über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 3. April 2016

Wichtiges

Travemünde ist in letzter Zeit aus gegebenen Anlass wieder in den Fokus gerückt. Ich musste am Samstag um 10 Uhr da sein, aber das war auch auf der Autobahn nicht zu schaffen. Die Vulcan parkte draußen in der Sonne, während ich drinnen Gegenstände vergangener Zeiten sortierte. Danach  genoss ich die bummelige, einsame Rückfahrt über die bekannten Strecken. Die Sonne blieb lange oben, und kalt wurde es heute nicht mehr.
Sonntag begann wie ein Sommer. Thomas war da, und fuhr auf der blauen VanVan mit uns die Elbuferstraße entlang. Die linke Hand war schon müde vom Grüßen, da fielen mir 2 wichtige Dinge ein, die irgendwo noch in Travemünde liegen müssen. Ganz wichtige Dinge. Kurzerhand trennten wir uns an der Cappuccinotanke in Lauenburg. Anja und ich cruisten gelassen über Büchen, Mölln Richtung Lübeck. In zwei magischen Momenten tauchten die Gegenstände auf. Als Belohnung fuhren wir die Dorfstraßen meiner Mofazeit über Warnsdorf, Kreuzkamp, Ratekau und gönnten uns ein dickes halbes Hähnchen in Bad Schwartau. Der Abend war warm wie im August. Die B 75 schimmerte im Gegenlicht, und wir glitten cool in die Stadt, abgekoppelt von der Hysterie um uns herum, umarmten gedanklich das, was wirklich wichtig ist.
 

Montag, 28. März 2016

Darmstadt und Umgebung zu Ostern

Plötzlich war Ostern, bzw. erstmal Karfreitag. Dauerregen draußen, drinnen lag ich krank auf dem Sofa und hörte Mahler im Dämmerschlaf. Aber das Gute war, wir waren bereits in Darmstadt, und zwar äußerst luxuriös untergebracht. Im Carport wartete die Bonnie. Alle warteten auf den Samstag, an dem die Sonne schien wie noch nie, die Nase langsam frei wurde wie die Landstraßen im Odenwald, über die wie entlangsegelten. Wir hatten zwar eine Karte mit vorgezeichneten Motorradstrecken, aber wer braucht die, wenn es vollkommen egal ist, man die Maschine einfach rollen lässt, hinter jeder Kurve ein neues, romantisches Tal, ein niedliches Fachwerkdörfchen oder ein Märchenschlösschen liegt, wie zum Beispiel in Mespelbrunn. Wir gondelten den irre unübersichtlich in der Landschaft liegenden Main entlang, suchten vergeblich eine Eisdiele in Wertheim, fuhren weiter, fanden sie in Miltenberg. Pures Glück, der ganze Tag.
 
Sonntag war es zunächst ungemütlich, aber das passte gut zu der traurig-funktionalen Rheinebene, dieser effizienten Landschaftsmaschine, nur da, um all die gleichförmigen weißen Siedlungen zwischen den raumgreifenden Gewerbegebieten unterzubringen und zu vernetzen. Auf der anderen Seite war Worms, dort steht inmitten der Tristesse ein Dom wie aus dem Geschichtsbuch. Und noch ein paar Kilometer weiter, erst Hügel, dann Sonne, dann der Pfälzer Wald. Wir kurvten durch dunkle Täler, in denen sich Papierfabriken aus der Anfangszeit drängen. Mit Vollgas bretterten wir auf der Autobahn zurück, um nicht das großbürgerliche Osteressen zu verpassen.
 
Noch ein Montag, immer noch Ostern. Bis um 15 Uhr hatten wir Zeit. Zeit für einen Ausflug nach, sagen wir mal, zum Frankfurter Flughafen. Nicht um weg zu fliegen, sondern zur Aussichtsterrasse Startbahn West, in der Hoffnung auf einen A-380 (kam keiner). Eine letzte Fahrt durch ungemütliche Rhein-Main Effizienz, ein Stück Autobahn, das wars. Schön wars.

Montag, 29. Februar 2016

Gracias.

Anfangs hatten wir uns alle möglichen Strategien zurechtgelegt, wie wir wohl die Zeit rumkriegen, weil die Insel so winzig ist. Aber als wir die Miet-Kawa erst einmal unter den Hintern hatten, war das alles banane. Denn auf La Palma gibt es keinen geraden Meter. Am ersten Tag erkundeten wir den zersiedelten Osten und den Süden. Wir kurvten durch Lavaströme, die noch warm waren und Bananenplantagen, die bedrohlich wirkten. Abends parkten wir die Kawa in der Tiefgarage und rauchten Fortunas auf unserer Dachterasse.
Die nächsten Tage waren gefüllt mit ganztägigen Touren. Über den Berg, der ein Vulkankrater ist, führt eine spektakuläre Kringelstraße durch Schnee und Eis, unten Wolkendecke, oben Sonnenbrand. Auf den Ostseite, unten am schwarzen Strand, konnte man sich aufwärmen oder irgendwas mit Tintenfischen essen. Meist beides.
Die Nordumrundung sieht auf der Karte aus wie eine Spazierfahrt, es sind aber 200 sehr intensive Kurvenkilometer, vor allem wenn man hier und da mal abbiegt, weil man 600 Meter weiter unten z.B. einen Leuchtturm gesehen hat, oder glaubt, die winzige Nebenstraße würde irgendwann wieder hochführen, und nicht in einem bröckeligen Feldweg verenden.
Zwischen Santa Cruz und Los LLanos gibt es noch den alten Pass, aus der Zeit vor den zwei Generationen Scheiteltunnel. Dort steht man in der Abenddämmerung plötzlich inmitten der Wolkenwalze, die den ganzen Tag über fotogen über den Kamm rollt. Niemand da, man kann einen Abstecher in die Vulkanwüste wagen.
Irgendwann fehlte nur noch die Südwestflanke. Tolle, einsame Kurvenstraße hoch über dem schäumenden Ozean. Und wenn man hinunter fährt sind da triste Urlauberghettos. Damit hatten wir nichts zu tun. Wir verbrachten noch ein paar Abende in den Fußballkneipen Santa Cruz's. Vino Tinto € 1.50. Gracias.
 
 
 

Sonntag, 7. Februar 2016

Durchkommen

Auch der dunkelste Januar ging einmal zu Ende. Und zwar windig und mild, so wie wir es mögen. Jede Minute nutzte ich auf der Vanvan. Zur Arbeit, einkaufen, und am Wochenende auch mal zur Dradenau Schiffe gucken. So kommt man durch. 
An einem Sonntag Anfang Februar war es 11 Grad warm. Ich hatte mehrere Schichten Klamotten an und traute mich auf der Vulcan aus der Stadt heraus. Erst bummelte ich mit einer lethargischen Autoschlange Richtung Wedel, dann hatte ich freie Bahn. Uetersen, Tornesch, Wintergrau unter zerzaustem Himmel. Ich machte einen stattlichen Bogen über Quickborn und Norderstedt. Die Kälte blieb wo sie hingehört. Keine Ahnung wo das ist, jedenfalls nicht wo ich fuhr. 

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Milde Sorte

Das Ende des Jahres war dunkel und mild. Am dritten Advent zog ich mit der Vulcan durch einen trüben Nachmittag nach Travemünde, bekam Kaffee und Kuchen. Ich schaffte es nur mit Mühe, die rettende Stadt auf dem Rückweg noch in der Dämmerung zu erreichen.
Eine Woche später war bereits Weihnachten. Anja und ich waren mit den Vanvans unerwegs über die ausgestorbenen Wirtschaftswege zwischen Reinfeld und dem Anwesen. Aus den vereinzelnd stehenden Häusern drang gelbes Licht in das Blau des Spätnachmittags. Draußen lag das Land in dämmernder Leere unter Vollmond. Am Waldrand erschien ein einsamer Kleinwagen, darin saß ein Weihnachtsmann. 
In der Woche war es herrlich, durch die Stadt zu cruisen, z.B. um immer wieder einen neuen Karton Monte Velho zu holen, oder Nachschub an Marzipan. Wir brummten vergnügt kreuz und quer durch das Hafengebiet, manchmal nahm ich für eine Stunde die Vulcan und gab zügellos Gas auf der Ost-West-Straße, wie in besten Zeiten. Die Straßen waren frei wie in einer Sommernacht, und man brauchte meist nicht mehr als Jeans und warme Socken. Gegen Ende kam aus Sibirien knisternde Kälte. Ein neues Jahr fing an, aber es fühlte sich eher an, als wenn etwas aufhört.

Sonntag, 6. Dezember 2015

Inoffiziell

Ein milder Nikolaustag mit stürmischen Böen, und schräger Sonne schon am Mittag. Die Vanvans kämpften sich im menschenleeren Hafengebiet gegen den Wind ab, und die Welt wurde riesig. Schön ist, mit der Vanvan wird alles so herrlich inoffiziell. Verbotsschilder an verlassenen Kaianlagen gelten nur für richtige Fahrzeuge. Wo Beton endet, geht doch meist ein noch etwas verbotenerer Sandstreifen weiter. Die Containerterminals waren leuchtetnd, und bedrohlich nah. Auf dem Steinwerder, und erst recht am wilden, vergessenen Ende der Dradenau. Später, am coolen Weihnachtsmarkt an der Rindermarkthalle, konnten wir einfach vorfahren und Marzipankuchen rausholen. Den Parkplatzeinweisern fiel nichts ein, und die Fußgänger trieben freundlich nickend aus dem Weg. Es war erst früher Nachmittag. Am Horizont war schon die Dämmerung zu sehen.
 

Sonntag, 8. November 2015

Ruhe

Noch ein sonniger Sonntag kam, vielleicht der letzte. Die großen Pläne hatten wir angesagt, stattessen gondelten wir gemütlich noch einmal mit sanftem Rückenwind die Deichstraße entlang, Richtung McPom. Mal sehen, wie weit wir kommen. Niemand war unterwegs auf den sich auflösenden Aleen. Wir entdeckten vergessene Dorfstraßen abseits der B5, Banzin und Marsow, hundertjährige Bäume, die das Novemberlicht flutete. An mancher Ecke gingen Pisten ab, zu noch entlegeneren Orten (wir sparten sie auf, für spätere Vanvan-Abenteuer). Der Imbiss in Zarrentin hatte schon Saisonende, wie wohl die ganze Welt. An der Tanke schien die Sonne warm auf eine Bank. Wir tranken einen langen, gemütlichen Pappbecher Cappuccino. Der Nachmittag war jung, und wir schwangen uns in einem großen Bogen erst über die versteckte Landstraße über Seedorf Richtung Ratzeburg, dann zickzack nach Gudow, Büchen, Breitenfelde, bis es am Himmel milchig wurde. Die Querverbindung nach Schönberg ging schon ins herbstlich Düstere, aber da war schon die Stadt in der Nähe, wir fuhren rein, und konnten uns nur wundern, warum die hiergebliebenen alle so unter Strom standen. Wir waren ausgefüllt mit innerer Ruhe.