über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Donnerstag, 14. Mai 2015

Fokus

Am Himmelfahrt fand Anja einen Business-Grund, nach Reinfeld zu fahren. Wir nahen die langatmige B434 über Bramfeld, Sasel, Bergstedt, wo die Vorstadt niemals aufhört. Über dem freien Land wehte wieder der Westwind, und im Umkreis der Dörfer lagen jugendliche Schnapsleichen neben leergesoffenen Bollerwagen in den Bushäuschen. In Reinfeld fuhren wir beim ehemaligen Forstamt vor, regelten Dinge bei einer Tasse Kaffee, und fuhren zurück, noch bevor die Motoren ausgekühlt waren. Die Tage sind kalt, aber endlos lang, und es bestand kein Grund für den direkten Weg. Meddewade, Oldesloe, Pölitz, dann Lasbek, Hoisdorf, Ahrensburg. Unter fahlem Himmel, monotonem Grün und frischen Böen, aber ungeahnt flüssig und fokussiert, waren wir am Ende durchgefroren und zufrieden.

Dienstag, 12. Mai 2015

Arizona

Um 18:30 Uhr holte ich Anja in Eppendorf ab. Es war ein Montag mit einer kurzen Sommerhitze. Mühelos flossen wir in dünnem Verkehr nach Norden, am Flughafen entlang, bis zum Arizona in Garstedt. Der Blick wanderte immer wieder von den Ribs auf dem Teller zur Straße, wo vorbeifuhr, was eine lange Gabel und/oder einen lauten Auspuff hatte. Rechnung, danke, los. Die Umgehungsstraßen im Umkreis, zu dieser Zeit konnte man sie genussvoll durchgleiten. Waldstücke, Kuhwiesen. Die Luft war flauschig wie eine Fleecedecke, das Land maigrün und buschig. Die Maschinen fühlten sich geschmeidig an durch die dünnen Lederhandschuhe. Quickborn, über Dörfer im Dämmer nach Pinneberg. Selbst das war cool. Weiter Richtung Wedel, rauschende Allee. Zurück durch den Canyon, dann die Stadt, raumgreifend ausgestreckt, durchzogen von endlosen Vierspurigen im Abendrot, auf denen man gleichmütig dahinrollt, wie L.A. Thanks a lot, Montag.
 
 

Sonntag, 10. Mai 2015

Bissig, grell und wuchtig

Eine feucht-windige Ungemütlichkeit lag wieder über dem Wochenende. Erst am Sonntag kam ein bissiger Westwind und schob den Himmel frei. Neben dem Spießerpäärchen im Seat am Luftpumpdingsda fühlten wir uns einen Moment lang wie Einprozenter. Das war ganz angenehmen, denn wir waren auf dem Weg zum Bike-Weekend in Plön. Die B432 ist immer wieder faszinierend öde. Und voller lahmer Gurken, die ein prima Alibi abgeben, wenn man mit 75 Sachen den eisigen Wind absitzt. Hinter Segeberg dann die im Prinzip bekannte, aber immer wieder neu begeisternde, schwingende Straße über Blunk. Damsdorf, Stocksee, wuchtig grün und grell gelb. Das Treffen war überschaubar. Ratlos tranken wir Kaffee zwischen Outlawkutten, Heavyrock und Plönbewohnern mit Rollator. Zurück über Eutin, Ahrensbök, Langniendorf, voller Erinnerungen an flirrende Sommerabende. In der Tat schien in mancher Senke eine kurze, wohlige Wärme die Finger aufzutauen. Auf der B75 war dann alles beim alten. Familienkutschen im Halbschlaf, scharfer Wind aus Nordwest. Am Abend schien die Sonne durchs Fenster, aber die Wollsocken behielten wir erstmal an.
 

Sonntag, 3. Mai 2015

Heraus zum ersten Mai

Das lange Erstermaiwochenende war unplanbar, die Vorhersage war durchweg unbrauchbar. Am Freitag wehte ein kalter Wind durch die tote Stadt. Wir kurvten mit den Vanvans durch erstarrte Hafenanlagen, guckten Schiffe, bekamen Kaffeedurst und fuhren vor einem nervigen Touristencafé in der Hafencity vor.
Samstag war es erst trüb, aber am Nachmittag war uns nach dicken Maschinen. Wir zogen Fleecepullis an und rollten ein Stück die B4 hoch, nicht weit, nahmen eine namenlose Querverbindung Richtung Henstedt. Und da war es, ganz kurz! Das Gefühl - ein Stück durch die Wiesen, mit dem Wind im Gesicht, eine Kurvenkombination. Das Leben war sehr schön.
Sonntag hatten wir uns auf Innenaktivitäten eingestellt, als ich gelangweilt mit dem Smartphone rumspielte und ungläubig das Wetterapp neu startete. Sonne, 18 Grad oder was. Kurz drauf schnurrten wir erstmalig die B75 entlang nach Norden. Keine Umwege, einfach fahren, scheiß auf die Autos. Reinfeld, dann durch Wald und Wiese, grün, hell, blütenweiß und gelbestes Gelb. In Strukdorf bekamen wir Kaffee und Neues aus Istanbul. Dann eskortierte Horst uns 'irgendwie rüber Richtung Bramstedt'. De facto fuhren wir orientierungs seiner schnittigen Integra hinterher. Es ging über Orte mit bescheuerten Namen, die ich auch nachher nicht auf der Karte wiederfinden konnte, durch nie dagewesene Alleen, Wälder, verschlagene Wege am Rande der Legalität (teils darüber hinaus) in Farben, die allein Horsts Warnweste toppen konnte. Wir trennten uns kurz vor Hartenholm. Inzwischen war es diesig geworden, In Hamburg war die Luft grau und staubig, hektische warme Böen kamen aus Westen, wie man es aus vergangenen Sommern kennt. Für Anfang Mai war das okay.
 

