20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 30. Juli 2023

Rechnen

Am Sonntag war das Zeitfenster noch schmaler, und ich würde es nicht vorbeiziehen lassen. Gleich nach dem Frühstück kickte ich die SR an und ließ sie durch die verschlafene Stadt schnurren. Rechnerisch konnte ich am Elbdeich entlang und über den Sachsenwald zurück fahren, bevor die Regenfront eintraf. Tatsächlich fuhr ich weiter bis Geesthacht, weil es so schön alleine auf der Straße war und Rückenwind hatte. Auf der anderen Seite ging es mit Gegenwind zurück, frisch, und irgendwie kernig. Ab und zu hielt ich an um das Radar zu kontrollieren. Die Front hatte Verspätung, so dass ich immer neue Umwege durchs undurchdringliche Straßenwirrwar südlich von Harburg dazuprogrammierte, und schließlich in Heimfeld auf die Hafenroute kam. Es war noch früh, der Tag konnte kommen und die Front von mir aus auch.



Samstag, 29. Juli 2023

Fahrplan

Die Arbeit mit Zeitfenstern wurde im Juli überlebenswichtig. Am Samstagmorgen bastelten wir mit Blick aufs Radar, die Uhr, und die Straßenkarte einen sinnvoll dastehenden Plan zusammen. Persönliche Befindlichkeiten hatten sich unterzuordnen. Da das Schönwetterloch aus Westen kam, fuhren wir ihm entgegen, und zwar auf der Autobahn bis Elmshorn. Die ungewöhnliche Richtung brachte uns in Regionen, die wir nur selten zu sehen bekommen. Itzehoe zum Beispiel ist und bleibt eine fremde Welt. Das Land drumrum ist anders, der Wind weht rau, die Wolken silbrig und schwer. Das hatte was, und wir änderten mehrfach die Routenprogrammierung. Zu dem idyllische Sträßchen am Stördeich entlang konnte besonders Anja nicht nein sagen. Als wir bei Glückstadt an auf die Hauptstraße trafen, kamen vom Atlantik schon immer dickere Wolkenberge. Wir nahmen ein Picknick im Stehen, spürten aber schon den Sog in die sichere Stadt. Uetersen, Appen, Schenefeld, mit schönem Schwung und perfektem Timing. Mit dem Garagentor schloss sich das Zeitfenster. Gute Planung ist alles.



Samstag, 22. Juli 2023

Die Rettung

Immer dann, wenn die Zeitfenster für die großen Taten zu schmal sind, oder die Pläne zu klein, oder es einfach ein heißer Juliabend ist, kicke ich die SR an und lasse sie lautlos durch die Stadt schnurren, oder  deren engsten Kreis. Manchmal im T-Shirt, mit Sonnenbrille, auf jeden Fall immer mit Stil. In der Ferienzeit ist die Stadt traumhaft leer wie im schönsten Lockdown. Zumal Abends, wenn die Hiergebliebenen vor der Glotze hängen oder sich besaufen. An manchen Tagen ziehen Schauer durch, und es bleibt nur eine Stunde. Selbst wenn ich es nicht mal bis zum Zollenspieker schaffe, diese Yamaha rettet den Tag.



Große Pläne

Große Pläne, ein freier Freitag, unterwegs nach Hörden. Leider etwas verkatert, und vor allem ohne den Schlüssel, was wir erst in Hittfeld beim Durchgehen der Checkliste über Funk feststellten. Autobahn zurück, alles auf Anfang. Zweiter Versuch, diesmal kurz vor Buchholz, kein guter Himmel voraus. Die graue Wand war eine massive Schauerzelle über Soltau. Je länger wir das Radar studierten, umso mehr Zellen formierten sich zu einem undurchdringlichen Labyrinth auf dem Weg nach Süden. Pragmatisch planten wir den Abbruch. Den Rest des Tages verbrachten wir in einem letzten Sommerloch, das sich über der Nordheide bis zum frühen Abend hielt. Ich fuhr meist teilnahmslos dem TomTom hinterher, was dazu führte, dass mir viele der bekannten Speckgürtelstrecken unbekannt erschienen, sich anfühlten wir eine Entdeckungsreise. In Stelle fuhren wir beim Edeka vor und beluden das Schreckliche Topcase mit Doraden, das erzeugte authentisches Urlaubsfeeling im Nahbereich. Die Sonne drückte, am Horizont drohten die nächsten Zellen. Mit fast leeren Tank kurvten wir nach Hause uns heizten den Grill an.



