über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 7. Mai 2017

Sieht gut aus für uns.

Der erste Sonntag im Mai fiel voll aus dem Raster. Weder war es eiskalt noch gab es irgendwas zu tun, außer die Mopeds zu starten und loszufahren. Wir hatten aus Gewohnheit Funktionsunterwäsche an, aber das war albern. Unbeschwert rollten wir nach Norden aus der Stadt heraus, in grün leuchtendes Land und realisierten, das sah alles sehr gut aus für uns. Gleiten auf der B4, zwangloses Abbiegen nach Segeberg. Die Strecke von Klein Rönnau über Blunk nach Tensfeld kam wie ein Glücksgefühl aus dem Gedächtnis hervor, dann die verträumte Waldstraße nach Bosau. Endlich ein Eis am See, und Kaffee. Wir wussten, aus Strukdorf bestand eine Einladung zu Berichten aus weiter Welt, und noch mehr Kaffee. Der Weg dorthin führte über Berlin und war auch sonst traumhaft kleinteilig, einsam und leuchtete immer noch in sämtlichen Farben. Die Sonne lief unter Volllast, und wir taten so, als müssten wir demnächst nach Hause. In Wahrheit zog es uns immer weiter die kleinen Landstraßen entlang, die nie zäh wurden und die Finger nicht kalt. Reinfeld, durchs die transparent leuchtende Topographie des Travetals, die Kurven Richtung Ratzeburg, von Kastorf aus allein auf weiter Flur bis zum Sachsenwald, und so weiter uns so fort, bis nach Bergedorf. Das war schon ein klasse Stück und wir redeten den ganzen Abend davon.

Montag, 1. Mai 2017

Immerhin.

Dieses Wochenende hatte ja zwei Sonntage. Am zweiten war es zwar minimal wärmer, aber meist bedeckt. Daher rückte sich die ganz große Fantasie im Laufe der Fahrt auf etwas Realistisches zurecht, etwa eine Runde über Winsen, Richtung Lüneburg. Und selbst das wurde entschärft, indem wir über Luhdorf weiter nach Süden fuhren, um den üblen Wind nicht ganztägig frontal in der Fresse zu haben. Die Strecken dort, in diesem verlassenen Heidewinkel, waren auch in tristem Licht herrlich zu fahren. Stille Wälder, weite Blicke über Frühlingsgrün, manchmal genau im richtigen Moment ein Sonnenstrahl auf einer sanften Kuppe. An einen Kaffee in Undeloh war nicht zu denken, denn die Inszenierung weißhaariger Heide-Heimeligkeit übertraf alles je Dagewesene. Die Freie-Welle Tankstelle in Welle war cooler, man trank Kaffee aus Pappbechern zwischen den Bikes sitzend, während auf der B3 Gleichgesinnte vorüberzogen und grüßten. Wir waren schon am Nachmittag wieder zurück in der Garage uns sagten synchron, immerhin haben wir was draus gemacht.


Sonntag, 30. April 2017

Oh Yeah.

Oh Yeah, dachten wir, als das lange Maiwochenende auf uns zu kam, mit Sonne satt, ohne große Pläne aber gut geölten Maschinen. Auf der Fahrt, irgendwo hinter Bargteheide, wurde aber klar, dass der Nordostwind direkt aus Sibirien kam und keine Witze machte. Wir verkrümelten uns in einer windschattigen Ecke beim Backerei-Junge-MegaCenter in Reinfeld und backten erstmal kleinere Brötchen. Bis nach Neukoppel zum Beispiel müsste man es ohne Erfrierungen schaffen können, so die Theorie. Dort erwartete uns Telse mit Hipster-Filterkaffee und hinterm Haus, wo die Sonne über die gelbe Felder streift und das Licht in mächtigen Baumgruppen flirrt, die Bienen summen und die Welt ganz und gar heil ist, dort konnte man bedenkenlos in der Nachmittagswärme eindösen. Auf der Rückfahrt kam der Wind von hinten und wir sahen die Welt mit anderen Augen. Auf einer kreativen Strecke kurvten wir von Dorf zu Dorf. Die unbekannten Verbindungsstraßen zwischen Westerrade und Traventhal sind Leckerbissen, romantisch und herzallerliebst. Wir kamen bei Schwissel auf die B432, aber obwohl die Kälte anfing zu kriechen, sagten wir zu einem großen Bogen weit nach Westen nicht nein. Ganz allein segelten wir über nie gesehene Straßen durch perfekt beleuchtete, parkähnliche Landschaft im Bermudadreieck zwischen Bad Bramstedt, Segeberg und Norderstedt. Zum Schluss waren unsere Knochen tiefgefroren, auch wenn bis 9 Uhr abends die Sonne schien. Aber das war trotzdem Oh Yeah.