Sonntag, 19. April 2015

Unser Weg nach Lehmrade

Nach Lehmrade führen viele Wege, aber wie hatten uns für den langweiligsten durch Bergedorf entschieden, wo man von Ampel zu Ampel juckelt. Unter uns, wir waren heimlich dankbar, wenn wir warten mussten, denn die Sonne schien zwar brutal an diesem Aprilsonntag, aber auf den Geraden wurde es ungemütlich. Nach einem langen Kaffee an der Tanke in Lauenburg wurde es etwas wärmer und wir genossen erstmalig in diesem Jahr, die Cruiser über freies Land rollen zu lassen. Bei Güster, hinter der großen Senke, fuhren wir links ab, in einen Märchenwald, durch den sich eine alberne kleine Straße schlängelt. Man kommt vorbei an einem Spukschloss, dass auf keiner Karte verzeichnet ist (und im gesamten Internet auch nicht). Dann die Ausläufer von Mölln, etwas kreuz und quer durch die Hügellandschaft im Grenzgürtel, und dann Lehmrade, wo die Ruhe summte, und wir, wie versprochen, ein Objekt am Arsch der Heide beäugten. Wir drehten noch eine kleine Runde durch sprießendes Grün am Wegesrand und Weiße Bäume in grellem Nachmittagslicht, dann versuchten wir, den gleichen Weg zurück zu finden. Dabei landeten wir nachhaltig in Möllns entlegensten 30er-Zonen und kam dort nicht ohne weiteres wieder raus. Später, von Geesthacht aus nahmen wir die Deichstraße. Wir waren inzwischen entsetzlich müde, und ein Kaffee war irre verlockend. Trotzdem ließen wir den überfüllten Zollenspieker links liegen. Wir fuhren in der Weidenallee vor, machten den Kaffee selbst und wärmten uns auf dem Balkon auf.


Montag, 6. April 2015

Richtig.

Ostermontag herrschte wüstes Gedränge am Dampfstrahler. Der Tag blendete in irrem Halogenlicht und mühsam zweistelliger Temperatur war es herrlich, durch die Stadt zu cruisen. Ein lange vermisstes Gefühl kam immer besonders dann auf, wenn Anja aus dem Rückspiegel an der Ampel neben mich gerollt kam und ihr Auspuff meinen übertönte. Wir fuhren durch den Hafen, und mit dem Wind im Rücken kamen wir uns ungeheuer mutig vor, die drömelige Deichstraße bis ganz zum Lüheanleger durch zu fahren. Dort waren alle Mutigen versammelt. So viele, dass man kaum einen Stellplatz bekam. Chrom glänzte, viele Maschinen waren nagelneu, die erste Krakauer lag etwas schwer im Magen. Gegen fünf Uhr wurde es frisch, und wir fuhren entspannt am helligten Tag nach Hause. Kalte Füße hin oder her, das Gefühl blieb, dass alles richtig ist.

Sonntag, 8. März 2015

Fliegen ist NICHT schöner.

Wartend im SFO Int'l Airport hielt ich es für einen Bug in meinem Wetter-App. Gute 13 Economy-Stunden später musste ich erkennen, dass es wahr war: Über Nacht war eine Art Vorfrühling nach Europa gekommen. Ich schmiss den Rollkoffer und den Jetlag in die Ecke, ließ die unter einer Staubschicht versteckte Vulcan an und cruiste noch eine Stunde drauf los.
Am Sonntag dann schien die Sonne schon morgens wie in besten Zeiten. Die Straßen brummten, die Menschen regierten hysterisch. Ich glitt den Highway 3 entlang und inhalierte die erste Wärme, gedanklich Touren an langen, heißen Juliabenden durchspielend. Alles sah aus wie ein überbelichtetes Foto. Als ich in Soltau auf den Cappuccino wartete und Emails von Anja abrief (sie war im Oman und ließ sich die Sonne auf den Arsch scheinen), bemerkte ich, dass ich mein Portemonnaie vergessen hatte. Mit der Kellnerin konnte ich noch dealen, dass sie mir den Kaffee schenkte (lag wohl am Motorrad), aber was machte ich nur mit dem fast leeren Tank? Äußerst sparsam, und mit grell leuchtender Reservelampe kam ich wieder nach Hause. Dort gab es Geld, Benzin, alles was man braucht. Ich hatte noch die Hälfte des Tages übrig, gab also gleich wieder Gas und fuhr ein Stück nach Norden, auf dem Highway 4. Auch in der Dämmerung kam nicht die Kälte, sondern nur herrliche Farben. Ich rauchte noch eine an der Landebahn, wo im Minutentakt Flieger eintrudelten, dabei ist es doch hier unten auf der Straße tausendmal besser.