoholfreies lang am Zollenspieker und stellte die knisternde Royal Enfield in die Garage. Zufrieden mit der Welt, als hätte ich sie umrundet.



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen