Den ersten Teil der Strecke erlebte ich träge und irgendwie verkatert. Dabei war viel Diskussion und Planung in das Vorhaben eingeflossen, gemeinsam der drohenden Gluthitze zu entfliehen, und zwar im frischen Wind der östlichen Ostsee, dem kältesten Ort der Republik. Kilometer flogen, irgendwo kam eine Pause, ein Brötchen, Klarheit. Wir kreuzten durch gelbe, heiße Felder in Mecklenburg, es ging durch Gadebusch, Mühlen-Eichsen dann nördlich ohne Verkehrsstörung nach Wismar. Dort checkten wir mitten in der Altstadt ein, ließen die Jacken zurück und fuhren über den Damm nach Poel, wobei wir versuchten auszurechnen, wann wir das letzte Mal hier waren. Jahrzehnte. Durch Insiderwissen kannte ich den Weg zu Off-Stränden, die nur Einheimische kennen. Letztere waren leicht auszumachen, unförmig und ohne Badehosen. Der Strand lag im Windschatten und war nur anderthalb Meter breit. Das Wasser war flach, aber hey, es war kühl und vor allem vorhanden! In Wismar war es lange hell, aber die Küche schließt um 21 Uhr. Osten bleibt Osten.
Sonntag probierten wir den anderen Insiderstrand aus, am Ende eines Plattenweges. Auch hier wieder nackte Ossipimmel und Hunde, aber mehr Sand, und eine angenehme Brise vom Meer. Umso massiver die Hitze, die auf der Rückfahrt über dem Land lag. Entgegen aller Erwartungen cruisten wir fast allein über die Highways auf die sengende Nachmittagssonne zu. Grevesmühlen war nicht weit, und beim Eiskaffee programmierte ich einen herrlichen Umweg durch warme Luft über Schönberg, Ratzeburg, und dann weiter in den Westen, bis Zarpen, wo wir auf die Minute pünktlich ankamen und bestens begrillt wurden. Das hätte richtig gemütlich werden können, wenn ich nicht zufällig auf dem Radar die anrückende Gewitterfront entdeckt hätte. Autobahn, das ging ganz fluffig, wir waren safe. In uns glühte der gesamte Sommer.
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