Sonntag, 16. Juli 2023

Umwege

Anja hatte es verdient, ein Kontrastprogramm: Als Honda-Duo ging es im Kürzeste-Route-Modus in den Südwesten von McPom. Der Weg dorthin war eher blöd, durch Barmbek und Bergedorf, aber mit Rückenwind und unbeschwert. Im Zielgebiet war es genau so, wie man es sich wünscht für eine wendige 500er: Plattenwege durchs Gebüsch, dunkle Alleen und staubige Felder im Hinterhof von McPom, dazu befreiende Menschenleere. Man wundert sich über die ergiebigen, langen Strecken im Nirgendwo zwischen der B195 und B5. Lübtheen tauchte auf wie eine Großstadt. Dann wieder Wildnis. In der Nähe von Kaarßen kamen wir in die Elbauen. Hitze brütete, wir ruhten uns im Wind auf dem Deich aus. Zusammen mit einem Harleypäärchen machten wir uns auf einen willkommenen Umweg nach Darchau, zu einer alternativen Fähre, die angeblich nicht auf einer Sandbank fest saß. Auf der Elbuferstraße ging es entspannt in den langen, lauen Abend. Es folgte Geesthacht, die Deichstraße, halb 9 die Stadt. Bis in die Nacht schwärmten wir von dem Tag.





Samstag, 15. Juli 2023

Zeitfenster

In der Theorie gab es ein Zeitfenster bis Mitte Nachmittag. Ideal zum allein Cruisen. Ohne Störungen sollte eine großzügige Highwayrunde drin sein, sagte das Beeline. So locker, dass ich am Anfang einen Zwischenstop beim Harleyfritzen in Seevetal einbaute und beinahe eine Softail Standard Probe gefahren wäre. Danach ging es gedankenverloren auf den Langen Geraden nach Süden. Je weiter desto alleiner, desto besser. Heiße Luft zog durch den Hoodie, die Bolt rollte im Fünften dahin, das hätte endlos so weiter gehen können. Wäre es auch, aber aus Westen kam mehr Suppe angeschoben als geplant. In Bergen bekam ich Angst und strich den südwestlichen Teil der Route unbemerkt weg, drehte auf die B3 nach Norden. Das ging gut, aber Regen kam nicht, bzw. verlief parallel. Die Rosengartenstraße nahm ich noch mit, dann den Hafen und ab nach Hause. Das Zeitfenster schloss sich, aber die Sonne schien noch rein.



Sonntag, 9. Juli 2023

Insider

Den ersten Teil der Strecke erlebte ich träge und irgendwie verkatert. Dabei war viel Diskussion und Planung in das Vorhaben eingeflossen, gemeinsam der drohenden Gluthitze zu entfliehen, und zwar im frischen Wind der östlichen Ostsee, dem kältesten Ort der Republik. Kilometer flogen, irgendwo kam eine Pause, ein Brötchen, Klarheit. Wir kreuzten durch gelbe, heiße Felder in Mecklenburg, es ging durch Gadebusch, Mühlen-Eichsen dann nördlich ohne Verkehrsstörung nach Wismar. Dort checkten wir mitten in der Altstadt ein, ließen die Jacken zurück und fuhren über den Damm nach Poel, wobei wir versuchten auszurechnen, wann wir das letzte Mal hier waren. Jahrzehnte. Durch Insiderwissen kannte ich den Weg zu Off-Stränden, die nur Einheimische kennen. Letztere waren leicht auszumachen, unförmig und ohne Badehosen. Der Strand lag im Windschatten und war nur anderthalb Meter breit. Das Wasser war flach, aber hey, es war kühl und vor allem vorhanden! In Wismar war es lange hell, aber die Küche schließt um 21 Uhr. Osten bleibt Osten.

Sonntag probierten wir den anderen Insiderstrand aus, am Ende eines Plattenweges. Auch hier wieder nackte Ossipimmel und Hunde, aber mehr Sand, und eine angenehme Brise vom Meer. Umso massiver die Hitze, die auf der Rückfahrt über dem Land lag. Entgegen aller Erwartungen cruisten wir fast allein über die Highways auf die sengende Nachmittagssonne zu. Grevesmühlen war nicht weit, und beim Eiskaffee programmierte ich einen herrlichen Umweg durch warme Luft über Schönberg, Ratzeburg, und dann weiter in den Westen, bis Zarpen, wo wir auf die Minute pünktlich ankamen und bestens begrillt wurden. Das hätte richtig gemütlich werden können, wenn ich nicht zufällig auf dem Radar die anrückende Gewitterfront entdeckt hätte. Autobahn, das ging ganz fluffig, wir waren safe. In uns glühte der gesamte Sommer.



Sonntag, 2. Juli 2023

Gesamtkunstwerk

Rendsburg hin und zurück, das macht man nur, wenn es was zu gucken gibt. Tatsächlich ist die Nordart ein bewährtes Ziel, aber auch die Strecke, die man eher selten fährt, hat was. Es war stürmisch aus Westen, so dass ich aus Angst die 500X nahm. Anja fuhr die Rebel und blieb cool. Auf der B4, und weiter im Norden auf der Route Bad Bramstedt, Aukrug, Jevenstedt musste man aufpassen, nicht von der Allee gefegt zu werden. Am Ziel guckten wir Kunst bis zur Erschöpfung und uns war schon mulmig vor der Rückfahrt. Unnötig, die Fahrt war easy, das Licht spektakulär, und alles war ein Gesamtkunstwerk.