Freitag, halb 12, Feierabend. Das mussten alle akzeptieren. Ich packte einen kleinen Rucksack und setzte mich in den Regionalexpress. 4 Stunden später war ich in Göttingen. Dort war Sommer, wie immer. Ich holte die 500X aus der Garage, fühlte mich frei und allein, fuhr mit irrem Tempo auf der Autobahn nach Windhausen. Sowas würde man normalerweise nicht tun, aber ich hatte einen Grund. Nach einer Stunde war dieser abgehakt und ein Wochenende begann, erfüllt von Sonne, Kilometern und sonst nix. Ich checkte in Hörden ein und brut eine Frikadelle.
Am nächsten Tag hatte ich mich mit Rembert verabredet. Treffpunkt war Bernburg an der Saale, die Anfahrt rechtfertigte eine ausufernde, diagonale Harzquerung. In der Morgenfrische war ich unterwegs auf meist unbekannten, verkehrsfreien Kurvenstraßen weit in den Osten, wo bei Mansfeld die Berge sanft in eine triste Ebene übergehen. Auf einem Parkplatz traf ich Rembert und dessen kolossale Road Glide. Zu Essen gab es in Bernburg nix, was mir ziemlich peinlich war. Ein Sandwich an der Tanke löste das Problem und war irgendwie auch stilecht. Wie beschlossen, den Tag auf kurvigen Asphalt zu verbringen. Meist führte die Glide, die Rembert unter Beastie Boys Beschallung äußerst souverän über die Bergstraßen trieb. Es war ein Vergnügen, dem Dickschiff durch die präzise gewählten Radien zu folgen. Auf den Geraden gab ich der Honda Vollgas, um dranzubleiben. Vergeblich. Die Höhenstraße im Zelluloid-Gegenlicht bildete den angemessenen, epischen Abschluss. Wir parkten lässig und etwas durchgekühlt bei Piccolo Mondo und bestellten Pizza.
Der Sonntag war genauso sonnig, als ginge es für alle Zeiten so weiter. Wir fuhren über den Sieberpass hinauf zur Hochstraße, dort trennten sich unsere Wege. Für mich ging es westlich aus dem Harz raus, 37879 Bikes kamen mir dabei entgegen. Die Honda musste nach Hamburg, was ich auf einer großräumigen Tour auskosteten wollte. Die Details hatte Tomtom ausgearbeitet, mir war nur wichtig, dass es durchs Leinetal ging, wo ich einen Aussichtsturm gesehen hatte. Er stand nördlich von Alfeld im Wald, aber unerreichbar am Ende eines Wanderweges. In finaler Sommersonne kurvte ich weiter nach Norden, bis die Welt verflachte und nur noch aus Wohnsiedlungen und Gewerbegebieten bestand. Hannover umfuhr ich ganz schlau auf der Autobahn. Nach einem kurzen Freiheitsgefühl stand ich im Stau. Ich probierte Waldgeraden im Westen aus, kam in Kolonne über Walsrode nach Soltau. Ein letztes Stück Fahrvergnügen wollte ich noch und nahm die hügelige Strecke Bispingen, Hanstedt, Brackel. In Fliegenberg stand ich müde am Deich, wo die Welt endete. Gutes Ende.


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