Sonntag, 16. April 2017

Helle Momente

Ostern konnte man sich abschminken, das war schon eine Woche vorher klar. Immerhin, es gab helle Momente, an denen ich nicht das Internet nach Unsinn durchsuchte, und auch nicht lethargisch auf dem Sofa dämmerte. Am Samstag reichte schon die Große Hafenrundfahrt, um den Tag zu retten. Schiffe gucken, Gas eine Weile bei 80 Km/h stehen lassen. Danach einkaufen.
Sonntag war noch besser, auch wenn Anja das nicht wahrhaben wollte: Auf der Schnellstraße nach Bergedorf die kühle Luft durchströmen lassen, warme Socken, die wiederentdeckte Rukkajacke, aber Jethelm, bitte, soviel Feeling muss ein. Ich fuhr bis hinter Geesthacht, dann am Fluss entlang zurück. Da hatte ich den Wind von vorn und war insgeheim dankbar, nicht schneller als 70 fahren zu dürfen. Die Wolken am Horizont waren dunkel, aber hier war es hell. Erstmalig fuhr ich beim Zollenspieker vor. Dort waren nur drei Bikes, und der Cappuccino kam aus der Tüte. Es war noch mitten am Nachmittag, als ich auf pragmatische Art zufrieden und ausgekühlt die Bonnie in der Garage parkte und mit dem Fahrstuhl direkt  in die warme Wanne fuhr.

Sonntag, 9. April 2017

Welt der Wunder

Nach einer eher kühl-geradlinigen Fahrt nach Strukdorf am Samstag und einem ausgiebigen Opernabend in Lübeck entwickelte sich ein Sonntag wie ein Wunder. Die Klamotten vom Vortag waren schon nach wenigen Kilometern zu warm und wolkenloses, grelles Licht flutete die vor unseren Augen ergrünende Landschaft. McPom erreichten wir in gleichmäßig fließendem Tempo auf der Autobahn. Dann kamen die Landstraßen aus dem letzten Sommer zurück ins Bewusstsein. Um uns von der ausgekühlten Küste fernzuhalten, verzichteten wir zähneknirschend auf das Eis in Grevesmühlen. Stattdessen fanden wir ausgerechnet in Gadebusch ein aufgemotztes Bahnhofscafé und Backsteinromantik, wo man sonst nur Plattenbauten und Naziprolls erwartet. Die Sonne brannte sich durch den Tag und zog uns weiter nach Süden, meist allein durch kahle Alleen brummend, angenehm monoton, dabei unterkomplexen Gedanken nachhängend. Später, tief im Süden, saßen wir am Elbdeich, Auf der B195 waren alle Biker der Welt unterwegs. Eine schöne Welt.

Sonntag, 2. April 2017

Unser Ding

Die Sonne schien immer noch, und was sind 3 Grad weniger unter Freunden. Anja beharrte auf kleinteiliger Wegführung. Wedel, Haseldorfer Marsch. Dort ist man so selten, dass jede romantische Allee, jede schlängelnde Deichstraße und jedes wild blühende Dorf aufs Neue überrascht. Kurzer Check am Bikertreff von Kollmar: Nicht unser Ding. Von Südwesten kamen Wolkenwürste, und zum Planen auf der Handykarte hatte ich keinen Bock. Es müsste doch möglich sein, einfach nach Nase auf kleinen Landstraßen durchs Hinterland zu fahren und dann irgendwie einen Bogen zu schlagen, der den Tag ausfüllt. Das klappte sehr gut. Durch grüne Felder der Marsch, dann kahle Wälder und in der grellen Sonne blinzelnde Dörfer kamen wir bis nach Kaltenkirchen durch. Dort tranken wir einen Kaffee in einem original amerikanischen Diner. Und weil noch so viel Sonne übrig war, ließen wir uns über die Landstraßen treiben bis fast kurz vor Oldesloe. Noch einen seltsamen Schlenker bis Tremsbüttel, dann ein entspannter Rückweg in die Stadt der Bekloppten.

Samstag, 1. April 2017

Geschenk

Unter der Woche war eine Art Vorsommer angerollt und hatte die Stadt komplett umgekrempelt. Die, die kein Motorrad hatten, liefen willenlos durch den Park, oder betranken sich. Uns ging es gut, denn wir ließen erstmalig die Boliden richtig laufen, endlos, weitschweifend, ruhig. Die B3 SÜD ist dafür eine perfekte Wahl. Lederjacke, leichte Handschuhe, Jethelm, Doc Martens, normale Socken. Auch auf der Langstrecke kein Beißen, keine Frösteln, einfach nur das weiche Luftkissen bei 90 bis 100 Sachen, an das man sich lehnen kann und ferne Dinge denken. Von Soltau aus nahmen wir den mittelgroßen Bogen über die noch geradere und noch leerere B209 durch mutig grünendes Buschwerk bis Amelinghausen, und kamen über Winsen an den Elbdeich. Alles schon mal dagewesen, klar. Aber dieser Tag war ein Geschenk, das man an einem besonderen Ort verstaut, wo es einem keiner jemals wegnehmen kann.