Es war das 1. Mai-Wochenende, und alle sagten man sollte raus auf die Straße. Kein Problem. Als Bonus gab es ein Ziel der Extraklasse: Family Bikertreff in Hörden. Um 10 Uhr rollten wir auf der B3 nach Süden. Unter unseren Reifen entwickelte sich ein makelloser Frühsommertag in viel zu warmen Klamotten. Die Kilometer zogen geradlinig und störungsfrei dahin, die ersten Berge kamen in Sicht, verheißungsvoll in schimmernden Dunst. Es war noch Nachmittag als wir ankamen, entspannt und voller Vorfreude. Vor Ort erwartete uns bereits Götz. Er hatte seine Triumph vom Hänger geladen und den Kühlschrank mit toten Tieren gefüllt. Für heute gab es nichts mehr zu tun als eine Tour über den Sieberpass, die ich improvisierend anführte. Die Serpentinen, die umwerfenden Panoramen auf der Stracke nach Clausthal, die perfekten Kurven, das passte alles in eine kleine Stunde rein. Was für ein Leben müsste das sein, dies immer zu haben. Über diese Frage philosophierten wir den ganzen Abend am Grill.
Freier Freitag: Während wir in der Sonne frühstückten, reise Albrecht an. Er lud eine verchromte Royal Enfield vom Hänger, zog die Lederjacke an und war am Start. Die Gruppe aus Street Twin, Interceptor und Rebel sah echt gut aus, nur meine 500X passte nicht ins Bild. Ich glich das aus durch Führung einer sorgfältig komponierten Tour durchs Eichsfeld: Wenig Kilometer, kommunikative Zwischenstopps, angenehme Strecken, und fremde Gegenden. Inzwischen war es heiß wie ein Sommertag. In einem nur Insidern bekannten Wald in der Nähe von Keula beorderte ich die Truppe auf einen Parkplatz. Anja und ich begaben uns ins Unterholz zur Bärlauchernte. Die Rückfahrt wurde zwar nicht der geplante, elegante Bogen, sondern ein auf seine Art nicht weniger eleganter Tanz zwischen mehreren Gewitterzellen hindurch. Am Ende waren es keine 150 Kilometer, auf die wir am Grill zurückschauten und Bärlauch draufstreuten.
Den Samstag verbrachten wir in Albrechts Mercedes. Der sprach viel tiefsinniges Zeug und nahm verwegene Nebenstrecken. Erstmalig fuhren wir z.B. bei Starkregen nach Düna. Im Gegenzug erreichten wie aber auch Goslar, das uns positiv überraschte, und das wir unter anderen Umständen so nie gesehen hätten.
Am Sonntag reisten alle ab in ihre andere Welt. Unsere Hondas fuhren gemächlich nach Göttingen in die Garage. Unser ICE kam, die Sonne ging überm Flachland unter, und wir schmiedeten Pläne.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen