20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 26. April 2020

Beispiele

Allein fahren ist nicht schlimm. Beispiele: Während Anja den Keller umkrempelt, die Himalayan rausholen, durch den Elbtunnel brausen, ein Stück auf der ausgestorbenen Autobahn preschen und gedankenverloren und ungestört die grünflirrende Rosengartenstraße entlangsegeln. Danach eine ähnliche Straße zwischen Sprötze und Holm-Seppensen neu entdecken, sich durch die Ausläufer Buchholz' bleiern lassen und im Abendlicht durch die Hafenanlagen in die Stadt einlaufen. Geht gut. Oder: Sonntag Spätnachmittag spontan doch noch die SR ankicken, mit ihr am Deich entlang über Over bis Fliegenberg brummen, abbiegen und sich planlos auf eine unverhoffte, einsame Runde durch in greller Sonne liegende Nordheide einlassen. Bis die Kälte kroch. Sowas geht immer, und ist sehr wirksam.

Sonntag, 19. April 2020

Distanzen hinter Buxtehude

Die Wege aus der Krise führen nach wie vor ausnahmslos nach Süden aus der Stadt hinaus. Aber immerhin gib es sie. Nach wie vor verfolgten wir primär das Ziel, eine Stelle am Deich zu finden wo man die Decke ausbreiten und Hard Science Fiction lesen kann. Im Westen gibt es zwei Flüsse, deren Namen man nicht auseinander halten kann (deren Verlauf übrigens auch nicht), die aber Deiche haben. Sie Sonne knallte senkrecht und ein hefiger Nordostwind schob uns vor sich her auf den einsamen Straßen zwischen den nichtssagenden Dörfern im Bermudadreieck zwischen Buxtehude, Stade und Kutenholz. Das Vio führte die Himalayan dabei über kleinere Verbindungswege, die Mash folgte, und wir waren echt überrascht wie schnuckelig frühlingszart manche Ecke aussah. Irgendwann standen wir, interstellar distanziert von jeglicher Menschheit, auf einer Marschwiese. Vor uns lag tatsächlich ein zugängliches Stück Deich an der Oste (oder Este, weiß nicht). Leider war der Ostwind rasiermesserscharf geworden, so dass wir die Handschuhe anbehielten und die Picknickdecke gar nicht erst abschnallten. Vor der Rückfahrt gegen den bissigen Wind hatten wir Angst. Aber im gleichmütigen 70 km/h Trott auf der B73-Todesstrecke ließ es sich aushalten, besser als gedacht.

Sonntag, 12. April 2020

Zu Ostern 300.

Ostern 2020: Tiefgreifende Einschränkungen galten für Fußgänger. Wir gehörten zu den Privilegierten. Nicht nur wir: Auf den Straßen im Großbereich Nordheide fuhren ausschließlich Bikes. Wir waren auf einer distanzierten Fahrt mit Ben und Kiki unterwegs. Markus und Christoph waren auch auf der Straße, auf einer gegenläufigen Tour, und schalteten sich gelegentlich elektronisch dazu. In dieser Form war das alles legal. Den ganzen Tag cruisten wir über die endlosen, leergefegten Highways. In Unterlüß hielten wir erstmals. Unweit der Waffenfabrik brannte die Sonne, gab es Fachgespräche, und alle wollten die Himalayan ausprobieren. Es ging Vio-geführt auf traumhaften Umwegen bis nach Amelinghausen, dann wieder südwestlich bis kurz vor Soltau. Es war egal, alles bestand nur aus ungestörtem Gleiten mit 90 Sachen über nie mehr endenden Asphalt. Im weiten Westen, bei Sittensen, trennten wir uns. Die beiden fuhren auf ihren Landsitz, Anja und ich brummten mit satten 300 Klimometern auf der Uhr und einsetzender Müdigkeit in die verseuchte Stadt.

Sonntag, 5. April 2020

Home

Der Frühling war unbeeindruckt von allen Beschränkungen. Er war draußen und wurde jedes Wochenende besser.  Am Sonntag erschien Stayathome nur als eine Option vom mehreren. Weit stromaufwärts am Elbdeich musste es mindestens so sicher sein wie im Homeoffice. Um nicht aufzufallen (und um nicht so viel Zeit zu verlieren wie am Wochenende zuvor) kämpften wir mit der SR und der Mash mühevoll mit 100 auf der Autobahn nach Lüneburg gegen den strammen Ostwind. 50 Kilometer zogen sich wie Lichtjahre. Dort, in der Region, auf hellen Landstraßen, war niemand. Das ist da zwar immer so, aber es erhöhte das Sicherheitsgefühl. Erst bei Bleckede, wo wir den Elbdeich nach einem geheimen Plätzchen abscannten, fühlten wir uns bedrängt von allgegenwärtigen, in Minivans anreisenden Elektroradlern. Die Motorbiker auf der Elbuferstraße waren und blieben unsere Freunde. Sie erfüllten die Luft mit dem Sound der Lebensfreude. Fast auf dem Rückweg entdeckten wir bei Barförde ein unentdecktes, elektroradlerfreies Stück Deichvorland. Die Sonne schien auf die Picknickdecke, der Strom zog vorbei, als wäre alles Ordnung. Wir lasen ein paar Kapitel in Hard-Science-Fiction Romanen, dann gondelten wir auf der Süduferstrecke im Bummeltempo durch eine ungeahnte Milde nach Home.